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Besondere Insel-Situation : Sylts Sorge um sein Wasser

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Versorgung mit Trinkwasser ist für Sylt von existenzieller Bedeutung. Doch ist die Insel gut genug auf Notfälle vorbereitet?

Erst vergangenen Freitagabend wurde zahlreichen Syltern wieder bewusst, wie wichtig das Wasser aus ihrer Leitung ist. Von 22.45 Uhr bis 23.05 Uhr blieben zwischen Westerland und Morsum viele Wasserhähne trocken. „Nach einem Rohrbruch im Bereich Westerland kam es zeitweise zu einem Versorgungsengpass, die entstandenen Schäden werden aber derzeit behoben“, sagte Karl Dettmer von der Energieversorgung Sylt (EVS).

Sylter Trinkwasser hat auch die Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag im Westerländer Rathaus beschäftigt: In einem gemeinsamen Antrag bitten SPD und Grüne um nähere Informationen über eines unserer wichtigsten Güter. „Unsere Süßwasserversorgung ist von existenzieller Bedeutung für die Insel“, betonte Gerd Nielsen (SPD) vor den Gemeindevertretern sowie dem anwesenden EVS-Chef Georg Wember. „Vor allem, wenn man weiß, welche Brisanz dahinter steckt, wenn die Wasserversorgung – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr funktionieren würde“.

Wember kennt die besondere Situation auf Sylt und auch die damit verbundene Problematik: „Die Insel versorgt sich selbst mit Wasser, wir haben keine Zuleitung zum Festland“, so der EVS-Chef. „Sollte es also zu einer Kontamination des Wassers kommen, gibt es zwar einen Notfallplan, aber zur öffentlichen Wasserversorgung keinen Plan B.“ Daher sei eine „Verunreinigung der Oberfläche zwingend zu verhindern, damit keine Verunreinigung der Süßwasserlinse entsteht“.

Aus dem Fragenkatalog, den SPD und Grüne ihrem Antrag beilegten, sorgte unter anderem der Punkt über eine mögliche Verunreinigung des Brunnenfeldes auf dem Flugplatzgelände für Diskussionsstoff unter den Gemeindevertretern. Dort gibt es in unmittelbarer Nähe einen regen Flugbetrieb, eine Flugwerft, die Hallen 25 und 28 sowie diverse weitere Lagerflächen. Georg Wember bestätigte: Zwar sei, rein rechnerisch, die Wahrscheinlichkeit einer Brunnenverunreinigung durch Flugverkehr geringer als durch landwirtschaftlichen Verkehr, „ein Restrisiko durch Umweltunfälle auf dem Flugplatz besteht jedoch.“

Von Seiten der EVS würden zwar regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Allerdings lägen der EVS keine Daten vor, die belegen, was auf dem Flughafengelände gelagert, getankt oder repariert wird – und ob dort irgendwelche Hydrauliköle verwendet werden. Diese könnten, wenn sie ins Erdreich sickern würden, schlimme Folgen für das Grundwasser haben. „Wenn dort etwas passiert, wäre das natürlich eine Katastrophe“, so Georg Wember. Dennoch, und das betonte er nachdrücklich, gebe es auf dem Flugfeld derzeit keine Kontamination.

Dass es auch auf der Insel zu Verunreinigungen kommen kann, zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 2016. Damals ergaben Messungen, dass das Grundwasser im Bereich der Friesischen Straße 26, Ecke Bahnweg – dort befand sich bis 2008 eine chemische Reinigung – sowie auf angrenzenden Grundstücken in unterschiedlichen Tiefen durch organische Lösungsmittel aus dem ehemaligen Betrieb verunreinigt ist.

Der Kreis Nordfriesland als zuständige Bodenschutz- und Wasserbehörde hatte deshalb eine immer noch gültige so genannte Allgemeinverfügung erlassen, die es allen Anwohnern untersagt, auf ihren Grundstücken Grundwasser zu fördern und zum Beispiel für ihre Gärten zu nutzen. Auch die EVS hat ihre Förderraten in einem angrenzenden Bereich massiv reduziert, um jegliches Heranziehen der Schadstoffe zu verhindern: Bis 2015 wurden aus dem Brunnenfeld 1 jährlich 230.000 Kubikmeter gefördert, seit 2016 sind es nur noch etwa 16.000 Kubikmeter.

Insgesamt werden im Jahr 2017 gemäß einer Prognose 2,4 Millionen Kubikmeter Grundwasser von der EVS aus der Sylter Süßwasserlinse gefördert. Die Ver- und Entsorgung Norddörfer (VEN), die Wenningstedt-Braderup und Kampen mit Wasser versorgt, befördert nochmal 550.000 Kubikmeter. Prinzipiell gebe es über das Jahr gesehen keine Probleme mit der Wasserversorgung, betonte Georg Wember. „Wir sind mit unseren 16 Brunnen in der Lage, die Anforderungen des Tourismus und auch des Eigenbedarfs vollständig abzudecken“, sagte er.

Allerdings gäbe es auf der Insel tatsächlich eine kontinuierliche Steigerung der Wasserabnahme, vor allem in der Hochsaison. „Wir gehen schon langsam an unsere Leistungsgrenzen mit der Förderung. Der weitere touristische Ausbau hat zur Folge, dass die EVS zukünftig in Speicherkapazität investieren muss. Da werden in den nächsten Jahren definitiv Kosten fällig.“

In einer Einwohnerversammlung am 23. November 2017 sollen alle Sylter ausführlich über das Thema „Trinkwasserversorgung der Insel“ informiert werden.

 

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erstellt am 25.Jul.2017 | 05:06 Uhr

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