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Weniger Übernachtungen auf Sylt : Tourismuschef warnt vor Abwärtstrend

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit 2009 hat die Insel Sylt mehr als 400 000 Übernachtungen im Jahr verloren. Das bedeutet einen Umsatzverlust von bis zu 60 Millionen Euro.

Noch ist die Situation nicht dramatisch, der Trend jedoch unverkennbar: Seit fünf Jahren gehen auf Sylt die Übernachtungszahlen zurück. In der Gemeinde Sylt im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 4,065 Millionen. Obwohl die Zahlen der anderen Gemeinden noch nicht vorliegen, dürften es inselweit im vergangenen Jahr unter 6,5 Millionen Übernachtungen gewesen sein – gegenüber fast sieben Millionen im Jahr 2009. Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS), hält diese Entwicklung zwar noch nicht für dramatisch, als Alarmsignal sollten die Sylter sie aber allemal ernst nehmen, wie er anhand einer einfachen Rechnung verdeutlicht: „Der Rückgang um 400 000 Übernachtungen bedeutet bei einem Umsatz von 100 bis 150 Euro pro Übernachtung einen Umsatzausfall von 40 bis 60 Millionen Euro.“ Davon betroffen seien alle Wirtschaftszweige der Insel, von den Vermietern über Gastronomie und Handel bis zum Handwerk und den Gemeinden.

„Wenn Sylt seine alte Marktposition zurückgewinnen oder auch nur die jetzige halten will, sind Korrekturen dringend notwendig“, mahnt der erfahrende Touristiker und meint damit weder mehr Werbung noch neue touristische Infrastrukturen, sondern die Anpassung an grundlegend veränderte Urlaubsgewohnheiten und -ansprüchen der Gäste. „Ich habe den Eindruck, dass wir auf Sylt dabei sind, diesen Fokus auf unsere Gäste peu à peu einzustellen.“ Beispiele, wo das der Fall ist, fallen Douven etliche ein – von veralteten Unterkünften über die von vielen Vermietern geforderte Mindestbuchungszeit von einer Woche bis hin zu umständlichen Buchungswegen. „Kurz, schnell und flexibel übers Internet buchen, das geht auf Sylt noch immer viel zu selten. Doch die Gewohnheiten der Gäste ändern sich rasant, ob wir es wollen oder nicht.“

Als Beleg führt Douven die auf einen neuen Tiefststand von 7,8 Tagen gesunkene durchschnittliche Aufenthaltsdauer an. Während die Zahl der Gäste 2013 insgesamt um ein Prozent zurückgegangen sei, habe sie sich bei den Kurzurlaubern (maximal vier Nächte) um 4,2 Prozent erhöht. Ähnlich sehe es bei zeitgemäßen Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants aus, die zu den Gewinnern zählten, während seit Jahrzehnten unveränderte Angebote deutliche Einbußen verzeichneten. „In Zeiten höchster Mobilität und Angebotsvielfalt steht Sylt nicht nur im nationalen, sondern im internationalen Wettbewerb und muss sich der verändernden Nachfrage anpassen, flexibler und moderner werden.“ Stattdessen wirke es oft so, als würde man auf der Insel glauben, man könne die Nachfrage umerziehen. „Das funktioniert nicht“, sagt Douven und fordert „die Wiederbelebung alter Sylter Stärke“, die da lautet: „Sylter wollen ihre Gäste glücklich machen, mit Toleranz und besten Angeboten – modern und weltoffen, aber auch authentisch und traditionsbewusst.“

Seine Prognose für das Jahr 2014 fällt daher erneut sehr verhalten aus. Angesichts der sehr hohen Zahl an Auslandsbuchungen deutscher Urlauber im Januar und des historisch kurzen Ferienkorridors (70 Tage) im Sommer, werde es für den Bereich der Gemeinde Sylt (verzeichnet zwei Drittel der insularen Übernachtungen) je nach Wetterlage kein oder nur ein sehr geringes Wachstum geben – davon ausgenommen seien lediglich neue, moderne Unterkunftsangebote.

 

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