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Krabbenfischer vor List : Sylts letzter Krabbenfischer gibt seinen Beruf auf

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Wasserschutzpolizei hat dem letzten Sylter Krabbenfischer ein Auslaufverbot erteilt. Vom Meer verabschieden will sich Paul Walter aber nicht

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 04:30 Uhr

„Tja, ich war dann wohl der letzte offizielle Krabbenfischer auf Sylt“, sagt Krabbenfischer Paul Walter. Während er dies mit trauriger Stimme sagt, legt er die Betonung bewusst auf das Wörtchen „war“, denn Walter darf mit seinem kleinen Krabbenkutter „Tümmler“ ab sofort auf Anweisung der Wasserschutzpolizei nicht mehr als Berufsfischer auslaufen. Seit 1978 ist Sylts letzter Krabbenfischer im Lister Tief mit seinem Kutter unterwegs, hat seine Krabben direkt im Lister Hafen verkauft.„Ich habe Tränen in den Augen, aber vielleicht muss ich es jetzt auch mal gut sein lassen, ich bin ja schließlich auch schon fast 74 Jahre alt“, sagt Paul Walter.

Von Seiten der Polizei heißt es zu dem Fall nüchtern: „Am Sonntag, in der Zeit von 14.30 bis 16 Uhr, wurde der Fischereikutter „Tümmler“ im Hafen von List schifffahrtspolizeilich kontrolliert. Dabei wurde festgestellt, dass der Kapitän keine gültige Seediensttauglichkeit vorweisen konnte.“ Daraufhin wurde dem Krabbenfischer ein Auslaufverbot ausgesprochen. Seeleute müssen für eine Tätigkeit an Bord eines Seeschiffes seediensttauglich sein und eine Art Gesundheitszeugnis vorweisen können. Das heißt, sie müssen ihre körperliche und geistige Fitness bei regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen – den Seediensttauglichkeits-Untersuchungen – nachweisen.

„Ich ärgere mich sehr darüber“, sagt Paul Walter. Dennoch wisse er um sein Fehlverhalten: „Ich wollte das im vergangenen Jahr machen, allerdings gab es damals Terminprobleme und irgendwie habe ich das schließlich total verschludert“, gibt er zu. Am Donnerstag hätte er einen neuen Termin zur Prüfung auf Seetauglichkeit in Hamburg gehabt, „aber ich glaube, den sage ich nun ab und belasse es dabei. Freunde haben mir ohnehin schon länger geraten, endlich aufzuhören“, berichtet er.

Bei der Kontrolle hätten ihm sogar die Beamten der Wasserschutzpolizei gut zugeredet und ihn davon überzeugen wollen, abzuwarten und Widerspruch einzulegen, erzählt er. „Aber ich werde das jetzt lassen. Das war’s, ich hör auf!“

Ganz vom Krabbenfischen verabschieden will sich Walter allerdings nicht: „Ich fahre morgen zum Fischereiamt und werde mich als Hobbyfischer registrieren lassen“, sagt er, „dann kann ich wenigstens fischen, wie ich das will und habe den ganzen Papierkram nicht mehr“. Dieser, so erzählt er, sei eh viel zu viel für ihn gewesen. Zwar müsse er dann mit einem kleineren Netz raus und darf die Krabben nicht mehr offiziell verkaufen, „aber vielleicht kann ich sie ja gegen eine Spende abgeben“, so Walter.

Dass er dadurch den Listern als Krabbenfischer nicht ganz verloren geht, freut vor allem Ronald Benck: „Der Mann ist eine Institution im Inselnorden, schon als Kind habe ich ihn bewundert“, sagt der Lister Bürgermeister, „wir würden ein Stück Kulturgut verlieren, wenn wir ihn als Krabbenfischer verlieren. Mit den Krabbenkuttern ist Sylt groß geworden, sie gehören einfach zu dieser Insel und zu diesem Ort.“ Paul Walter sei im Hafen ein regelrechter Entertainer, „er belebt den ganzen Hafenplatz, erzählt Geschichten und darf hier nicht fehlen.“

Was wird vor Sylt gefischt?

Haupterwerblich werden vor Sylt fast ausschließlich Krabben und Muscheln gefischt sowie vereinzelt auch Meeräschen gefangen. Das sei der „einzige größere essbare Fisch, den es noch gibt im Wattenmeer vor Sylt“, teilte die Schutzstation Wattenmeer mit.  Plattfische kämen häufig als Beifang mit. Früher gab es auf Sylt  mehr Berufsfischer. Im Laufe der Jahrzehnte  habe sich die (Krabben-)Fischerei auf das Festland verlagert.  Die Berufsfischer fahren von  List und Hörnum. Bis zu drei Seemeilen vor Sylt dürfen nur Deutsche fischen –  im Bereich zwischen 3-12  Seemeilen  auch Dänen und Holländer.

Quelle: Schutzstation Wattenmeer, Rainer Borcherding

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