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Kampf um den Autozug : Syltshuttle-Konflikt verzögert Bahnfahrplan

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Streit um die Vergabe des Syltshuttle muss jetzt die Bundesnetzagentur vermitteln: Bewerber RDC hat Einspruch wegen Benachteiligung eingelegt.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 05:12 Uhr

Der Streit zwischen der DB Fernverkehr AG und der Railroad Development Corporation (RDC) über die Vergabe des Autozugs verzögert die Fertigstellung des kompletten Netzfahrplans des Bahnverkehrs 2016 für ganz Deutschland. Gegenüber der Sylter Rundschau bestätigte RDC, die bisherigen Autozug-Planungen so nicht zu akzeptieren. Das deutsche Tochterunternehmen eines US-amerikanschen Eisenbahnkonzerns war bei den Planungen schlecht weggekommen: RDC erhielt lediglich 15 einfache Fahrten je Tag, die Deutsche Bahn dagegen soll den Löwenanteil von zirka 70 Fahrten zugesprochen bekommen.

Diese Aufteilung kam dadurch zustande, dass die für den Syltshuttle verantwortliche DB Fernverkehr künftig an ihre Autozüge Triebwagen ankoppeln will, in denen bis zu 140 Fahrgäste mitfahren können. In Niebüll sollen diese Personenwagen dann abgekoppelt werden und bis nach Husum, Heide oder sogar Hamburg-Altona weiterfahren. Mit dieser Anmeldung für die so genannten Trassen wäre die Bahn automatisch im Vorteil, weil laut Gesetz derjenige den Zuschlag erhalten muss, der die längere Strecke fährt.

Gegen diesen „Trick“ der Deutschen Bahn zum Erhalt ihres lukrativen Syltshuttle-Geschäfts versucht sich RDC jetzt zu wehren. Das US–Unternehmen hat eine Stellungnahme bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Begründung des Syltshuttle-Mitbewerbers: Eine reibungslose Umsetzung des Autozug-Betriebs sei durch die häufigen Rangierfahrten der Triebwagen faktisch unmöglich. Schließlich müssten die neuen Personen-Autozüge der Bahn jedes Mal zeitaufwändig in Niebüll an- und auseinander gekoppelt werden.

Die Aufgabe der Bonner Kartellwächter der Bundesnetzagentur ist es jetzt, zu prüfen, ob die Planungen der DB Netz AG – die einen weitgehender Ausschluss von RDC vom Autozuggeschäft beinhalteten – tatsächlich zulässig sind. Für das Verfahren läuft eine Frist von nur zehn Werktagen. Bereits am 27. August muss die endgültige Entscheidung gefallen sein, teilte Pressesprecher Fiete Wulff mit.

Aktuell hat der Streit um den Syltshuttle die Fertigstellung des endgültigen Netzfahrplanentwurfs für das gesamte Bundesgebiet lahmgelegt. Von den deutschlandweit 95 Trassenkonflikten betreffen allein zwei Drittel die lediglich 39 Kilometer lange Strecke zwischen den Verladestationen des Autozugs in Niebüll und Westerland, bestätigte DB-Pressesprecherin Sabine Brunkhorst. Deshalb hat die Bundesnetzagentur sämtliche von Konflikten Betroffenen zu einem Gespräch am Runden Tisch im Tulpenfeld-Hochhaus des ehemaligen Bonner Regierungsviertels eingeladen. In der Sache des Autozugs sitzen sich die DB Netz AG als verantwortliche Vergabeinstanz sowie die DB Fernverkehr AG und RDC als Beteiligte gegenüber. Wegen der hohen Dringlichkeit für den Bahnverkehr in Deutschland findet der Termin bereits Ende dieser Woche statt.

Zu seinen Chancen will sich sich RDC während des laufenden Verfahrens nicht äußern. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte lediglich, dass es nicht um einzelne Trassen gehe, sondern das gesamte Vorgehen der DB Fernverkehr mit dem „Trick“ der längeren Laufwege in Frage gestellt würde. RDC hoffe auf eine Lösung bei den Konfliktgesprächen und eine Zuteilung von deutlich mehr Abfahrten als bisher von der DB Netz vorgesehen. Ein Klage vor Gericht gegen das Vergabeverfahren sei zumindest derzeit für RDC kein Thema. Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, betonte, es müsse die bestmögliche Lösung für die Insel Sylt gefunden werden: „Ich gehe davon aus, dass die Beteiligten dieses Chaos kurzfristig in den Griff kriegen.“

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