Totalschaden nach Großbrand

Kräftezehrender Einsatz:Die Wehren mussten Atemgeräte bei ihrem Kampf gegen die Flammen einsetzen.
Kräftezehrender Einsatz:Die Wehren mussten Atemgeräte bei ihrem Kampf gegen die Flammen einsetzen.

Feuer vernichtet neues mit Reet gedecktes Doppelhaus in Rantum/Brandursache unklar – Landeskriminalamt nimmt Ermittlungen auf

shz.de von
22. Juni 2014, 14:16 Uhr

„Es ging alles sehr schnell“, erinnert sich Gemeindewehrführer Hauke Block. Am Sonntag um 01:47 Uhr ging bei ihm der Feueralarm ein. Ein Dachstuhlbrand im Rantumer Raanwai wurde gemeldet. Alarmiert waren sowohl die Westerländer als auch die Rantumer und Hörnumer Feuerwehren. Es sollte sich aber bald zeigen, dass noch weitere Wehren notwendig wurden, um das rasant um sich greifende Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

„Zunächst versuchte der Hausbesitzer noch, mit Wassereimern die Flammen am Dach zu löschen“, erzählt Block, und der Rantumer Wehrführer Thomas Nissen, der als erster am Unglücksort war, bestätigt, dass er noch gemeinsam mit dem Eigentümer des Doppelhauses versuchte, auf diese Weise die ersten Flammen zu ersticken. Ein aussichtsloser Kampf. „Gerade die neuen Reetdächer sind heute so montiert und von innen mit Dämmstoffen abgedichtet, dass sich zwischen Dämmung und Reet die Flammen weiter durchfressen und man nicht von außen an die Feuernester kommt“, schildern die Wehrführer die besondere Schwierigkeit bei Bränden von Reetdachhäusern. Es bleibt dann nur der Versuch, das Dach abzureißen, um das Übergreifen des Feuers auf angrenzende Gebäude oder, wie in diesem Fall, auf die andere Hälfte des Hauses, zu verhindern. Doch die Flammen- und Hitzeentwicklung waren so heftig, dass schließlich der Einsatz von Atemgeräten und gewaltige Mengen an Löschwasser notwendig wurden, um dem Brand Herr zu werden. Weitere Unterstützung durch die Wehren aus Kampen und Tinnum wurde erforderlich. Das Deutsche Rote Kreuz und die Polizei waren ebenfalls eingetroffen. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte am Brandort. Aus den ersten Flammen am Dachstuhl war ein wildes Flammenmeer gewachsen. „Schwerstarbeit für die Feuerwehrleute, die nur noch mit Atemschutz arbeiten konnten“, so Hauke Block.

Der Wehrführer kann sich kaum noch an seinen letzten Einsatz beim Brand eines Reetdachhauses erinnern. „Für einige junge Mitglieder unserer Wehren war das der erste Reetdachhausbrand“. Obgleich es auf Sylt sehr viele mit Reet gedeckte Immobilien gibt, brennt „zum Glück“ nur selten ein solches Haus. Wenn aber das Reet sich entzündet, greift das Feuer schnell um sich, nährt das Material die Flammen, lässt sie rasch wachsen und um sich greifen.

Wie verheerend die Folgen sind, zeigt die Ruine des Rantumer Hauses. „Totalschaden“ heißt die nüchterne Feststellung der Sylter Kriminalpolizei. Viel mehr als diese erste Diagnose wollte Kriminalkommissar Sebastian Richter gestern nicht zum Stand der Ermittlung der Brandursache sagen, um sich nicht in Vermutungen zu verlieren. In dieser Woche wird das Landeskriminalamt seine Ermittlungen zur Brandursache aufnehmen. Noch ist völlig unklar, wie das Feuer am Dachstuhl überhaupt entstehen konnte. Der Hausbesitzer, der zum Zeitpunkt des Brandes gemeinsam mit seinen Eltern im Haus nächtigte, hatte gegenüber Thomas Nissen erklärt, dass er aufgewacht sei und die Flammen am Dachstuhl gesehen habe. Er und seine Eltern seien daraufhin sofort aus dem Haus gegangen, um sich in Sicherheit zu bringen. Da die andere Haushälfte des erst Ende 2012 fertiggestellten Doppelhauses noch unbewohnt ist, wurde niemand verletzt. Der Schaden am Haus beläuft sich nach ersten Schätzungen auf eine Summe in sechsstelliger Höhe. Schon als Thomas Nissen am Brandort eintraf, wollte der „sehr pragmatisch wirkende“ Hausbesitzer wissen, ob der Brand wohl einen Totalschaden verursachen könnte. Jetzt hat er traurige Gewissheit. Nachfragen, wie es ihm tatsächlich geht, wollte er nicht beantworten.

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