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Ruhestörung : Treibjagd am Tierheim: Panik auf der Weide

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Die Sylter Tierschützer sind empört: Am Wochenende veranstaltete der Hegering Sylt eine Treibjagd - auch auf Teilen des zehn Hektar großen Geländes des Tierheimes. Diese sind zwar für die Jagd verpachtet, die Tierschützer aber dennoch sauer, weil viele ihrer Schützlinge in Panik gerieten.

Westerland | "Wir haben uns gefühlt wie im Wilden Westen", erinnert sich Bertram Karnatz, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Tierheims, das dem Deutschen Tierschutzbund angehört, an den vergangenen Sonnabend. "Gegen halb drei liefen ungefähr 15 bis 20 Jäger den Weg am Gelände entlang und fingen an, rumzuballern." Tatsächlich veranstaltete der Hegering Sylt am Wochenende eine Niederwildtreibjagd, "wie jedes Wochenende im Herbst", sagte Dr. Thomas Blanck, Vorsitzender des Hegerings.
Schafe und Ziegen von Schüssen gestört

Gestört von den Schüssen der Jäger fühlten sich nach Aussage der Tierschützer vor allem die Schafe und Ziegen, die auf der Wiese weideten. "Sie hatten Angst und liefen gleich panisch davon", berichtet Karnatz. Auch die sich im Auslauf befindlichen Hunde sollen verschreckt auf die Schüsse reagiert und vor Angst in Körbe und Decken uriniert haben.

Nach einem Wortwechsel zwischen Tierheim-Mitarbeiter Karnatz und Günter Thomsen, Jagdleiter und Pächter des Jagdrevieres zu dem auch Außenflächen des Tierheimes gehören, rief Michael Gnade, Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes, die Polizei, um die Angelegenheit zu klären. "Das Grundstück ist zur Jagd verpachtet", stellte Gunnar Dorl von der Polizei Westerland daraufhin fest.
"Sicherheit geht vor"

Damit sind die Jäger rechtlich auf der sicheren Seite (siehe Kursives am Textende). "Der Jagdleiter hat für den gefahrlosen Ablauf zu sorgen", erläutert Kurt-Werner Jessen von der Jagdbehörde des Kreises Nordfriesland. "Dabei geht die Sicherheit natürlich vor. Der Jäger muss einschätzen können, wo in etwa die Schrotkugeln landen könnte." Nach den Regeln der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und den Unfallverhütungsvorschriften für die Jagd sollten beispielsweise auch Hinweise an Straßen aufgestellt werden, wenn diese in der Nähe der Jagdgebiete sind. "An der Hauptstraße hatten wir ein Schild mit der Aufschrift Heute Jagd angebracht", berichtet Thomsen.

Was die Jäger jedoch nicht getan haben, ist, das Tierheim über die Jagd zu informieren. Dazu gibt es nach Aussage von Fritz Maurischat, zuständig für die Aufgaben der Obersten Jagdbehörde im Kieler Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, zwar keine explizite Regelung im Jagdrecht selbst. Aus den Unfallverhütungsvorschriften lässt sich jedoch ableiten, dass eine Information sinnvoll ist. "Wenn 20 Jäger schießen, ist das natürlich etwas anderes, als wenn nur ein Einzelner zum Gewehr greift. Daher sollten die Jäger vorher besser Bescheid geben, zumal wenn bekannt ist, dass sich an einer bestimmten Stelle Tiere aufhalten", so Jessen.
Das ist pervers

Genau das wäre auch der Wunsch der Tierheim Mitarbeiter gewesen. "Selbst wenn die Jäger rechtlich dazu befugt sind, auf allen Grünflächen Jagd auszuüben, empfinde ich es als pervers, dies auf dem Grundstück eines Tierschutzbundes und Artenschutzzentrums zu tun", meinte Ivonne von Kobilinski, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Sylt. "Hätte man uns Bescheid gesagt", so Karnatz, "hätten wir die Tiere gleich nach drinnen bringen können, um ihnen den Stress zu ersparen."

Jagdgrund: Gejagt werden darf nach dem Jagdgesetz des Landes Schleswig-Holstein vom 13. Oktober 1999 auf zur Jagd verpachteten Grundstücken. Verboten hingegen ist das Jagen in so genannten befriedeten Bezirken, wie beispielsweise in Wohngebieten, auf Friedhöfen, auf Autobahnen, in öffentlichen Parkanlagen oder auf Spiel- oder Sportplätzen. Ausnahme ist die Schädlingsbekämpfung und das Schießen von krankem Wild. Im letzteren Fall sollten die Eigentümer im Vorfeld benachrichtigt werden.

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erstellt am 04.Nov.2008 | 09:22 Uhr

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