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Sylter Rundschau

23. November 2017 | 23:30 Uhr

The Fog

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 17:07 Uhr

Glauben Sie es auch? Irgendein steinreicher, amerikanischer Hollywoodregisseur hat für ’ne Mörder-Kohle fünf Tage lang auf der kompletten Insel Nebelmaschinen aufstellen lassen, um eine Fortsetzung des 80er-Jahre-Schockers „The Fog – Nebel des Grauens“ zu drehen. Ich bin mir da absolut sicher. An unsere gruselige Autofahrt am vergangenen Samstag von Keitum durch die Wiesen Richtung Westerland mag ich gar nicht mehr zurückdenken. Während Carsten die ganze Zeit die gleiche Frage gestellt hat („Bin ich noch auf der Straße, oder befinde ich mich schon aufm Seitenstreifen?“), hab’ ich immer nur panisch gerufen „Achtung, ein Radfahrer“ und „Achtung ein Auto von vorne“. Ich stelle mir übrigens noch immer zwei Fragen: Wie kommt jemand, wenn man kaum die Hand vor Augen sieht, ausgerechnet auf die Idee, ’ne Fahrradtour durch die am Wochenende von Autos gut befahrenen Wege durch die Wiesen zu machen? Und: Warum fahren an so einem Tag mindestens 50 Prozent der Autofahrer ohne Licht über die Insel? Die komplette Fahrt kam mir vor wie ein Traum. In wenigen Minuten würde ich durch frischen Kaffeeduft in meinem Bett aufwachen, zum Fenster gehen und den Deich sehen können. Aber nix da. Kein Deich in Sicht. Auch keine Wiesen. Oder Straßen. Nur eine weiße, dicke, dichte Wand.

Unser Spaziergang zum Grande Plage kam übrigens einen Tag später bei gleicher Wetterlage (trotz absolut anders lautender Vorhersagen: „Es wird in gaaaanz Deutschland ein schöner, sonniger Tag) einer Reise ins Ungewisse gleich. „Auf dem Weg lag doch immer der kleine Kampener Leuchtturm, oder?“ fragte ich Carsten irritiert. Er meinte, es gebe drei Möglichkeiten: a) er sei nicht mehr finanzierbar gewesen und über Nacht abgerissen worden (eher unwahrscheinlich), b) wir haben uns verlaufen oder c) der Nebel hat ihn verschluckt. Es wird Möglichkeit c) sein. Es muss Möglichkeit c) sein. Die gute Nachricht: der Leuchtturm ist noch da. Und wir haben das Grande Plage tatsächlich gefunden ... und einen schönen Platz am Fenster . Finde den Fehler!!!

Der Rückweg am Strand verlief absolut filmreif. In den Hauptrollen Carsten und Miriam Köthe. Nebelmaschinen in den Dünen und in der Nordsee, bzw. da, wo man normalerweise Dünen und Nordsee vermutet. Während Carsten sich sicher war, dass gleich ein fieser Meuchelmörder aus der weißen Suppe vor uns auftaucht, hab’ ich sekündlich mit Geistern gerechnet. Wir waren uns allerdings bei einem einig: Morgen würden die Dreharbeiten sicher beendet sein.
„Klappe, die dritte“ hieß es tags drauf. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wieder dichtester Nebel (an diesem Tag übrigens Sonne und 20 Grad in Hamburg. Rund um Freiburg sogar bis zu 23 Grad). Zeit für einen Schaufensterbummel durch Westerland. Zur Not die Nase direkt gegen die Scheibe drücken, oder in der „allergrößten Not“ rein in die Geschäfte. Ich möchte nur so viel verraten: Es wurde ein teurer Tag für Carsten. Mit Tüten beladen, haben wir Bekannte vom Festland getroffen. Sie hatten zwei Freunde im Gepäck. „Die beiden sind zum ersten Mal auf Sylt“, haben sie uns das Pärchen vorgestellt. „Ist die Insel nicht hübsch?“, habe ich sie gefragt. „Wir haben ja leider noch nichts von ihr gesehen. Kein Wasser, keine Dünen, keine Heide, gar nichts. Es herrscht ja seit Tagen dichter Nebel.“


Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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