Medizin auf Sylt : Training für Ernstfall nach der Geburt

Während des Kurses wurden auch „lebensrettende Basismaßnahmen“ wie Herz-Druck-Massage und Beatmung trainiert.
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Während des Kurses wurden auch „lebensrettende Basismaßnahmen“ wie Herz-Druck-Massage und Beatmung trainiert.

Asklepios Nordseeklinik veranstaltete erstmalig einen „Newborn Life Support Kurs“ / Notruf der beiden Sylter Hebammen wird 2018 fortgesetzt

„Der Beatmungsbeutel ist in der sterilen Verpackung schon fertig zusammengebaut, ihr müsst nur noch das Druckbegrenzungsventil öffnen“, erklärt der Ausbilder. Dann legt er eine winzige Maske auf Gesicht und Nase der Babypuppe. Die Schulungsteilnehmer schauen hochkonzentriert zu, gleich dürfen sie selbst Hand anlegen. Die Asklepios Nordseeklinik veranstaltete jetzt erstmalig einen „Newborn Life Support Kurs“, um zu trainieren, wie man ein Neugeborenes nach einer Notgeburt bestmöglich versorgt. Geschult wurden Klinikmitarbeiter, die unverhofft im Notfall mit so einer Situation konfrontiert werden könnten: Ärzte und Pflegepersonal aus der Anästhesie, der Intensivstation, der Chirurgie und der Notaufnahme. Aber auch Gynäkologe Zgibniew Budkowski, Kinderarzt Dr. Rainer Stachow und die Hebamme Heidrun Hepper gehörten zu den 20 Teilnehmern.

Eingeladen hatte Martina Klimkewitz, Ausbilderin im europäischen Rat der Wiederbelebung (ERC) und Fachkrankenschwester auf der Intensivstation der Nordseeklinik. Gemeinsam mit ihren Kollegen vom ERC schulte sie die Teilnehmer einen ganzen Tag lang in Theorie und Praxis. Letztere beinhaltete unter anderem die „Cardio-Station“ – an einem Püppchen wurden Herz-Druck-Massage und Beatmung beim Neugeborenen geübt. Zwei Finger drücken dabei den winzigen Brustkorb des „Säuglings“ ein, beatmet wird (sofern kein Beatmungsbeutel vorhanden) über Mund und Nase – selbst für medizinisches Fachpersonal ein emotionaler Anblick. Geübt wurde auch, einen Zugang zur Verabreichung von Medikamenten zu legen, dies kann bei einem Neugeborenen nicht auf konventionellem Wege erfolgen. Man legt den Zugang über die Nabelschnur (als Modell stand ein echtes Exemplar zur Verfügung), wenn das nicht schnell genug klappt, muss die Zufuhr über das Knochenmark mit speziellen Instrumenten erfolgen. Am Nachmittag wurden verschiedene Szenarien durchgespielt: Frühgeborene und Atemstörungen nach der Geburt dienten als Beispielübungen, bevor die Teilnehmer abschließend einen Test in Theorie und Praxis absolvieren mussten. Martina Klimkewitz hofft, dass es eine Wiederholung des Kurses geben wird – für diejenigen, die Interesse bekundet hatten, diesmal aber nicht dabei sein konnten. „Wenn eine unvorhergesehene Notsituation bei oder kurz nach einer Geburt eintritt, dann sind wir da“, betont Ausbilderin Klimkewitz und fügt hinzu: „Zum Glück gibt es diese Situationen nicht so häufig. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass man auch Notfälle mit Neugeborenen trainiert. Damit man im Ernstfall keine Zeit verliert ...“


Notruf der Sylter Hebammen hat sich bewährt

Weiter gut angenommen wird laut Auskunft von Heidrun Hepper der Notruf der beiden Sylter Hebammen, der seit Anfang April dieses Jahres direkt über die Handynummer 0151-51717172 erreichbar ist. „Dadurch wurde die 112 deutlich weniger kontaktiert. Wir waren dann entweder ohne DRK im Einsatz oder haben von uns aus den Rettungsdienst informiert, wenn erforderlich“, so Heidrun Hepper. Bisher habe es zirka 30 Anrufe gegeben. Oft hätten sich aber bereits am Telefon Fragen beantworten oder Probleme lösen lassen. „Zwei Mal waren wir zu einer Hausgeburt unterwegs, ein Mal mussten wir leider einen Hubschraubereinsatz veranlassen.“

Die Einsätze der Hebammen Cornelia Bäcker und Heidrun Hepper scheinen über das zu Ende gehende Jahr bereits gesichert, teilte der Sprecher des zuständigen Kreises Nordfriesland auf Anfrage der Sylter Rundschau mit. Es sei nach jetzigem Stand davon auszugehen, dass die bisherige Finanzierung der Rufbereitschaft für Sylt und für Föhr auch 2018 fortgesetzt wird.

„Nach der Vorstellung der Optimedis-Studie am 6. Juli im Husumer Kreishaus wurden weitere Gespräche zur Verbesserung der Geburtshilfe auf Inseln und Halligen vereinbart, deren erstes Anfang Oktober stattfand. Es diente in erster Linie dazu, den Sachstand aus der Sicht der verschiedenen Teilnehmer abzugleichen“, erklärte Kreissprecher Hans-Martin Slopianka. „Sie vereinbarten, sich künftig in regionalen Qualitätszirkeln zu treffen – einer für Sylt, einer für Föhr und Amrum, um regionsspezifische Versorgungskonzepte zu erarbeiten, mit denen die Situation der Schwangeren und ihrer Familien optimiert wird.“

Zum 1. Oktober sei die neu geschaffene Stelle „Koordination der Geburtshilfe in Nordfriesland“ in der Kreisverwaltung besetzt worden, so Hans-Martin Slopianka. „Die neue Kollegin ist dabei, sich in das sehr komplexe Aufgabengebiet einzuarbeiten. Sie setzt große Hoffnung in die Qualitätszirkel, in denen alle in der jeweiligen Region tätigen Fachleute an einem Tisch sitzen, um sich auf gemeinsame Lösungen zu einigen.“

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