zur Navigation springen

Sylter Zeitgeschichte : Über 150 Jahre Kampener Leuchtturm-Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der 35. Folge der Sylter Zeitgeschichte geht es um Kampens leuchtendes Wahrzeichen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Jeden Tag geht ihm ein Licht auf. Es erwacht eine Stunde vor Sonnenuntergang und erlischt eine Stunde nach Sonnenaufgang. So weist Sylts ältester Leuchtturm den Schiffen verlässlich den Weg – und das bereits seit 157 Jahren.

Auf Geheiß des dänischen Königs Friedrich VII., dessen Initialen noch heute das Mauerwerk des Leuchtturms zieren, hatten Arbeiter das 40 Meter hohe Bauwerk aus gelblichen Klinkern errichten lassen, die von der dänischen Insel Bornholm stammten und per Schiff vom Festland nach Sylt transportiert wurden. Tonnenweise wurden sie in Kampen verbaut: Der Turm, der an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 7,60 Metern aufweist, besitzt eine Mauerstärke von bis zu 1,70 Metern.

Herzstück des Turms war der in Frankreich aus Messing gefertigte Leuchtapparat, der just 1855 auf der Weltausstellung in Paris als „herausragende Innovation für das Leuchtfeuerwesen“ vorgestellt und für 40 000 dänische Taler erworben worden war.

Über den Tag, der Licht ins Dunkel bringen sollte, schrieb der Sylter Chronist Christian Peter Hansen: „Am 1. März 1856 abends eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang wurde das Linsenfeuer zum ersten Mal angezündet.“ Zunächst wurde das Leuchtfeuer mit Rüböl gespeist. 1908 erfolgte die Umstellung auf Steinöl, 1915 auf Petroleum und 1929 schließlich auf Elektrobetrieb.

Bis in die 1930-er Jahre hinein durfte das Bauwerk auch besichtigt werden. Eine Gruppe österreichischer Offiziere und Christian Peter Hansen waren die ersten, die am 13. August 1864 die Stufen hinauf stiegen. Mehr als 7000 Namen verzeichnete das erste Gästebuch von 1864 bis 1873.

Der Entgelt war für die Leuchtturmwärter ein willkommenes Zubrot. Doch auch das reichte jedoch mehr recht als schlecht zum Leben, so dass sich die drei Turmwärter, die mit ihren Familien auf einem Gehöft am Leuchtturm wohnten, nebenbei als Landwirte verdingen mussten.

Über den ungewöhnlichen Arbeitsplatz hoch über Kampen schrieb eine Zeitung: „Der Wärter berichtet uns, dass der Turm ganz oben ein wenig schwankt, wenn es stürmt. Er erzählt, wie immer wieder die vom Sand erblindeten Fenster blank geputzt werden müssen und von Möwen, die sich im Turm verfliegen. Im Urlaub reist er zu seiner Schwester nach Köln, damit er auch mal unter Menschen komme, denn es sei ein einsamer Beruf.“

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, wird das Feuer des Turms gelöscht, um dem Feind eine nächtliche Annäherung zu erschweren. Ernster wird die Lage für das Kampener Wahrzeichen im Zweiten Weltkrieg: Die Wehrmacht plant, große Teile der Heidelandschaft zwischen Braderup und Kampen für den Ausbau des Fliegerhorstes einzuebnen und dafür den Kampener Leuchtturm zu sprengen. Doch glücklicherweise wurde diese Absicht hinfällig.

Erst im Jahre 1953 bekam der Turm, der sich zuvor in unscheinbarem Grau präsentierte, die Farbgebung, wie wir sie heute kennen: Weiß mit einem schwarzen Ring in der Mitte. 1974 wurde der Kampener Leuchtturm nebst Gehöft unter Denkmalschutz gestellt. Als sei es ein Zeichen, denn die Ära der Leuchtturmwärter neigte sich dem Ende zu: Am 31. Oktober 1978 steigt Leuchtturmwärter Manfred Karwin zum letzten Mal die 179 Stufen herab. Seitdem wird das Leuchtfeuer von der Hauptschaltstelle in Tönning ferngesteuert.

Im Jahre 2005 erfuhr das mittlerweile angegraute Wahrzeichen eine umfassende Sanierung und wurde dafür von unten bis oben in blaue Folie gehüllt, als wäre Verpackungskünstler Christo persönlich am Werk gewesen. Und so zeigte sich Kampens Wahrzeichen pünktlich zur großen Feier seines 150. Geburtstags wieder in seinem schönsten Kleid.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen