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Tödliche Strömung: Nicht immer konnten Rettungsschwimmer rechtzeitig eingreifen

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

7. August 1965: Am südlichsten Strand der Insel herrscht am Nachmittag lebhaftes Treiben. In der nahen Erholungsherberge „Fünf-Städte-Heim“ sind an diesem Tag rund 500 Kinder aus den Städten Pinneberg, Uetersen, Elmshorn, Wedel und Kellinghusen einquartiert. 74 von ihnen wollen vor dem Abendbrot noch einmal baden gehen. Als die Mädchen und Jungen ankommen, haben die Rettungsschwimmer bereits eine 30 Meter breite Zone durch rote Fahnen als Badestelle markiert.

Die Flut setzt gerade ein, als die Kinder und mehrere Betreuer in fünf Gruppen hintereinander ins Wasser gehen. Etwa 40 Meter vor dem Strand schwappen die Wellen über eine Sandbank. Doch die ist tabu: „Wer bis zur Sandbank geht, bekommt Badeverbot“, hatte ein Rettungsschwimmer den Badenden zuvor mit auf den Weg gegeben. Zwei Gruppen halten sich nicht an die strikte Weisung. Obwohl der Rettungsschwimmer am Ufer energisch eine rote Fahne schwenkt und auf einer Pfeife trillert, waten die beiden Gruppen unbekümmert weiter.

Eine starke Unterströmung erfasst die Badenden plötzlich. 16 Kinder können sich noch gerade ins seichte Wasser retten, 14 aber werden von der Strömung weiter hinaus gezogen. Fünf Rettungsschwimmer, drei Gruppenleiter und die 22-jährige Sekretärin des „Fünf-Städte-Heims“ hechten ins Wasser. Die junge Frau wird später selbst zum Opfer und erst am nächsten Morgen gefunden.

Später wird ein Rettungsschwimmer schildern: „Man rennt ins Wasser hinein, greift nach einem Kind, hält es fest, redet beruhigend auf es ein, trägt es an Land. Und dann sieht man schon das nächste Kind im Wasser treiben, mit glasigen Augen.“ Inzwischen kreisen zwei Hubschrauber über dem Meer. Zwei Kinder werden von ihnen lebend aus dem Wasser gezogen. Für vier Menschen indes kam jede Hilfe zu spät.


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erstellt am 20.Mai.2014 | 16:30 Uhr

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