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Andenken : Tierisch beliebt: Souvenirs von Sylt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylt ist ein Paradies für Souvenir-Sammler. Das maritime Flair, die bekannte Insel-Silhouette und die wunderschönen Panoramen bieten zahlreiche Möglichkeiten der Erinnerungs-Vermarktung.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 05:30 Uhr

Mit Mitbringseln verbinden viele Menschen mit Kitsch und überhöhten Preisen. Gekauft werden sie trotzdem. Und das nicht erst seit gestern - das Phänomen Andenken lässt sich bis zum Mittelalter zurückverfolgen. Heutzutage widmen sich sogar ganze Universitäts-Fakultäten dem Thema, wie etwa der Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen der Uni Gießen. Einer These zufolge lässt sich der Jahrhunderte andauernde Erfolg der Souvenirs auf ein Grundbedürfnis des Menschen zurückführen. Wir fühlen uns gedrängt, Erinnerungen so lange wie möglich mit uns zu tragen oder zu hinterlassen. Kurz: Wir wollen und können nicht vergessen. Dafür nehmen wir selbst die kitschigsten Motive - wortwörtlich - in Kauf.

Dabei muss ein Andenken nicht einmal käuflich erworben sein. Fundstücke, wie Strandgut oder Steine erhalten ihre besondere Bedeutung durch die Zuschreibung ihres Besitzers. Sie sind somit individualisiert und grenzen sich von der kommerzialisierten Souvenir-Industrie ab. Das Geschäft mit den materiellen Erinnerungen läuft dennoch mehr als gut. Kunden gab es, gibt es und wird es vermutlich immer geben.

„Ich habe mir zu Hause eine Friesenstube eingerichtet. Von Sylt bringe ich dann immer Souvenirs zur Dekoration mit. Damit hole ich mir das maritime Flair der Insel nach Hause. “ Axel Schultz aus Baden-Baden ist die Verbindung zur Insel Sylt, auf die er seit seiner Kindheit kommt, sehr wichtig. Seine Frau Stefanie hat für die beiden Töchter Sylt-Schmuckanhänger gekauft - ein Leuchtturm und ein Friesenhaus. „Für meine netten Bekannten, die sich in der Zwischenzeit um unser Haus kümmern, bringe ich auch immer eine Kleinigkeit als Dankeschön aus dem Sylt-Urlaub mit. Tee und Postkarten zum Beispiel“, erzählt die 50-Jährige.

„Durch den Kauf von Sylt-Souvenirs wollen die Menschen ihrem Umfeld vor allem mitteilen, dass sich eine Reise nach Sylt lohnt“, glaubt Kathrin Leuthold von Trend Design in der Friedrichstraße. „Ein Andenken bedeutet die Verstärkung der Erinnerung.“ In ihrem Souvenir- und Spielwarenladen seien Sylt-Tassen und -Schlüsselanhänger Verkaufsschlager. Bei Helga Opel haben Sylt-Andenken viel mit einem Lebensgefühl zu tun. Die 58-Jährige litt lange Zeit an Rückenschmerzen. Seit zwölf Jahren kommt sie nach Sylt. „Immer wenn ich hier im Urlaub war, ging es mir gut. Mit jedem Insel-Aufenthalt verbinde ich Gesundheit. Die Souvenirs erinnern mich zu Hause an dieses Gefühl“, erklärt Helga Opel aus Mülheim an der Ruhr. Heute kauft sie ein Strandspiel mit aufgeklebter Insel-Silhouette.

Eine Ausstellung im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst widmete sich 2006 der „Erinnerung in Dingen“. Präsentiert wurde alles von Mitbringseln frühchristlicher Pilgerfahrten bis hin zum Kitsch der globalisierten Gegenwart. Parallel dazu wurde auch der Aspekt des „digitalen“ Souvenirs beleuchtet. Das Verschicken von Urlaubsgrüßen und -fotos per MMS und SMS wird als neuester Trend und individualisierte Postkarte bezeichnet.

Antje Wegst, Mutter des Geschäftsführers vom Souvenirladen Wegst in der Friedrichstraße, spürt von dem digitalen Trend nichts. Das Geschäft mit Urlaubsandenken boomt hier immer noch. „Die Menschen möchten sich eine Verbindung mit dem Urlaub und der schönen Tage, die sie auf Sylt verbracht haben, erhalten“, glaubt sie. „Und natürlich gibt es dann noch die Souvenir-Sammler, die sich Andenken aus allen bereisten Orten mitnehmen.“ Der Geschmack der Kunden sei über die Jahre hinweg anspruchsvoller geworden. Wo früher noch schlichte Wandteller hingen, steht heute eine filigran verzierte Friesen-Tasse oder ein Kalender mit Hochglanz-Inselmotiven. Auch Textilien mit Sylt-Aufdruck oder Schmuck mit Sylt-Anhängern stünden hoch im Kurs. Bei allen Produkten sei die Insel-Silhouette der Renner. Kunden hätten das Fehlen des Inselbildes auf Souvenirs schon oft bemängelt oder das Produkt sogar reklamiert.

In einer kleinen antiquierten Kommode sammelt Familie Wegst Souvenirs vergangener Zeiten. Die meisten Schätze stammen aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Zu entdecken sind aber auch Porzellan-Teller mit Inselmotiven, die noch vor 1914 verkauft wurden. In dem ursprünglichen Elfenbein-Geschäft Wegst wurden handschriftlich mit „Westerland“ versehene Taschenspiegel, eingerahmte Bilder, Tassen, Teller und vieles mehr als Insel-Souvenirs verkauft. Unter den alten Andenken befinden sich außerdem Löffel mit Westerländer Wappen und Sylter Möwen aus Porzellan. Aschenbecher mit Sylt-Motiven und Zigarettenspender waren ebenfalls beliebte Insel-Andenken der Nachkriegszeit. Der Sohn des Wegst-Gründers war künstlerisch veranlagt und versah die Produkte mit gezeichneten Sylt-Motiven oder Aufschriften. Auf diese Weise wurden die alltäglichen Gegenstände zu besonderen Insel-Andenken. Ab 1955 waren handbemalte Teller als Sylt-Souvenirs besonders beliebt. Damals kostete ein solches Andenken 19,85 DM. Die heutigen Andenken-Teller sind bunter und „made in China“.

Ob damals oder heute - die Menschen lieben es, sich zu erinnern. Passend, dass sich der Begriff Souvenir aus dem Französischen für „sich erinnern“ - „se souvenir“, ableitet. Das Andenken ist gleichzeitig Symbol und Bedürfnis. Als Symbol für das Erlebte verkörpert es ebenfalls das Bedürfnis des Erinnerns und Wiedererlebens. Kein Wunder also, dass wir dafür auch mal kitschige Motive in Kauf nehmen. An den Urlaub, gerade auf Sylt, erinnert man sich eben einfach gerne.

 

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