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www.traum-wohnung.org : Touristen-Abzocke auf Sylt

vom

Online gebucht und bezahlt, doch die Ferienwohnung haben sie nie zu Gesicht bekommen: In Deutschland sind Sylt-Urlauber der Masche von Internetbetrügern auf den Leim gegangen.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 12:38 Uhr

Sylt | Sie wollte das erste Mal nach Sylt. Eine Woche Urlaub machen und ihren Geburtstag feiern. Stattdessen sitzt Sandra Brandenburg nun mit ihrem Mann und ihrem einjährigen Kind zu Hause in Wesel in Nordrhein-Westfalen. Der Urlaub ist geplatzt: Sandra Brandenburg und ihr Mann sind auf einen Internetbetrüger hereingefallen.

Auf der Seite www.traum-wohnung.org hatte sie eine hübsche Ferienwohnung mit Garten gebucht – eine Ferienwohnung, die es gar nicht gibt. Da die Buchung sehr kurzfristig war, leistete die Familie eine relativ hohe Anzahlung. Die ist jetzt futsch, genau wie der Inselbesuch. Und die Familie Brandenburg ist nicht die einzige, deren Traum vom Urlaub so endete.

Im Zusammenhang mit der betrügerischen Internetvermietung schätzt die Polizei den Schaden bislang auf 30.000 bis 40.000 Euro. Der Kripo Sylt liegen bereits etwa 16 Anzeigen vor, die sich auf die gleiche Internetseite beziehen, und damit auf den gleichen Betrüger. Die Ermittler gehen aber von einer weit höheren Fallzahl aus und rechnen mit weiteren Anzeigen.

Einigen ist es noch schlimmer ergangen als Familie Brandenburg. „Es gab einige Fälle, in denen die ganze Familie mit Sack und Pack angereist kam und dann feststellen musste, dass sie keine Unterkunft hat und offensichtlich einem Betrüger aufgesessen sind“, berichtet Kripo-Chef Ralf Stolle. Er erwartet, dass die Zahl der Anzeigen noch deutlich steigen wird.

„Das Ausmaß und der Umfang der Anzeigen sind noch nicht vollständig, da immer noch weitere Anzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet eintreffen oder angekündigt sind. Und da ist noch gar nicht alles ans Tageslicht gekommen“, glaubt der Kriminalhauptkommissar. Die Internetseite ist inzwischen verschwunden, sie bestand etwa einen Monat und seit etwa einer Woche trudeln die Anzeigen bei der Polizei ein. Die Homepage sei professionell gestaltet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen existierten jedoch die dort angegebenen Namen und Adressen nicht oder stammen von wahrscheinlich unbeteiligten Dritten.

Die Bilder, der Kontakt, der Aufbau – alles auf der Internetseite sei stimmig gewesen, sagt auch Sandra Brandenburg. Seit Jahren schon bucht sie im Internet Ferienwohnungen in Deutschland, Holland und auch schon in den USA. So etwas ist ihr noch nie passiert. „Wir hatten mit dem Vermieter per Mail Kontakt. Er war sehr freundlich und zuvorkommend. Es hat sich überhaupt nicht komisch angefühlt“, erzählt Brandenburg. Sie hatte noch nach Kinderbett und Hochstuhl gefragt und der Vermieter habe gesagt, dass er beides aus einer anderen Wohnung holen wolle.

Drei Tage bevor die Reise losgehen sollte, kam das böse Erwachen: „Mein Mann sagte abends, dass die Internetseite nicht mehr zu erreichen sei und er auch keine Mail mehr schreiben kann“, berichtet Sandra Brandenburg. Sie stellte im Küstenforum eine Anfrage und bekam schnell viele Nachrichten. Seither tauscht sie sich mit vielen Betroffenen aus und ist schockiert über das Ausmaß dieses Betruges. Am nächsten Tag rief ihr Mann bei einem Hotel an, das auf der gegenüberliegenden Seite der angeblichen Ferienwohnung sein sollte. Ein Angestellter lief tatsächlich hin und klingelte. Wie sich herausstellte, handelt es sich um eine Privatwohnung. Für die Besitzer sei es nicht der erste unangenehme Besuch dieser Art gewesen.

„Aufgrund des besonders schönen Wetters in den vergangenen Wochen dürften viele Syltbegeisterte auf die Idee gekommen sein, kurzfristig einen Urlaub auf der Insel zu buchen“, sagt Ralf Stolle. Auf www.traum-wohnung.org seien noch einige Angebote verfügbar gewesen, da hätten viele gleich zugeschlagen. „Die vielen Leerstände hätten Kenner schon misstrauisch machen können – allerdings muss einem das auch erstmal auffallen“, so der Kriminalhauptkommissar. Alle Betroffenen hätten mehrere Hundert Euro angezahlt – bislang wird der Schaden auf etwa 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt. Die Kripo habe die Ermittlungen aufgenommen. In Internetforen und bei Facebook kocht die Stimmung, die Betroffenen sind sauer und enttäuscht. Die Kripo rät dennoch dringend davon ab, sich als Privatermittler zu betätigen, vor allem um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Ob die Geschädigten ihr Geld jemals wiedersehen werden, ist äußerst ungewiss. Sandra Brandenburg will in Zukunft noch wesentlich vorsichtiger sein. Ob sie trotzdem noch nach Sylt will? „Auf jeden Fall.“ Aber in diesem Jahr wird es nichts mehr mit dem Besuch auf ihrer Trauminsel.

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