Baunternehmer auf Sylt : Thermen-Brecher und Stratege

„Ich mag diese Insel sehr“: Kurt Zech
„Ich mag diese Insel sehr“: Kurt Zech

Wer ist Kurt Zech? Sein Name wird immer wieder genannt, wenn es um das Thermen-Deaster geht / Versuch einer Annäherung

shz.de von
06. Januar 2015, 06:00 Uhr

Unscheinbar ist so ein Wort, das man schnell missverstehen kann. Wenn es hier am Anfang steht, dann, weil es eine Eigenschaft beschreibt, die auch zurückhaltend, unaufgeregt, ja, bescheiden meint – und damit im krassen Gegensatz zu der Annahme steht, die man entwickelt, wenn man sich einen überaus erfolgreichen, einflussreichen und wohlhabenden Mann vorstellt. Kurt Zech (57) ist so ein Mann. Der Bremer geschäftsführende Gesellschafter der Zech Group GmbH ist auf Sylt den meisten unbekannt. Auch er selbst kennt nur wenige Insulaner. Sein Wirken dagegen auf der Insel ist im wahrsten Sinne des Wortes augenfällig.

Mit dem gerade am Keitumer Watt eröffneten Luxus-Resort Severin's hat Kurt Zech auf Sylt einen der imposantesten Hotelbauten der letzten Jahre realisiert. Nicht gerade zur Freude aller – aber vieler – Insulaner. Spätestens der Hotelbau hat die Lager in Freunde und Feinde des Bremers geteilt. Er selbst nimmt das mit einiger Betroffenheit wahr. „Ich verstehe die Vorbehalte uns gegenüber nicht“, lässt er beim Kaffee wissen und schaut dabei betroffen und etwas unglücklich durch den Raum. „In anderen Orten wünscht man sich, dass wir dort Hotels bauen, schätzt uns als faire Geschäftspartner, nur hier schlägt einem geradezu Hass entgegen. Warum?“

Die Antwort liegt wohl in den Ängsten der Mitbewerber, die in dem Hotelneubau und damit in dem Anstieg der Bettenkapazität im Luxusbereich einen Verdrängungswettbewerb fürchten, der in einem Preiskampf endet könnte, bei dem gerade die kleineren Anbieter früher oder später das Nachsehen haben könnten. Zech will diese Befürchtung mit dem Hinweis auf seine Preisphilosophie zerstreuen. „Wir haben sehr bewusst unsere Übernachtungspreise im höchst möglichen Bereich angesiedelt. Wir sind die Teuersten auf Sylt. Das wollen wir auch, um unseren Kollegen in den anderen Häusern klar zu signalisieren, dass wir keinen Preiskampf provozieren wollen. Gäste, die zu uns kommen, müssen sich uns erlauben können. Mit unserem Haus stärken wir den Premiumanspruch der Insel.“ Dann erzählt er von Sylter Hotel-Kollegen, die im Severin's ihre Weihnachtsfeier veranstaltet haben.

Zech rührt in seinem Cappuccino. Er wirkt nachdenklich, ruhig und überlegt. Sein Habitus strahlt eben jene Unscheinbarkeit aus, die nicht vermuten lässt, dass der schnell sympathisch wirkende Familienvater, der gern von seinen drei Kindern, ihren Schul- und Studienfortschritten im Ausland erzählt, einer der größten Multiunternehmer Deutschlands ist. Sein Großvater gründete 1909 in Bremen ein Baugeschäft, aus dem sich bereits unter seinem Vater in den 1970-erJahren das Multiunternehmen entwickelte, welches heute mit gut 6  000 Mitarbeitern international tätig ist und einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro erwirtschaftet. Zech Bau ist nur ein Standbein der Bremer: Immobilien, Projektentwicklung und Hotellerie sind weitere des Familienbetriebes.

In Bremen ist Zech einer der klangvollsten Namen der dortigen Wirtschaft. Anfang der 2  000er Jahre geriet das Unternehmen in Korruptionsverdacht, weil Zech aus Sicht mancher Mitbewerber, Politiker und Medien bei vielen Großbauten der Hansestadt maßgeblich beteiligt war. Keiner der damals erhobenen Vorwürfe konnte aufrechterhalten werden. „Ja, solche Verdächtigungen schlagen Wunden. Aber wir hatten uns nichts vorzuwerfen.“ Wie zum Schutz verschränkt Zech die Arme, um sogleich wieder gelöst zu wirken. „Wir wollen Veränderung, weil sie ohnehin kommt. Wir wollen aber daran beteiligt sein. Sie selbst gestalten, uns nicht treiben lassen.“ Zechs Unternehmensmaxime ist nicht neu, sondern schon vor gut 100 Jahren eine Grundüberzeugung bei der Firmengründung gewesen. Man könnte glauben, dass solche Maxime hektisch agierende Menschen produziert.

Vielleicht ist es eine nach außen gekehrte Gelassenheit, eine antrainierte oder demonstrativ eingesetzte – Kurt Zech schaut im Gespräch nicht auf die Uhr. Sein Smartphone bleibt aus, die Gespräche mit den Mitarbeitern, die zu beobachten sind, wirken genauso unaufgeregt wie der Mensch Kurt Zech, der durchaus zugibt, „dass sich dieses Hotel in den nächsten Jahren nicht rechnen wird. Es ist etwas für die Enkelkinder. Aber es soll das Beste auf Sylt sein.“ Selbst so ein Satz klingt bei ihm nicht anmaßend. Er glaubt an die Destination, an Sylt. Wie sonst hätte er einen nicht genau bezifferten, „aber im hohen zweistelligen Millionenbereich“ liegenden Betrag in den Bau und die Ausstattung des Severin's investieren können? Zech will nicht Geld verlieren, sondern strategisch investieren.

Nur einmal, beim Bau der Keitumer Therme, hat er sich wohl auch von der damals herrschenden Euphorie mitreißen lassen und an das Projekt geglaubt. Anders lässt sich seine Bereitschaft, die Bauarbeiten an der Therme zu übernehmen, als die Betreiberfirma in finanzielle Schieflage und die Gemeinde mit dem Prestigeprojekt in Not zu geraten drohte, kaum erklären.

Kurt Zech, der als Kind regelmäßig mit seinen Eltern auf Sylt urlaubte, hatte 2005 das 30  000 Quadratmeter große Grundstück gegenüber der Therme, auf dem zuvor ein städtisches Erholungsheim gestanden hatte, mit der Option erworben, dort ein Hotel bauen zu dürfen. Ein Bau, der als perfekte Ergänzung zur Therme gesehen wurde. Die Hotelgäste hätten das moderne Bad mitnutzen sollen. So weit die Wunschvorstellungen. Die folgende Entwicklung ist bekannt und hat zu der Ruine geführt, die heute den Ort an einer seiner schönsten Stelle verschandelt.

Als Großgläubiger im Insolvenzverfahren um die Therme hat Kurt Zech die Chance, den Ort von dem Schandfleck zu befreien. Er verzichtet dafür auf einen Millionenbetrag, den die Gemeinde ihm für den Bau schuldet, ermöglicht neue Pläne für das Thermengelände und bietet der Gemeinde ein Grundstück, auf dem Bauen für junge Sylter möglich ist. Doch Kurt Zech ist von Beruf auch Stratege. Er will etwas für sein Entgegenkommen: Den Bau neuer Doppelhäuser, die seinen Hotelkomplex erweitern. Noch mehr Betten im hart umkämpften Bereich der Sylter Luxushotellerie! „Das wird keinem weh tun“, ist Zech überzeugt. Man glaubt ihm aber anzumerken, dass er befürchtet, ihm würde dieser „Deal“ mit der Gemeinde Sylt nur weitere Ablehnung einbringen. „Ich verstehe das nicht“, sagt Kurt Zech. Und wie er das sagt, glaubt man nicht den Strategen zu hören, sondern einem Mann, der von sich sagt: „Ich mag diese Insel sehr, und ich möchte einiges dafür tun, dass sie noch viel mehr Menschen als heute mögen. Sylt ist ein wunderbarer Ort!“

Dann sind zwei Stunden um. Es war nicht die erste Begegnung mit Kurt Zech. Trotzdem: Keine Zeit, um einen Menschen wirklich kennen zu lernen. Und doch intensiv genug, um sagen zu können, ob man einen Eindruck gewonnen hat, der so etwas wie Glaubwürdigkeit und Sympathie hinterlässt. Die Antwort ist: Ja! Vielleicht ist das aber auch ein Teil des Erfolges, den Kurt Zech als Unternehmer hat?

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