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Schutz vor Sturmfluten auf Sylt : Tetrapoden-Streit an der Odde

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Naturschützer schlagen Alarm: Durch die Verlämgerung des Längswerks in Hörnum befürchten sie das Ende der Odde.

Ein Naturschützer schlägt Alarm: Dr. Ekkehard Klatt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Sandverlusten an der Hörnumer Odde. Seitdem in diesem Frühjahr das Längswerk mit Tetrapoden, die zuvor in Westerland lagerten, verlängert wurde, sieht der Sylter Geologe für die Zuknuft der Hörnumer Odde schwarz: „Seit die Tetrapoden an den Strand der Odde verlegt wurden, bricht die Düne ab“, sagt er und fügt hinzu: „Die Wellen schlagen auch bei geringer Windstärke mit voller Wucht gegen die Düne und machen bei Flut ein Umrunden der Südspitze sicher und trockenen Fußes unmöglich. Das war vor der Verlagerung der Tetrapoden noch nicht so“.

Der Grund für den Sandverlust liegt laut Klatt an der Lee-Erosion am südlichen Ende der Tetrapoden: „Dort bilden sich Strudel, die den Sand der Düne immer weiter abtragen und sie nach und nach zerstören.“ Sollte eine schwere oder sehr schwere Sturmflut die Küste treffen, befürchtet der Geologe Schlimmes: „Bei einer schweren Sturmflut wird die Südspitze komplett überflutet. Hörnum ist zwar nicht in Gefahr, das Naturschutzgebiet Hörnum Odde wäre aber zerstört.“

Die Kritik an den Tetrapoden ist nicht neu. Den riesigen vierarmigen Wellenbrechern wird nachgesagt, den Abtransport von Sand nicht stoppen zu können (wir berichteten). In ihrer Funktion im Längswerk sollen sie parallel zum Strand verlaufende Strömungen umlenken, damit möglichst wenig Sand abgetragen wird. Aus Sicht von Ekkehard Klatt haben sie genau diese Wirkung aber nicht, sondern verändern vielmehr die Strömungen und können so zu Störungen im empfindlichen Ökosystem führen.

Die sechs Tonnen schweren Betonkolosse wurden gerade erst mühsam mit zwei LKW und einem Trecker von Westerland nach Hörnum verfrachtet, um dort das Längswerk zum Schutz der Hörnum Odde zu verlängern. Für Ekkehard Klatt macht die Verlagerung der Tetrapoden keinerlei Sinn: „Seit Jahren können wir beobachten, dass die Tetrapoden für den enormen Sand- und Strandverlust auf Sylt verantwortlich sind“, erklärt er. Seine Warnungen blieben bisher jedoch unbeantwortet: „Ich mache Politiker und Naturschützer gleichermaßen schon lange auf die Nachteile der Tetrapoden aufmerksam. Bisher hat niemand reagiert.“

Ob der Sandverlust an der Odde wirklich so besorgniserregend ist, bezweifelt Dr. Johannes Oelerich, Direktor vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) in Husum. „Wir wollen mit den Tetrapoden vor allem die Ortslage Hörnums schützen. Das ist das Ziel des Küstenschutzes“, sagt er. Um die Sicherung der Südspitze geht es also bei der Verlängerung des Längswerkes nicht: zwar stimmt Oelerich mit Klatt darin überein, dass durch den aktuellen Einbau der Tetrapoden der Punkt, an dem Abbrüche passieren, weiter nach Süden verlagert wurde – eine Erosion der Südspitze könne jedoch nicht verhindert werden. Ohnehin kommen die Sandverluste für das LKN nicht überraschend: „Wir haben erwartet, dass es zu Erosionen südlich der Tetrapoden-Wellenbrecher kommen wird“, sagt Oelerich und erklärt, dass die Natur die Odde neu formen wird.

Ein Abbruch der Aktion kommt für den LKN–Chef auf keinen Fall in Frage: „Wir haben bisher gute Erfahrungen mit den Tetrapoden in Hörnum gemacht. An dem Strandabschnitt, an dem die Wellenbrecher bisher gelagert waren, hatten wir kaum Sandverluste zu verzeichnen“, erklärt Oelerich und ergänzt: „Wir haben unsere Arbeit immer unter Einbindung der Verantwortlichen vor Ort abgestimmt. Und weil die Zusammenarbeit bisher sehr erfolgreich war, werden wir diesen Weg auch fortsetzen.“

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erstellt am 04.Okt.2014 | 06:14 Uhr

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