Bürgerentscheid : Sylts Bürger sollen die Halle 28 und das Englische Kino retten

Abriss oder Erhalt? Nach der Politik sollen jetzt die Bürger entscheiden, was künftig mit den Hallen 28 (vorne) und 25 geschieht.
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Abriss oder Erhalt? Nach der Politik sollen jetzt die Bürger entscheiden, was künftig mit den Hallen 28 (vorne) und 25 geschieht.

Lars Schmidt möchte seinen Bürgerentscheid zur Halle 28 demnächst starten.

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16. Juli 2015, 05:37 Uhr

Die Halle 28 auf dem Fliegerhorstgelände muss stehen bleiben, ebenso dürfen das Englische Kino sowie zwei weitere Hallen auf keinen Fall abgerissen werden. Das fordert Gemeindevertreter Lars Schmidt und das will er mit Hilfe der Unterschriften von mindestens 1160 Insulanern auch durchsetzen. Nach wie vor ist der Vorsitzende der Inselliste zukunft.sylt fest entschlossen, zwei Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen, um zu verhindern, was die Politik mit Mehrheit beschlossen hat: die so genannte Null-Lösung auf dem ehemaligen Militärflughafen mit dem Totalabrissen aller Gebäude bis Anfang 2018 und einer anschließenden Renaturierung (wir berichteten ausführlich).

Beim Bürgerbegehren Nummer Eins soll darüber abgestimmt werden, ob die derzeit für den Katastrophenschutz genutzte Halle 28 dauerhaft zur Nutzung durch Vereine und Organisationen erhalten bleiben und entsprechende Planungen auf den Weg gebracht werden sollen. Dazu hat Schmidt jetzt von Bürgermeister Nikolas Häckel die gesetzlich vorgeschriebene Kostenschätzung bekommen: Denn die Bürger müssen auch informiert werden, welche finanziellen Folgen eine mögliche Entscheidung für den Erhalt der Halle 28 hat. Als Erstes wäre eine Nachzahlung an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) fällig, falls nicht abgerissen und renaturiert wird. So steht es im Kaufvertrag aus dem Jahr 2008 zwischen dem Bund und der Gemeinde Sylt-Ost – Kosten: 190  000 Euro. Die komplette Instandsetzung der Halle würde satte zwei bis drei Millionen Euro kosten, hinzu käme zirka eine halbe Million für Straßenbau und -beleuchtung sowie für Ver- und Entsorgungsleitungen. „Das ist schon viel Geld“, muss auch Lars Schmidt zugeben. „Aber ich bezweifle, dass wir dafür an anderer Stelle eine vergleichbar große Halle bauen könnten, von möglichen Grundstückskosten mal ganz abgesehen.“ Allerdings ist der Bau einer neuen Katastrophenschutzhalle an einem zentralen Ort nur eine mögliche Option, die in Politik und Verwaltung diskutiert wird. Bürgermeister Häckel zum Beispiel sprach sich im Wahlkampf für eine Nutzung des Schulzentrums und die Anschaffung transportabler Rettungslogistik aus.

Die Kostenschätzung der Inselverwaltung zum Erhalt der Halle 28 haben auch die Sylter Christdemokraten bekommen. Mitte April hatte die CDU-Fraktion überraschend in der Gemeindevertretersitzung einen eigenen Antrag für einen Bürgerentscheid zur weiteren Nutzung als Katastrophenschutzhalle gestellt. Wie Schmidts Antrag wurde auch dieser jedoch von der Mehrheit aus SWG, SPD, SSW und Bündnis 90/Grüne abgelehnt. Ob die CDU noch immer selbst ein Bürgerbegehren auf den Weg bringt, bleibt unklar. „Wir werden das jetzt von allen Seiten prüfen: finanziell und auch rechtlich“, sagte Oliver Ewald auf Anfrage der Sylter Rundschau. Der Sylter CDU-Vorsitzende betonte erneut, seine Partei setze sich nur für einen Erhalt der Katastrophenschutzhalle ein. Allerdings erwarte er auch nicht zwei parallele Bürgerbegehren mit ähnlichen Zielen: „Das würde keinerlei Sinn machen – und das würde auch keiner verstehen.“

Mit Bürgerbegehren Nummer Zwei will Lars Schmidt den bevorstehenden Abriss des Englischen Kinos sowie der Hallen 44 und 25 verhindern. Für die ehemalige Kfz-Halle 44 könnte sich Lars Schmidt zum Beispiel eine Nutzung als Bürgerwerkstatt oder für kreativ-künstlerische Zwecke vorstellen. Die große Halle 25 mit dem auffälligen Runddach sei hervorragend für kulturelle Veranstaltungen geeignet. Auch könnte sie für Jugendangebote bei Schlechtwetter genutzt werden oder als eine Funsporthalle, die es auf der Insel ja immer noch nicht gebe. Auf jeden Fall solle es eine gemeinnützige Verwendung durch Sylter Vereine oder ähnliche Institutionen sein. Und das Kino sei allein schon wegen seiner historischen Bedeutung für die Insel erhaltenswert. „Das ist aber alles Zukunftsmusik“, sagt Lars Schmidt. Zunächst gehe es ihm darum, den Abriss des Englischen Kinos sowie der Hallen 25 und 44 zu verhindern und Planungsfreiheit für diese drei Objekte zu erhalten. Allerdings wären dann Nachzahlungen in Höhe von insgesamt 400  000 Euro an die BImA fällig, weil auch diese Gebäude nicht wie ursprünglich geplant abgerissen werden.

Beim Kino und der Kfz-Halle drängt jedoch die Zeit. Am heutigen Donnerstag endet die Ausschreibungsfrist für die Vergabe der Abrissarbeiten, bestätigte Ruth Weirup. Die zuständige Umweltamtschefin rechnet für Mitte August mit dem Anrollen der Bagger. Die erforderlichen 500  000 Euro seien ja durch den Beschluss der Gemeindevertreter im April bereits in den ersten Nachtragshaushalt 2015 eingestellt. Lars Schmidt muss sich also mit dem Sammeln der Unterschriften beeilen ...

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