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Autozugstrecke Niebüll-Westerland : Syltshuttle: Ist der Kampf schon entschieden?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Land SH und die Deutsche Bahn sollen kaum noch Chancen haben: Experten vermuten, dass das Bahnunternehmen RDC die Autozugstrecke betreiben wird.

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erstellt am 28.Nov.2014 | 06:05 Uhr

Hat die Deutsche Bahn (DB) den Syltshuttle schon verloren? Insider vermuten, dass eigentlich bereits klar ist, dass das Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) den Zuschlag bekommt, den rentablen Schienenstrang zwischen Niebüll und Westerland ab Dezember 2015 für zehn Jahre zu bewirtschaften. Auch das Unternehmen RDC selbst, das in Deutschland schon den Hamburg-Köln-Express betreibt, gibt sich siegessicher.

Neben der DB und der RDC bewirbt sich auch das Land Schleswig-Holstein um die Strecke. Allerdings will sie es nicht selbst betreiben, sondern die lukrative Autozugtrasse im Gesamtpaket mit der Marschbahn an ein Unternehmen vergeben. Laut Bahnexperten hat aber auch das Land kaum noch eine Chance. Denn: RDC will künftig bis zu 50 Prozent mehr Verbindungen anbieten und ist in ihrem Angebot bereit, pro Zug deutlich mehr an die DB Netz AG zu zahlen als die Deutsche Bahn und das Land. Geht es nach den Vergabekriterien, hat RDC den Syltshuttle damit gewonnen.

So sieht es auch das Unternehmen selbst: „RDC ist sehr zuversichtlich, mit der Rahmenvertragsanmeldung für die Autozug-Trassen klar die Nase vorn zu haben. Wir sind ja auch bereit, für die Trassen deutlich mehr zu bezahlen als der DB-Autozug heute und durch dichteren Fahrplan und mehr Zugfahrten weitere Mehreinnahmen für DB Netz zu erzeugen“, sagt Hans Leister, Generaldirektor Europa der Railroad Developement Corporation.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis will dagegen nichts davon wissen, dass schon irgendeine Entscheidung für oder gegen einen möglichen Betreiber gefallen sei: „Derzeit laufen noch die Prüfungen aller Anmeldungen für den Fahrplan.“ Weitergehende Fragen, so Meyer-Lovis weiter, könne er deshalb noch nicht beantworten. Auch Harald Haase, der Pressesprecher des Wirtschafts- und Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein, teilt auf Anfrage der Sylter Rundschau mit, er habe keinerlei Information, dass das Land in Sachen Autozug „bereits aus dem Rennen“ sei: „Das Verfahren läuft, es gibt aus unserer Sicht keinen neuen Stand.“

Währenddessen gibt sich Leister von RDC weiter optimistisch und versucht, ein weiteres Gerücht zu entkräften: Nämlich, dass die Trassenvergabe aufgrund von Verquickungen zwischen den verschiedenen DB–Unternehmen dazu führen könnte, dass Bewerber „von außen“ automatisch schlechtere Karten haben. Das glaubt Leister nach seinen bisherigen Erfahrungen nicht. „RDC hat überhaupt keinen Anlass, an der Fairness von DB Netz und Bundesnetzagentur zu zweifeln. Der diskriminierungsfreie Zugang zum deutschen Schienennetz funktioniert, das wird sich auch beim Autozug erweisen.“ Er zeigt sich zudem zuversichtlich, dass sein Unternehmen nach Übernahme der Strecke mit den verschiedenen Bereichen der Deutschen Bahn zusammenarbeiten wird. In dieser Hinsicht allerdings haben andere ihre Zweifel. So gehören die speziell für diese Strecke ausgerüsteten Waggons des Syltshuttles der Bahn. Ob die DB diese Wagen RDC überlassen würde, ist jedoch unklar. „Und dass sie sich eigene Waggons passend umbauen, dafür könnte schlicht die Zeit fehlen“, sagte ein Insider gegenüber unserer Zeitung.

Ein weiterer Konfliktpunkt sind die Intercity-Verbindungen der Deutschen Bahn nach Westerland. Sollte RDC die Zahl der Autozug-Verbindungen wirklich deutlich erhöhen, könnte es schwierig werden, diese Verbindungen, die unter anderem von Köln, Frankfurt oder Stuttgart direkt nach Sylt führen, rein zeitlich noch in den Fahrplan einzufügen. Zudem stellt sich die Frage, ob die Bahn bei Verlust des Syltshuttles überhaupt noch ein wirtschaftliches Interesse daran hat, Intercityverbindungen auf die Insel anzubieten. Ein Ende der Intercityverbindungen hätte wahrscheinlich nicht nur Auswirkungen für Sylt, sondern auch für den Tourismus auf den Nachbarinseln Föhr und Amrum: Die Intercitys aus dem Süden werden teilweise in Niebüll geteilt, einige Wagen fahren weiter nach Dagebüll.

Im kommenden August soll endgültig klar sein, wer künftig wirklich fast eine halbe Millionen Fahrzeuge jährlich auf die Insel transportieret. Bis dahin werden noch einige Autozüge über den Hindenburgdamm rollen.

 

 

 

 

 

 

 

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