Sylter Geschichte : Sylts Erinnerungen an die rumänische Königin

Elisabeth von Rumänien (li.) alias Carmen Sylva vor der Villa Roth, in der sie 1888 logierte.
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Elisabeth von Rumänien (li.) alias Carmen Sylva vor der Villa Roth, in der sie 1888 logierte.

1888 sorgte die rumänische Königin Elisabeth auf Sylt für großen Wirbel. Am vergangenen Wochenende gab es eine Feier zu ihren Ehren.

Julia Lund von
22. Dezember 2014, 05:04 Uhr

Dass die Westerländer Elisabethstraße nach einer rumänischen Königin benannt ist, wissen auch manch alteingesessenen Sylter nicht: Elisabeth zu Wied, Ehefrau des rumänischen Königs Karl I., die auch unter ihrem Künstlernamen Carmen Sylva als Schriftstellerin und Dichterin tätig war, verband eine besondere Liebe zu Sylt und machte die Insel auch in Adelskreisen populär. Sie logierte 1888 im Gartenhaus der Villa Roth und sorgte mit ihrer Prominenz für großes Aufsehen auf der Insel.

Im heutigen Hotel Roth in der Strandstraße wurde am vergangenen Freitag an die Königin erinnert. Der rumänische Verteidigungsattaché in Berlin, Oberst i.G. Aurel Voiculescu und seine Frau Anca besuchten das Westerländer Hotel und wurden von Inhaber und Geschäftsführer Hayo Feikes feierlich begrüsst. Die Idee zu der Reise hatte Voiculescus langjähriger Freund Oberst a.D. Gerhard Schepe, der bei einem Sylt-Urlaub im vergangenen Sommer auf die Verbindung zwischen der rumänischen Königin und Sylt aufmerksam wurde. Bei einem detaillierten Vortrag erinnerte Hayo Feikes an den Einfluss, den die rumänische Königin auf die Insel hatte sowie den Einfluss, den die Insel auf die Königin und ihr schriftstellerisches Werk hatte.

Die Jahre vor ihrem Sylt-Aufenthalt verliefen für Elisabeth nicht ungetrübt. Für manche ihrer Aktivitäten auf der Insel mögen sie als Erklärungsschlüssel hilfreich sein: Krankheiten der Mutter, der frühe Tod ihres Bruders sowie der Scharlach-Tod ihrer vierjährigen Tochter nach dem Besuch eines rumänischen Waisenhauses prägten sie und bestimmten ihr späteres Handeln. „Den Tod ihrer geliebten Tochter,“ so heißt es, „überwand Elisabeth niemals vollständig, zumal sich ihre Wünsche nach einem weiteren Kind nicht erfüllten.“

Elisabeth aber entfaltete ungemein starke soziale und kulturelle Aktivitäten in dem rückständigen Balkanland. Besuche von Waisenhäusern und Schulen, die Einführung verbesserter Lehrbücher für den Unterricht oder die Pflege verwundeter Soldaten gehörten dazu. Das alles vermehrte ihr Ansehen und letztlich das des Königshauses.

Es verwundert daher nicht, wenn die rumänische Königin auf Sylt den Wunsch äußerte, ihr Strandzelt am „Haupttummelplatz der Jugend“ des Westerländer Strandes aufgestellt zu sehen. Sie wollte vom fröhlichen Kinderleben umgeben sein, ließ sich von den Kindern eine Strandkuhle ausbuddeln und sah sich, so die Sylter Rundschau vor vielen Jahrzehnten, bald umringt von einer Kinderschar, „der sie fragend, plaudernd, Märchen erzählend, bald ihre Aufmerksamkeit zuwandte,“ während die Kinder, „Kopf an Kopf ..einem atemlos lauschendem Auditorium“ glichen. Bei ihrer Abreise stiftete sie 1  000 Mark für eine Sylter Kinderheilstätte sowie für einen Gedenkstein auf dem Westerländer Friedhof der Heimatlosen. Er hat dort, inmitten von über 50 Holzkreuzen, noch heute seinen Platz.

Dass die rumänische Königin für so einen Wirbel auf der Insel sorgte, war auch dem rumänischen Verteidigungsattaché unbekannt, der den Empfang im Hotel Roth sichtlich genoss.

 

Den Gedenkstein, so versicherte er, wolle er unbedingt noch besuchen.
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