Tief „Elon“ hinterlässt kaum Spuren

Kein Vorankommen: Dieses Pärchen versucht mit seinen zwei Hunden auf der Friedrichstraße Richtung Promenade zu laufen.
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Kein Vorankommen: Dieses Pärchen versucht mit seinen zwei Hunden auf der Friedrichstraße Richtung Promenade zu laufen.

Feuerwehren melden nur geringe Sturm-Schäden / Syltshuttle stellte Betrieb für zwei Stunden ein / Prognose für heute: Es bleibt stürmisch

shz.de von
10. Januar 2015, 05:35 Uhr

Mit starken Sturmböen hat das Orkantief „Elon“ gestern früh die Insel erreicht: Laut Deutschem Wetterdienst wurden in Westerland Spitzenwindgeschwindigkeiten von 101 Stundenkilometern gemessen, der Wetterdienst MeteoMedia konnte an seiner Wetterstation in Hörnum gegen 9.10 Uhr sogar Spitzenwerte von 163 Stundenkilometern verzeichnen.

Aus Sicht der insularen Feuerwehren hat die Insel den ersten Ausläufer des Sturms Christian, der zur Zeit über dem Atlantik wütet, ohne größere Zwischenfälle überstanden. Keine der Feuerwehren musste zu einem größeren Einsatz ausrücken, lediglich die Westerländer Feuerwehr hatte drei kleinere Einsätze, berichtete Wehrführer Jörg Elias am Nachmittag. Personen kamen nicht zu Schaden. Außerdem habe sich in Tinnum im Gewerbegebiet ein Dach gelöst, das jedoch schnell wieder gesichert werden konnte, so Jörg Elias.


Einschränkungen im Verkehr

Für einige Einschränkungen sorgte „Elon“ allerdings im Verkehr: Der Syltshuttle stellte seinen Betrieb zwischen 12 und 14 Uhr vollständig ein, den gesamten Tag über galt ein Transportverbot für Gefahrguttransporter, Pkw mit Anhänger oder Wohnwagen, Wohnmobile und leere Lkw.

Auch bei der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) kam es zwischenzeitlich zu Einschränkungen im Bahnverkehr: „Aufgrund des Windes musste ein Zug ausfallen“, sagte ein Sprecher der NOB. Außerdem gab es eine Streckensperrung zwischen Bredstedt und Niebüll, da ein Baum auf den Schienen lag. Nach 45 Minuten war die Strecke wieder frei.

Im Flugverkehr sowie bei der Sylter Verkehrsgesellschaft gab es keine Einschränkungen im Verkehrsablauf. Die Syltfähre musste eine Rotation aussetzen, da sie aufgrund des Hochwassers nicht be- und entladen werden konnte.

Am heutigen Sonnabend wird das zweite Orkantief „Felix“ aus dem Sturmkomplex Christian auf der Insel erwartet. „Im Laufe der zweiten Nachthälfte von Freitag zu Sonnabend nimmt der Wind zu“, erklärte Diplom-Meteorologin Claudia Kahl von WetterWelt in Kiel. „Wir rechnen wieder mit schweren Sturmböen und orkanartigen Böen, der Wind wird im Gegensatz zu ‚Elon‘ am Freitag allerdings nicht so schnell wieder abflachen, sondern sich bis in die Nacht halten.“ Eine leichte Beruhigung der Wetterlage sei laut der Meteorologin erst für die zweite Nachthälfte zu erwarten. Aber auch am Sonntag und Montag sei weiterhin mit Sturmböen bis starken Sturmböen auf der Insel zu rechnen.

Welche Schäden die beiden Sturmausläufer an der Küste hinterlassen werden, wird sich zeigen, wenn sich der Wind gelegt hat. Eine Begehung der Hörnum Odde durch das Landesamt Küstenschutz sei bereits für die kommenden Tage angesetzt. „Elon“ und „Felix“ sind die erste Bewährungsprobe für das im Sommer umgelagerte Tetrapoden-Längswerk. Seine Feuerprobe auf Sturmfestigkeit hat auch der erst im November eingeweihte Mövenbergdeich in List.

Der Küstenschutz in Schleswig-Holstein habe sich nach Einschätzung der zuständigen Landesbehörde allerdings gut auf das Sturmwochenende vorbereitet. „Dieser Sturm erfordert jetzt kaum besondere Maßnahmen, weil der Schutz der Menschen hinter den Deichen jahrein, jahraus unsere Alltagsarbeit, unser Kerngeschäft ist“, sagte der Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Johannes Oelerich gestern. „Für uns ist es Routine. Aber dabei bleiben wir wachsam und können notfalls sofort handeln.“

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