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Radverkehr auf Sylt : Über die Köpfe der Bürger hinweg?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Pläne von Bürgermeister Häckel wie Freigabe der Fußgängerzone für Radfahrer und Umwandlung der Maybachstraße zur Einbahnstraße stoßen auf Kritik.

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erstellt am 11.Aug.2017 | 04:46 Uhr

Noch ist die umstrittene Freigabe der Westerländer Fußgängerzonen für den Radverkehr in der Zeit von 21 Uhr abends bis 11 Uhr morgens nicht in Kraft, da kommen von Nikolas Häckel weitere Vorschläge, um das alljährliche Chaos auf den Straßen der Inselmetropole besser in den Griff zu kriegen und mehr für den Umweltschutz auf Sylt zu tun. Für die Bauausschuss-Sitzung nächsten Montag ist ein Bericht des Bürgermeisters der Gemeinde Sylt angekündigt über die Einrichtung einer Tempo 30-Zone auf einer der wichtigsten Westerländer Magistralen sowie einer Maßnahme zur Verbesserung der Radverkehrsführung im Innenstadtbereich.

Nach Fertigstellung der überörtlichen Hauptverkehrsstraße L24 (von der Lorens-de-Hahn-Straße im Süden bis zum Ende Trift am Bahnhof) sei nun die Möglichkeit gegeben, den Straßenzug Maybachstraße/Süderstraße im Abschnitt von der Klaus-Groth-Straße im Norden bis zum Süderende künftig als Tempo 30-Zone auszuweisen, heißt es in dem vom Ressort Verkehrsangelegenheiten des Ordnungsamts erstellten Bericht. Damit würden die bereits bestehenden Tempo 30-Zonen westlich und östlich des Straßenzuges optimal verbunden und ergänzt. Auf allen Westerländer Straßen westlich der L24 bis hoch zum ZOB wäre dann eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern vorgeschrieben. Dies hätte allerdings nicht nur zur Folge, dass dort nicht schneller gefahren werden darf: In dem gesamten Straßenabschnitt würde dann – nach Aufstellung der Zonenbeschilderung – auch die allgemeine Vorfahrtregelung „Rechts vor links“ gelten. Einzige Ausnahme soll die Kreuzung St.-Nicolai-Straße/Maybachstraße bleiben.

Außerdem würde die Regelung nicht an Einmündungen gelten, die über einen abgesenkten Hochbord auf diesen Straßenzug geführt werden, wie zum Beispiel Bundiswung und Rungholtstraße oder Lerchenweg und Meisenweg. Diese sind– wie Grundstückszufahrten – nicht bevorrechtigt, zur Unterscheidung sollen dort noch einige Zeit die Vorfahrtszeichen bestehen bleiben. Langfristig sollen jedoch alle Gehwegabsenkungen innerhalb der neuen Tempo 30-Zone zurückgebaut und anschließend so aufgepflastert werden wie zuletzt in der Bismarckstraße erfolgt. Zur Verbesserung der Lenkung des Radverkehrs vor der Filiale der Nord-Ostsee Sparkasse (siehe Foto oben) soll für Radfahrer aus nördlicher Richtung eine Einfädelung vom Gehweg zwischen dem Hotel Stadt Hamburg und der Klaus-Groth-Straße auf die Fahrbahn möglich werden.

Dies jedoch ist nur ein kleiner Teil der in der Maybachstraße geplanten Maßnahmen. Für eine Verbesserung der Radverkehrsführung in Nord-Süd-Richtung und der Verkehrssicherheit für die Radfahrer schlägt die Straßenverkehrsbehörde weitere wichtige Änderungen vor:

>Einrichtung eines separaten Radweges im Abschnitt ab Klaus-Groth-Straße bis St.-Nicolai-Straße gegenüber von H.B. Jensen auf dem jetzigen Fahrbahnstreifen in Richtung Süden.
>Einführung einer Einbahnstraßen-Regelung in Nord-Süd-Richtung für den gesamten motorisierten Fahrzeugverkehr bis zur St.-Nicolai-Straße.
> Das heißt im Umkehrschluss: Aus Richtung Süden dürfen Kraftfahrzeuge nur noch bis zum Parkplatz Habsburg beim H.B. Jensen-Technikhaus fahren.
>Wer weiter Richtung Norden fahren will, soll dann über die St.-Nicolai-Straße auf den Trift geführt werden.

Die Vorteile dieser einschneidenden Maßnahmen bestünden laut Nikolas Häckel in einer zusätzlichen Verkehrsreduzierung in den Bereichen der Fußgängerüberwege in Maybach- und Norderstraße sowie einer Lenkung des Verkehrs auf die überörtlichen Hauptverkehrsstraßen der L24. Weil vor dem Einstieg in eine detaillierte Planung die „Verkehrsabläufe und Verkehrsbeziehungen“ im Umfeld zu untersuchen und auszuwerten wären, soll ein erstes Meinungsbild im Ortsbeirat und in den Fachausschüssen abgefragt werden, betont der Sylter Bürgermeister – als Erstes also in der Sitzung des Bauausschusses am 14. Juli.

Genau das ärgert Kay Abeling: „Wir werden kommenden Montag die Absetzung des Tagesordnungspunktes fordern“, sagt der Westerländer CDU-Politiker. „Es ist doch eine eklatante Missachtung des Ortsbeirates, dass wir in dieser wichtigen Angelegenheit erst nach dem Fachausschuss angehört werden.“ Abeling kritisiert nicht nur die geplante Einbahnstraßen-Regelung – „das hatten wir doch vor 20 Jahren schon mal und wurde dann per Bürgerentscheid abgeschmettert“, sondern auch die überraschende Freigabe aller Fußgängerzonen für den Radverkehr. „Früher wurde der Ortsbeirat ja noch an den Verkehrsschauen beteiligt, jetzt wird alles über unsere Köpfe hinweg entschieden – das geht gar nicht!“

Die Schilder für die neuen Rechte der Radfahrer in den Fußgängerzonen sind noch immer in Arbeit. „Sie erhalten zwei Tage vorher die Ihnen bereits zugesagte Presseinfo“, sagte Bürgermeister Häckel auf Anfrage. „Aber um es noch einmal zu betonen: Es geht um eine Freigabe bis zum Ende der morgendlichen Lieferzeit, nicht zu den Zeiten des Flanierens. Und ja: Generell würde auch ich mich über die Einhaltung bestehender Verkehrsregeln – kein Radfahren auf Gehwegen, Beachtung von Rotlicht, und so weiter – sowie allgemeine Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer mehr als freuen.“

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