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Serie Sylter Hospizverein : Trauernde Kinder stark machen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Margot Mehn ist Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche / Hospizverein feiert heute sein 20-jähriges Bestehen

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2016 | 05:30 Uhr

Vor 20 Jahren war es ein Vortrag auf Sylt des Journalisten Hermann Schreiber über sein Buch „Das gute Ende“, der zur Gründung des Sylter Hospizvereins führte. In den vergangenen Jahren hat sich der Verein ständig weiterentwickelt. Sein 20-jähriges Bestehen wird heute mit einem großen Festakt im Westerländer Alten Kursaal gefeiert. In einer Serie der Sylter Rundschau ging es in den vergangenen Wochen um die Menschen, die sich auf Sylt und in Nordfriesland täglich ehren- oder hauptamtlich für die Rechte und die Würde der Sterbenden einsetzen und sie und ihre Angehörigen am Ende des Lebens nicht alleine lassen. Heute, im vierten und abschließenden Teil der Serie, geht es um die Arbeit von Margot Mehn, die neben der Sterbebegleitung auch Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche anbietet.

Auf den Gedanken, eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche zu machen, kam Margot Mehn durch die Fragen vieler Eltern: „Wie sprechen wir mit den Kindern, wenn Oma stirbt? Können wir sie mit zur Trauerfeier nehmen? Wir wollen alles richtig machen“. Zusätzlich wurde oft die Bitte an sie gerichtet, mit den Kindern zu sprechen. Das tat die ehemalige Mitarbeiterin der onkologischen Nachsorge in der Sylt Klinik und entschied sich schließlich, in eine zweijährige Ausbildung als Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche zu gehen. „Durch meine Berufstätigkeit fühlte ich mich vertraut genug mit Kindern zu arbeiten, außerdem lagen sie mir immer sehr am Herzen.“

Der Verlust eines Elternteils, eines Bruders oder einer Schwester durch den Tod ist für Kinder und Jugendliche ein schwerer Schock. Dann sei es vor allen Dingen wichtig, den Kindern gegenüber authentisch zu sein und ihnen ehrlich zu sagen, was los ist, sagt Margot Mehn. „Kinder merken sofort, wenn man Dinge verschleiert. Und das kann in ihrer Phantasie viele Ängste aufbauen.“

Viele Kinder sind dankbar, in ihrer Trauer von einer Person begleitet zu werden, die nicht aus der Familie kommt. Ein Kind, das seine Mutter verloren hatte, habe ihr einmal gesagt, wie glücklich es sei, mit der Trauerbegleiterin offen reden zu können. „Ich kann hier sprechen, weil der Papa ist ja auch so traurig“. Margot Mehn sieht sich in so einem Fall als Neutrum, also emotional nicht so dicht dran. Bei ihr können sie unbeschwert sagen, was sie denken. „Denn Kinder wollen ihre Eltern schützen. Und wenn diese traurig sind und weinen, verstecken die Kinder ab und zu auch ihre eigene Trauer“, erläutert Margot Mehn.

In ihrer Arbeit sei es wichtig, Vertrauen aufzubauen und den Teppich zu bereiten, damit die Kinder und Jugendlichen über das sprechen können, was ihnen auf dem Herzen liegt. „Sie sollen manche Dinge einfach loswerden können, um Ressourcen zu finden, die sie stark machen für diese schwierige Zeit“, sagt die Trauerbegleiterin. In dieser schwierigen Zeit bräuchten Kinder auch dringend trauerfreie Räume: „Sie benötigen Normalität und dürfen nicht in der Trauer versinken, die die ganze Familie getroffen hat“, sagt Margot Mehn. Da sei es manchmal gut, wenn der Jugendliche während eines Trauerfalls in die Disco geht und tanzen geht. „Er braucht diese Auszeit von der Trauer zuhause, sonst kann er das gar nicht aushalten.“

Je nachdem, wie es sich ergibt, begleitet Margot Mehn die trauernden Kinder in einer Gruppe oder einzeln. „In Gruppen unterhalten sich die Kinder viel, hören sich gut zu und finden Gemeinsamkeiten. Das ist ab und zu von Vorteil“. Allerdings brauche nicht jedes Kind in einem Todesfall innerhalb der Familie Trauerbegleitung. „Es sind vor allem Kinder und Jugendliche nach plötzlichen Todesfällen, Suiziden oder auch wenn ein Elternteil in schwierigen Familiensituationen stirbt“, sagt Margot Mehn.

In den Treffen mit den Kindern empfehle sie kleine Rituale, wie das Anzünden einer Kerze oder das Aufstellen eines Bildes. Außerdem erklärt sie ihnen, dass sie jederzeit mit den Verstorbenen Verbindung aufnehmen können – und wenn es ein Gedanke ist. „Manche sagen mir dann: ‚Der hellste Stern am Himmel, das ist meine Mama‘, oder ‚Wenn ich ans Meer gehe, dann höre ich die Stimme von Papa‘, oder ‚Opa war immer mit mir beim Fußball und auch jetzt ist er noch da, wenn ich auf das Feld gehe‘.“

Das, was die Kinder und Jugendlichen der Trauerbegleiterin in ihren Gesprächen sagen, bleibt anonym, auch die Eltern erfahren nicht, was ihre Kinder in den Gesprächen mit Margot Mehn gesagt haben. „Das Gesagte bleibt bei mir und wenn ich denke, ein Elternteil sollte etwas erfahren, dann wird ein Termin gemacht, zu dem das Kind mit eingeladen wird.“  

Weitere Informationen zu Trauer- und Sterbebegleitung auf Sylt gibt es auf der Internetseite www.hospizverein-sylt.de

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