RDC gegen Bahn : Syltshuttle: Langer Kampf um den Autozug geht ins Finale

Der Syltshuttle in Fahrt.
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Der Syltshuttle in Fahrt.

Tricks, Klagen und ein langes Hin und Her: Der Konflikt um den Syltshuttle sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Gibt es morgen eine Lösung?

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07. Juli 2015, 12:14 Uhr

Sylt | Wer wird künftig Autos zwischen Sylt und dem Festland transportieren? Nur der neue Bewerber RDC, die Railroad Development Corporation? Oder gibt es ein Nebeneinander zwischen RDC und dem jetzigen Betreiber, der Deutschen Bahn AG mit ihrem Syltshuttle? Oder zieht sich RDC möglicherweise doch noch zurück und alles bleibt wie bisher? Montag hat die DB Netz AG beiden Konkurrenten geschrieben, ob und wie viele Zugfahrten auf die Insel sie tatsächlich ab Mitte Dezember dieses Jahres bekommen. Zu den Inhalten des Schreibens wollten sich aktuell weder die DB Netz als Vergabe-Instanz noch die Bewerber RDC und DB Fernverkehr für den Syltshuttle äußern. Bahn-Insider rechnen jedoch damit, dass als wahrscheinlichste Lösung ein Parallelbetrieb von Autozügen beider Bewerber in Frage kommt.

Seit Anfang Oktober vergangenen Jahres für große Aufregung über die Grenzen der Insel hinaus sorgt die Ankündigung von RDC, der deutschen Tochtergesellschaft eines US-amerikanischen Eisenbahnunternehmens, sich um die so genannte Trassenvergabe für den lukrativen Autozug zwischen Niebüll und Westerland zu bewerben. Knapp eine halbe Million Fahrzeuge je Jahr und Richtung werden auf der Strecke transportiert, geschätzter jährlicher Gewinn für die Deutsche Bahn: mindestens 30 Millionen Euro.

Umso überraschender, dass es in den zurückliegenden Jahrzehnten nur ein einziger Mitbewerber gewagt hat, gegen das Monopol des ehemaligen Staatsunternehmens Deutsche Bahn anzukämpfen. In zwei Anläufen – für die Betriebsjahre 2003 und 2004 – hintereinander scheiterten die Pläne des Connex-Tochterunternehmens Nord-Ostsee-Bahn (NOB), ebenfalls einen Shuttleverkehr einzurichten, weil die DB Autozug AG dem Konkurrenten den Zugang zu ihren Verladeterminals verweigerte. Daraufhin wandte sich Connex mit einer Beschwerde an das Eisenbahn-Bundesamt. Es folgten jahrelange Rechtsstreitigkeiten, in denen mal die eine, mal die andere Seite Recht bekam. Mitte Januar 2011 entschied jedoch das Oberverwaltungsgericht Münster, dass die DB Autozug grundsätzlich auch anderen Bahnunternehmen die Nutzung ihrer Autoverladestationen erlauben muss. Diese Auffassung hatten zuvor das Verwaltungsgericht Köln und auch die Bundesnetzagentur als oberste Kontrollbehörde vertreten.

Während die NOB offensichtlich keinerlei Ambitionen mehr hat, einen Autozug zu betreiben, rief die geänderten rechtlichen Bedingungen im Herbst vergangenen Jahres RDC auf den Plan. Das US-Unternehmen ist in Deutschland 75-prozentiger Haupteigner der Hamburg-Köln-Express (HKX) GmbH. HKX betreibt aktuell einen, dem DB Interregio Express vergleichbaren Fernverkehr zwischen der Hansestadt und der rheinischen Metropole.

Bei der Vergabe des Autozugs handelt es sich im Unterschied zur Vergabe des Personennahverkehrs auf der Strecke zwischen Hamburg und Niebüll um keine Ausschreibung. Vielmehr können Eisenbahnunternehmen jedes Jahr deutschlandweit zu bestimmten Terminen bei der DB Netz AG als Vergabeinstanz so genannte Trassenanmeldung einreichen. Nach gesetzlich vorgeschrieben Kriterien wird der am besten geeignete Kandidat für die Strecke ausgewählt. Dann wird entweder ein mehrjähriger Rahmenvertrag zwischen dem Bewerber und der DB Netz geschlossen oder es werden jährlich neue „Slots“ für einzelne Fahrstrecken vergeben.

Bei mehreren Verhandlungen und sogenannten Konfliktgesprächen am Runden Tisch der DB Netz hat RDC bereits für elf Trassen einen zehnjährigen Rahmenvertrag erhalten. Außerdem wurden dem Unternehmen sieben weitere Jahres-Strecken zugesprochen, auf denen keine Überschneidungen mit anderen Anmeldern wie DB-Autozug und Güter- oder Nahverkehr bestanden. „Auf diesen 18 Trassen werden wir den Betrieb definitiv ab Mitte Dezember aufnehmen“, betonte RDC-Geschäftsführer Carsten Carstensen. Ein verbindlicher Fahrplan für die Strecken inklusive Reservierungssystem werde demnächst veröffentlicht.

Entscheidende Kriterien für die Vergabe von zirka 70 Strecken, die noch für die Autozüge in Frage kommen, sind der Höchstpreis, den ein Bieter bereit ist zu zahlen, aber auch die Länge der Trasse. Um nicht vollends aus dem Syltshuttle-Geschäft geworfen zu werden, bedient sich die Deutsche Bahn eines „Tricks“: Das Unternehmen hat beantragt, mit ihrem Autozug zu Bahnhöfen wie Husum, Bredstedt, Itzehoe oder sogar Hamburg-Altona zu fahren. Deshalb müsste die Bahn formal bei der Vergabe jeder dieser Trassen bevorzugt werden. RDC hätte das Nachsehen, weil sie nur kürzere Strecken beantragt haben. In der Praxis wird die Bahn aber wohl kaum mit dem kompletten Autozug, sondern nur mit einem Dieseltriebwagen fahren – möglicherweise einschließlich Personenverkehr mit 120 Sitzplätzen. Ob dieser „Schachzug“ der Bahn tatsächlich Erfolg bringt und ob RDC dagegen klagt, wird sich erst zeigen, wenn am Mittwoch die Briefe der DB Netz geöffnet werden.

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