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Wohnraum auf Sylt : Tinnum stimmt gegen 40/60-Regelung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eindeutiges Nein:Mit sechs zu zwei Stimmen lehnten die Politiker die speziell Regelung in einem Grundsatzbeschluss ab.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 05:38 Uhr

Tinnum sagt „Nein“ zur 40/60-Regelung: Nach langer Diskussion rief Manfred Ueckermann (CDU) nach über zwei Stunden in der Ortsbeiratssitzung am Montag die Politiker schließlich zur Abstimmung auf. Alle Versuche der Verwaltung, die aus ihrer Sicht positiven Auswirkungen der 40/60-Regelung auf die Insel zu verdeutlichen, hatten bei den meisten Mitgliedern des Ortsbeirates nicht gefruchtet: Mit sechs zu zwei Stimmen lehnte der Tinnumer Ortsbeirat die 40/60-Regelung ab. Eigentlich sollten die Mitglieder nur über die B-Pläne 114 und 109 entscheiden (siehe Text rechts), sie aber formulierten zusätzlich diesen Grundsatzbeschluss.

Das Thema sorgt für große Unsicherheit unter den Bürgern, das zeigten auch die Fragen und Bemerkungen während der Sitzung. „Sie wollen mir vorschreiben, was ich auf meinem Grundstück machen soll?“, fragte der aufgebrachte Gerhard Nissen den Bürgermeister, „das ist ganz klar ein Eingriff in mein Privatrecht.“ Auch vom „Griff ins Portemonnaie“ der Bürger und „Enteignung“ wurde, wie auf ähnlichen Sitzungen zuvor, gesprochen.

„Wir wollen hier auf der Insel niemanden kastrieren, wir wollen die Insel einfach nur lebenswert machen“, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel den besorgten Bürgern. Er betonte, dass etwas für den Erhalt von Dauerwohnungen auf Sylt getan werden müsse. Die 40/60-Regelung tue dabei zwar „einigen vielleicht weh, aber auch wenn wir nichts tun, wird es weh tun.“ Zwar sei er in den Tinnumer Ortsbeirat gekommen, um mit den Bürgern zu diskutieren, aber am Ende müssten die Politiker der Gemeinde die Entscheidung fällen. Und die hätten mit ihrem positiven Entschluss zum Wohnraumentwicklungskonzept im Sommer entschieden, dass sie die 40/60-Regelung wollten, so Häckels Sicht der Dinge: „Zur Zeit ist es unser oberster Auftrag, auf der Insel Dauerwohnraum zu schaffen.“

Dass der Gegenwind aus den Reihen der Bürger und Politiker die 40/60-Regelung noch kippen könnte, bezweifelt Häckel. „Die Abstimmung im Ortsbeirat ist eine Empfehlung“, sagte er unserer Zeitung, „es gibt immer Gegenstimmen, aber es gibt auf der Insel auch viele, die diese Regelung befürworten“, so der Bürgermeister und betont: „Eine andere Chance werden wir nicht haben.“ Das sieht Manfred Ueckermann anders. Der Ortsbeiratsvorsitzende ist selbst ein Gegner der 40/60-Regelung und der Ansicht, die Politik habe über die 40/60–Regelung noch nicht grundsätzlich entschieden – sollte es aber schleunigst tun: „Am Ende hat die Selbstverwaltung das in der Hand, der Zug ist also noch nicht abgefahren.“

Bei der Einwohnerversammlung heute Abend um 19 Uhr im Sitzungssaal des Westerländer Rathauses steht das Thema der 40/60-Regelung ebenfalls auf der Tagesordnung.

 

Chronologie der  Änderungen in den B-Plänen

Dem Ortsbeirat und den anwesenden Bürgern wurden in der Sitzung  die  Änderungen der B-Pläne   114 („Horstweg“) und 109 („Südlich der Dirksstraße“, siehe Grafiken) vorgestellt, die mit kleinen Einschränkungen seitens des Ortsbeirats einstimmig dem Bauausschuss empfohlen werden.  Der Weg bis zu dieser Entscheidung war allerdings lang: Die ersten Entwürfe der Pläne waren von den Einwohnern    im Sommer dieses Jahres  vehement abgelehnt worden, woraufhin das Bauamt Änderungen vornahm. 

So war es in Tinnum bisher:    Für beide  genannten Gebiete existierten bisher keine B-Pläne. Wer Änderungen an seinem Haus vornehmen  oder ein Haus bauen wollte, musste seine Pläne beim Bauamt einreichen. Dort wurde dann   individuell anhand der Landesbauverordnung und Ortsgestaltungssatzung entschieden, ob sich der Bau/die bauliche Änderung in die Umgebung einfügt.

Das sah der erste Entwurf des Bauamts für den B-Plan 109 („Horstweg“) vor, der aber abgelehnt wurde (Auszug): Enge Baufenster mit  wenig Spielraum, strenge Festsetzungen zum Maß, Mindestgröße von Dauerwohnungen 35 Quadratmeter, Mindestgröße von Ferienwohnungen 25 Quadratmeter,   ausschließlich Hartdach.

 

Das setzt der frisch beschlossene B-Plan fest (Auszug): Erweiterung des Maßes, großzügigere Baufenster, keine Festsetzung über die Größe von  Dauer- und  Ferienwohnungen, wenn der Bestand prägend ist, darf mit Reet gedeckt werden, außerdem wurde ein erweiterter Bestandsschutz bei Zerstörung durch Brand oder höhere Gewalt mit aufgenommen. Manfred Ueckermann freute sich über die Änderungen der Pläne: „Im Vergleich zu den ersten Entwürfen, hat sich hier glücklicherweise einiges verändert“, so der Ortsbeiratsvorsitzende.

 

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