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Bürgermeisterkandidaten : Sylts Wahlkampf im World Wide Web

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie präsentieren sich die Sylter Bürgermeisterkandidaten im Netz? Die Sylter Rundschau hat sich durchgeklickt.

Noch knapp eineinhalb Monate, dann wählt die Gemeinde Sylt einen neuen Bürgermeister. Wer sich neben der Zeitungslektüre über die sechs möglichen Kandidaten schlau machen will, könnte auf die Idee kommen, sich im Internet über Wahlkampfprogramm und Vita zu informieren. Die Sylter Rundschau hat sich durchgeklickt, wie gut sich die Sechs im www und auf Facebook präsentieren.

Robert Wagner, 36, Aachen, unabhängiger Bewerber: Auf Facebook findet man den Bundeswehrbeamten Wagner nicht. Stattdessen war er mit www.inselkandidat.de einer der ersten Kandidaten, der sich eine eigene Homepage gegönnt hat (www.inselkandidat.de). Die ist sehr simpel, aber auch sehr übersichtlich. Neben seinem Lebenslauf fasst Wagner dort zusammen, wodurch er sich für das Amt des Sylter Verwaltungschefs qualifiziert, erklärt recht persönlich, warum er sich nach einem Pfingsturlaub für die Kandidatur entschied, gibt Termine bekannt, wann und wo man ihn treffen kann und teilt zahlreiche Fotos, die ihn – immer gut gekleidet – in der Dünenlandschaft, im Tierpark oder im Gespräch mit Sylter Bürgern zeigt. Warum Wagner als Optik seiner Homepage allerdings einen riesigen Füllfederhalter gewählt hat, bleibt dem Leser ebenso unklar wie die Frage, wofür Wagner politisch genau steht: Was hier fehlt, sind Inhalte. Über Phrasen wie „Entwicklung des Tourismus mit Augenmaß und Weitsicht“ geht das Wagner’sche Wahlkampfprogramm im Netz kaum hinaus.

Markus Ballentin, 40, Köln, unabhängiger Bewerber: Eine eigene Homepage hat Markus Ballentin (noch) nicht, der Polizist betreibt lediglich eine Facebookseite: „Bürgermeisterkandidat für Sylt - Markus Ballentin“. Ein Wahlkampfprogramm findet sich allerdings auch dort nicht. Ballentin berichtet nur über seine Suche nach genügend Unterstützerunterschriften und bedankt sich bei den Syltern für ihr Vertrauen. Auch wenn der Informationsgehalt hier ziemlich zu kurz kommt, ist es bisher der persönlichste und lebhafteste Facebook-Auftritt der sechs Kandidaten. 147 Nutzern des sozialen Netzwerks „gefällt“ bis zum gestrigen Redaktionsschluss Ballentins Auftritt im sozialen Netzwerk.

Dr. Gabriele Pauli, 57, Fürth, unabhängige Bewerberin: Wer nach der ehemaligen CSU-Landrätin auf Facebook sucht, findet mehrere Gabriele Paulis und eine etwas bizarr anmutende Seite mit dem sperrigen Titel „Dr Gabriele Pauli Freunde“, auf der der Sylter Gastronom Rainer Zerwas auf einem leicht verpixelten Foto mit der Politikerin posiert (neun Gefällt-mir-Angaben). Auf Paulis offizieller Seite finden sich neben ihrer Vita einige Sylt-Fotos und Verlinkungen zu Presseberichten über ihre Kandidatur – also das übliche Programm. Spannender wird es auf ihrer Homepage www.gabriele-pauli.de. Dort wird der Besucher zwar mit einer „syltigen“ Fotocollage der 57-Jährigen begrüßt, in der Pauli mit Sternekoch Johannes King oder in Ledermontur auf einer Suzuki posiert, ansonsten ist über ihre Bürgermeisterkandidatur auf Sylt wenig zu erfahren. Stattdessen besteht die Möglichkeit, Pauli als Coach für „politische Neueinsteiger“ zu buchen (Seminartitel: „Ich grabe Ihre Schätze aus“). In den kommenden Tagen soll allerdings eine direkt auf den Sylter Wahlkampf ausgerichtete Seite online gehen.

Bernd Reinartz, 54, Sylt, unterstützt von der CDU: Im sozialen Netzwerk Facebook ist Bernd Reinartz lediglich privat anzutreffen. Dafür punktet der Rechtsfachwirt mit einer hochmodernen, ansprechenden und übersichtlichen Homepage, deren einziges Manko es ist, dass sie lediglich für diejenigen auffindbar ist, die die genaue Adresse kennen (www.bernd-reinartz.de) – über die Suchmaschine Google taucht sie nicht auf. Auch wenn Reinartz wie die anderen Kandidaten inhaltlich recht vage bleibt und sein Wahlkampfprogramm über Schlagwörter wie „Familienfreundlichkeit“, „zentralisierte Verwaltung“ oder „bezahlbarer Wohnraum“ nicht wirklich hinaus geht, erhält der Leser der Seite zumindest eine wage Ahnung, wofür Reinartz steht. Klarer positioniert sich der 54-Jährige, wenn es um sein Privatleben geht: Hier zeigt er sich als Familienmensch mit Ehefrau und Töchtern, schreibt, er sei seit „21 Jahren glücklich verheiratet“ und hebt sein soziales Engagement (Vorsitz Schulelternbeirat, Tätigkeit als Betreuer etc.) hervor.

Lars Schmidt , 44, Sylt, unabhängiger Bewerber: Lars Schmidt taucht auf Facebook mehrfach auf, welches seine offizielle Wahlkampfseite ist, bleibt unklar. Im sozialen Netzwerk verbreitet Schmidt unter anderem allgemeine Infohappen zum Thema Sylter Bürgermeisterwahl, verlinkt auf Presseartikel und weist auf sein Buch „Sylt ausgebrannt“ hin, das ihm als Wahlprogramm dient. Auch für das Buch existiert eine eigene Facebookseite, Auszüge des Werkes sind im Netz öffentlich einsehbar. Dass Schmidt, der bisher einer der netzaffinsten Sylter Kommunalpolitiker war, dort im Wahlkampf so unübersichtlich auftritt, überrascht. Eine eigene Homepage hat Schmidt nicht, allerdings kündigte der Kandidat an, demnächst verstärkt im www aktiv zu werden.

Nikolas Häckel, 40, Kronshagen/Sylt, unterstützt von SSW, SWG, SPD: Der Kronshagener Bauamtsleiter präsentiert auf Facebook das Standartprogramm mit eingescannten Zeitungsartikeln und aktuellen Terminen. Wer auf seine Webseite (www.nikolas-häckel.de) kommt, könnte im ersten Moment vermuten, er sei beim Internetauftritt eines Bestattungsunternehmens gelandet: Grau auf dunkelgrau gibt sich der 40–Jährige im schwarzen Polohemd gewollt seriös. Unter dem Motto: „geradlinig - kompetent - heimatverbunden“ stellt Häckel einen groben Überblick seines Wahlprogramms vor, wobei auch hier die Themen eher phrasenartig angerissen werden. Geht es um seine Vita, spielt Häckel die Ehrenamtler-Karte: Selbst ein DRK-Zeugnis für sein Engagement als Rettungssanitäter ist digital abrufbar.

Fazit: Wer im digitalen Netz nach Sylter Wahlkampf sucht, wird momentan noch ebenso enttäuscht wie im analogen Leben. Ein paar Wochen Zeit bleibt den Kandidaten ja noch, inhaltlich nachzulegen – egal ob im www oder auf dem Wochenmarkt.

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erstellt am 05.Nov.2014 | 17:22 Uhr

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