Seesternsterben auf Sylt : Tausende tote Seesterne angespült

Die Seesterne werden zusammen mit zahlreichen Muscheln an den Westerländer Strand gespült.
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Die Seesterne werden zusammen mit zahlreichen Muscheln an den Westerländer Strand gespült.

Am Strand vor Westerland sind zahlreiche Tiere angeschwemmt worden. Das Phänomen des Seesternsterbens gibt es im Winter häufiger.

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08. Januar 2015, 05:01 Uhr

Viele Menschen blieben gestern immer wieder am Strand vor Westerland stehen, den Blick nach unten gesenkt, die Kamera in der Hand. Ein großer Schwarm Möven kreiste hoch über ihnen. Tausende angespülte und an Land verendete Seesterne hatten sie angelockt. Schon von weitem war zu erkennen, dass am Strand etwas angespült wurde, die Seesterne lagen wie eine Art Teppich auf dem Sand.

Seesternsterben sei nicht ungewöhnlich, erklärt Meeresbiologe Dr. Harald Asmus vom Alfred-Wegener-Institut in List. „Dieses Phänomen beobachten wir im Winter öfter – allerdings eigentlich mehr auf der Wattseite von Sylt“, so der Experte. Ursache für ein solches Massensterben der Seesterne sei für gewöhnlich, ein starker Abfall der Wassertemperatur in Kombination mit Niedrigwasser. „Die Seesterne kriechen zusammen zu einer Art Teppich auf die Muschelbänke, um Muscheln zu fressen“, sagt Harald Asmus. Dann werden die Tiere Opfer des Niedrigwassers. Am Strand aufgespült verenden sie nach kurzer Zeit.

Harald Asmus gibt aber auch zu Bedenken, dass es eigentlich deutlich kälter ist, wenn es zu solchen Seesternsterben kommt. „Ich hätte das zu diesem Zeitpunkt bei diesen Temperaturen nicht erwartet“, so der Meeresbiologe. Seesterne seien keine bedrohte Art, sie spielen eine regulierende Rolle in der Nahrungskette, fressen zum Beispiel Seepocken, werden aber selbst kaum von anderen Tieren gefressen. Würde es sich um einen Virus handeln, dann sei die Situation natürlich bedenklicher, aber das zieht Harald Asmus derzeit nicht in Betracht: „Dazu müsste man erstmal die Seesterne untersuchen und einen Virus nachweisen, bevor man Panikmache betreibt“, so der Meeresbiologe. Auch einen Zusammenhang mit dem Massensterben von Millionen von Seesternen an der amerikanischen Pazifikküste sieht er zu diesem Zeitpunkt nicht. „In Amerika fehlen den Seesternen die Arme und die Innereien treten aus. Wir hier auf Sylt finden ausschließlich intakte Seesterne“, so Asmus.

Christof Goetze von der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer vermutet hingegen eine Krankheit und keine natürliche Ursache. Derzeit wisse man aber nicht, was die Seesterne krank mache. Ob ein Zusammenhang mit den Funden toter Seesterne vor St. Peter-Ording vor einigen Tagen bestehe, ist nach Angaben des Biologen bislang unklar.

Wie lange die Seestern-Schwemme noch anhalte, können die Fachleute nicht vorhersagen.

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