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Ärger auf der Insel : Sylts liebe Not mit dem Hundekot

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hundebesitzer werfen oft gefüllte Hundekotbeutel in die Sylter Natur. Mehr Mülleimer könnten die Lösung sein – aber nicht überall.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Die „Hundekacktütenstatistik“ ist das neue Lieblings-Fotomotiv am Parkplatz nahe des Morsum Kliffs. Im ersten Quartal 2014 seien bislang 268 „volle Hundekacktüten“ im Naturschutzgebiet am Kliff eingesammelt worden, steht dort geschrieben. Auch wenn die Zahl fiktiv und der Zettel durchaus mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist – die Naturschutzgemeinschaft Sylt will damit auf ein auf der Insel weit verbreitetes Problem hinweisen: „Die Hundebesitzer nehmen den Kot zwar auf, werfen dann aber die gefüllten Beutel einfach in die Landschaft“, erklärt Margit Ludwig-Schweikert von der Naturschutzgemeinschaft.

Das Problem kennt auch Wenningstedts Rangerin Stefanie Hausen. „Ich finde jeden Tag solche Beutel in der Braderuper Heide oder in den Wiesen. Die Leute sind zwar bereit, die Schietbüdel zu benutzen, aber nicht, sie länger mit sich herumzutragen.“ In der Braderuper Heide gibt es nur einen einzigen Mülleimer, am Parkplatz Üp de Hiir. Dort würden die Hundebesitzer in der Regel die braunen Beutel am Spender mitnehmen und in der Heide spazieren gehen. „Der nächste Mülleimer kommt dann aber erst wieder in Kampen und die meisten sind nicht bereit, so lange mit dem mit Kot gefüllten Plastikbeutel, der auch noch stinkt, in der Hand durch die Natur zu spazieren“, so die Rangerin. Häufig hat Hausen schon beobachtet, wie Hundebesitzer die Kotbeutel entweder im großen Bogen in die Heide werfen oder neben einer Bank deponieren. „Ganz nach dem Motto: Es gibt ja Personal für so etwas“, ärgert sich Hausen. Auf ihr Fehlverhalten angesprochen, würden die meisten Leute wütend reagieren. „Viele sagen mir, ich solle mich um meine eigenen Probleme kümmern. Oder sie argumentieren mit dem Satz: ,Aber ich bin doch Sylter’.“

Stefanie Hausen ist selbst Hundebesitzerin und transportiert ihre Beutel in der Regel in einer mitgebrachten Tüte mit Henkeln. Das sieht sie allerdings nicht als die ideale Lösung des Problems: „Wirklich verhindern können wir den ganzen Plastikmüll, der durch die Kotbeutel im Naturschutzgebiet liegen bleibt, nur durch zusätzliche Mülleimer.“ Deshalb hat sie bereits bei der Gemeinde Wenningstedt-Braderup einen entsprechenden Antrag gestellt. „Dort ist man meinem Vorschlag gegenüber sehr aufgeschlossen“, sagt die Rangerin. Die zusätzlichen Mülleimer in der Braderuper Heide könnten mit einem kleinen Fahrzeug der Gemeinde geleert werden. In Kampen gibt es solche Mülleimer im Naturschutzgebiet schon seit einigen Jahren. „Dort sieht es deutlich aufgeräumter aus“, so Hausen.

Allerdings – das Aufstellen von Mülleimern scheint nicht überall die Lösung für das Eindämmen des Kot-Problems zu sein. Am Morsumer Kliff, wo die Naturschutzgemeinschaft Braderup für die Betreuung zuständig ist, ist das Gebiet für Autos nicht zugänglich. „Wir können ja nicht Mülltonnen aufstellen, wo sie niemand entleeren kann“, sagt Margit Ludwig-Schweikert. „Und es kann nicht unsere Aufgabe sein, ständig die Tüten aus dem Gebiet herauszutragen.“

In Archsum beschwerten sich die Einwohner in der jüngsten Ortsbeiratssitzung darüber, dass die Kotbeutel ständig in ihren Vorgärten und Hecken landen würden. „Dabei haben wir hier eigentlich genug Mülleimer. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als die Augen offen zu halten und die Hundebesitzer auf die richtige Verhaltensweisen hinzuweisen“, erklärt der Ortsbeiratsvorsitzende Jürgen Kamp.

In Fällen wie in Morsum und Archsum hilft vielleicht nur noch ein psychologischer Trick, wie ihn Rangerin Hausen in den USA entdeckt hat: „Dort gab es auf dem Parkplatz einen Fermentierer, der das Gas aus dem Hundekot in Strom für die Parkplatzbeleuchtung umgewandelt hat. Das ist unglaublich gut angekommen: Die Spaziergänger haben alle ihre Kotbeutel dort entsorgt.“

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