DB, RDC und Syltfähre : Trotz Konkurrenz durch RDC: Sylt-Anfahrt wird teurer

Kein billiges Vergnügen: Die Überfahrt mit dem Autozug von Westerland nach Niebüll.
Kein billiges Vergnügen: Die Überfahrt mit dem Autozug von Westerland nach Niebüll.

Das Ende des Bahnmonopols beim Autozug hat für die Sylter Kunden nichts gebracht. Beide Anbieter und auch die Syltfähre heben ihre Preise an.

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11. Januar 2018, 21:13 Uhr

Sylt | Die neue Konkurrenz bei den Autozügen – für die Sylter Autofahrer war sie ein Schuss in den Ofen. Groß war die Hoffnung, dass das Rangieren zwischen DB und RDC sich zumindest positiv im Geldbeutel niederschlagen würde. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, hatte RDC-Chef Carsten Carstensen im April 2015 vorhergesagt. Preissenkungen auf die Hälfte oder gar ein Drittel stellte er in Aussicht. Stattdessen haben beide Konkurrenten ihre Preise zu Jahresbeginn erhöht, genauso wie die Syltfähre.

Als RDC am 18. Oktober an den Start ging, gab es nur einen Aktionspreis für alle Kunden – 25 Euro pro Überfahrt. Ab 14. November 2016 stieg der Normalpreis für die Hin- und Rückfahrt für Auswärtige auf 80 Euro, für Insulaner sank er auf 45 Euro. Für Vielfahrer von der Insel wurden Zehnerkarten für 190 Euro ins Angebot aufgenommen. Damit fuhren Sylter Autozugkunden bislang am günstigsten – pro Überfahrt wurden 19 Euro fällig. Doch viel sparen ließ sich im Vergleich zur Deutschen Bahn nicht. Gerade einmal umgerechnet 17 Cent betrug der Vorteil pro Fahrt gegenüber der Zwölferkarte beim roten Syltshuttle im ersten Vierteljahr. Nach der DB-Preiserhöhung Anfang 2017 kostete dort die Einzelfahrt 19,58 Euro – für die meisten immer noch kein Grund, auf den nächsten blauen Autozug zu warten.

Für Sylt-Besucher von auswärts hat der RDC-Markteintritt jedoch billigere Preise gebracht – vor allem durch das Billigangebot von 19,90 Euro pro Fahrt, das zu schwach ausgelasteten Zeiten per Onlinebuchung genutzt werden kann. Auch die Hin- und Rückfahrt für 75 Euro dürfte viele Gäste auf die blauen Autozüge gelockt haben. Der rote Platzhirsch verlangte für sein Standardticket bislang 94 Euro.

Sylter Vielfahrer sparen gerade einmal 10 Cent

Zum 1. Januar 2018 hat die Deutsche Bahn ihre Preise um durchschnittlich 2,1 Prozent erhöht, RDC hat zum 8. Januar nachgezogen. Beim Syltshuttle steigt der Preis für Hin- und Rückfahrt von 94 auf 96 Euro, für die einfache Fahrt von 53 auf 54 Euro. Kunden mit Dauerwohnsitz und Pkw-Zulassung auf Sylt zahlen bei der DB ungefähr die Hälfte: 48 Euro für die Hin- und Rückfahrt und 28 Euro für die einfache Fahrt.

Zwanzig Euro pro Überfahrt – so viel müssen Insulaner künftig berappen, wenn sie zur DB-Zwölferkarte greifen. Für die Stammkarte werden künftig 240 statt 235 Euro berechnet. Die Zwölferkarte ist 13 Monate gültig. RDC erhöht den Preis für seine Zehnerkarte von 190 auf 199 Euro. Das ergibt 19,90 Euro pro Fahrt oder eine Ersparnis für Sylter Vielfahrer von gerade einmal 10 Cent. Nachteil bei RDC: Die Chipkarte für den blauen Autozug gilt zwölf Monate. Für Auswärtige steigt der RDC-Standardpreis hin und zurück von 80 auf 89 Euro.

RDC-Sprecherin Meike Quentin sieht ihr Unternehmen trotz der Preiserhöhung immer noch als attraktive Konkurrenz zum Syltshuttle: „Wir haben immer noch das günstigste Angebot am Markt – auch für Insulaner.“ Am Online-Sparpreis-Ticket ab 19,90 Euro habe sich nichts geändert, und Insulaner profitierten vom neuen Angebot der Hin- und Rückfahrkarte. Bisher zahlten sie pro Fahrt 25 Euro, künftig können sie mit der Rückfahrkarte für 47 Euro drei Euro sparen.

Bei RDC profitieren vor allem die Geschäftskunden

Von einer Änderung im RDC-Tarifgefüge können Besitzer von Kleintransportern profitieren. Die Gewichtsgrenze für Transporter wurde von drei auf dreieinhalb Tonnen hochgesetzt. Damit könnten insbesondere Gewerbetreibende „im Vergleich zum Wettbewerber“ bis zu 50 Prozent sparen, argumentiert Meike Quentin.

Überhaupt hat RDC offenbar die Geschäftskunden im Visier. „Mit individuellen Firmenkundentarifen können sie mit uns bis zu 70 Prozent günstiger als beim Wettbewerber fahren“, ergänzte RDC-Geschäftsführer Dr. Markus Hunkel. „Sylt darüber hinaus pauschal mit Discountpreisen zu fluten, ist ganz sicher nicht im Interesse der Insel.“

Billigpreise für den Autozug – die sind auch für Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis von der Deutschen Bahn tabu. Seine knappe Antwort: „Wir bieten unseren Kunden einen sehr guten zuverlässigen Service mit modernen Fahrzeugen. Im Wettbewerb entscheidet der Kunde, welches Angebot er nutzt.“

Fähre verdoppelt Zahl der Sylter Autos

Dabei entscheiden sich offenbar immer mehr Kunden für das Angebot der Syltfähre. Tim Kunstmann, Verkaufsleiter der Röm-Sylt-Linie, sieht sein Unternehmen im Zwiestreit der Autozüge gut positioniert – offenbar so gut, dass auch hier zum 1. Januar die Preise angehoben wurden. Das Billigangebot von 20 Euro hin und zurück, das 2012 für die Insulaner aufgelegt wurde, ist mittlerweile für 23 Euro zu haben. „Dadurch hat sich die Zahl der Sylter Autos auf der Fähre mehr als verdoppelt.“ Für Auswärtige gilt derzeit das Winterangebot von 50 Euro hin und zurück, der Standardpreis steigt in diesem Jahr von 80 auf 81,50 Euro.

Zum Wettbewerb der Autozüge will sich Kunstmann nicht äußern. Nur soviel: „Die Tarife der Syltfähre orientieren sich an der Entwicklung unseres Fährverkehrs – und nicht an der Situation auf dem Hindenburgdamm.“

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