Kampf um den Autozug : „Trumpfkarte Husum“ soll der Bahn den Syltshuttle retten

Wird der Husumer Bahnhof (Foto) zur neuen Verladestation für den Syltshuttle?
Wird der Husumer Bahnhof (Foto) zur neuen Verladestation für den Syltshuttle?

Eine Autoverladung in Husum? Mit einem Trick versucht die Deutsche Bahn, doch noch gegen Konkurrent RDC punkten zu können.

von
19. Mai 2015, 05:10 Uhr

Husum/Westerland | Vor Dänemark die letzte Ausfahrt der A7 in Harrislee nehmen und dann die Landstraße entlang bis Niebüll: So lautete bisher die Wegbeschreibung  für diejenigen, die mit Pkw, Bus, Lkw, Wohnmobil  oder mit dem Motorrad zum Autozug Richtung Sylt wollen. Aber wer  künftig zur Verladung auf den Syltshuttle der Deutschen Bahn möchte, sollte unter Umständen darauf achten, die Abfahrt Schuby bei Schleswig nicht zu verpassen. Denn die DB Fernverkehr AG, die Mitte Dezember diesen Jahres ihr Monopol des Autozugbetriebs von und nach Sylt verliert und sich das lukrative Transportgeschäft voraussichtlich mit  ihrem Konkurrenten Railroad Development Corporation (RDC) teilen muss,  plant angeblich, ihre Shuttlezüge bis Husum fahren zu lassen und dann dort die Fahrzeuge zu be- und entladen.

Der Grund für diese überraschende Information, die seit dem Wochenende in Bahnexpertenkreisen kursiert, aber bisher von der Deutschen Bahn nicht bestätigt wurde: Durch die längere Laufstrecke hätte das ehemalige Staatsunternehmen deutliche Vorteile in dem Bieterverfahren um die fast 60 Fahrplantrassen des Autozuges, die neben dem Rahmenvertrag – den Mitbewerber RDC für zehn Jahre bereits sicher hat – jährlich neu vergeben werden. Weil  weiterreichenden Verbindungen grundsätzlich eine höhere Priorität eingeräumt werden muss, könnte es  der Bahn AG mit diesem Kniff eventuell gelingen, RDC doch noch weitgehend von den Gleisen Richtung Insel zu verdrängen und sich damit den Löwenanteil des Autozugverkehrs sowie der hohen Einnahmen zu sichern.

Doch das seien „alles nur Gerüchte“ betonen zumindest derzeit sämtliche an dem Verfahren Beteiligten. Sie verwiesen unisono auf die am Donnerstag und Freitag dieser Woche bei der Vergabeinstanz DB Netz stattfindenden Trassenkonfliktgespräche. Daran nehmen der neue Bewerber RDC und die für den Syltshuttle zuständige DB Fernverkehr AG teil sowie möglicherweise die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), weil es auch noch Konflikte zwischen Trassen für den Autozug und den Personennahvekehr geben könnte. Ob die Bahn dann tatsächlich ihre „Trumpfkarte Husum“ auf den Verhandlungstisch legt, bleibt abzuwarten. RDC bestätigte auf Nachfrage der Sylter Rundschau, ausschließlich Kapazitäten für die bisherige Strecke von Niebüll nach Westerland beantragt zu haben und auch nur damit in das sogenannte Windhundrennen der Höchstangebote zu gehen. Dazu kommt es, wenn es zuvor zu keine Einigung gibt.

Fraglich ist außerdem, ob eine Verlängerung der Trasse alleine der Bahn tatsächlich zum gewünschten Erfolg verhelfen kann. Denn ein ähnlicher Versuch des Landes, Autozug-Trassen von Westerland bis Risum-Lindholm zu erhalten, ist gescheitert, weil dort gar keine Verladeeinrichtungen stehen – und die gibt es zumindest bisher in Husum auch nicht ..

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen