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Germanys Next Topmodel : Sylterin bei GNTM: „Ich bin doch einfach nur Soraya“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Treffen mit der Sylter Kandidatin von Heidi Klums Casting-Show „Germanys next Topmodel – by Heidi Klum“.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 17:14 Uhr

Okay, ich gebe es zu: Auch ich gehöre zu den Frauen, die am Donnerstagabend gerne vor dem Fernseher sitzen und sich „Germanys next Topmodel - by Heidi Klum“ – in Fachkreisen kurz nur GNTM genannt – anschauen. Früher mit meinen beiden Töchtern als Alibi, denn Teenie-Mädels stellen die größte Zuschauerschaft dieser seit 2006 laufenden Pro-Sieben-Casting-Show – heute natürlich nur aus rein beruflichem Interesse, denn in dieser Staffel ist schließlich Soraya dabei. Die 17-Jährige Schülerin ist vor zwei Jahren mit ihrer Mutter nach Sylt gekommen und flimmerte jetzt als Kandidatin meiner Heimatinsel über die Mattscheibe.

Ich verfolge ihr Casting unter Tausenden junger Mädchen, die Auswahl durch Jurymitglied Michael Michalsky für sein Team „Diversity“, die Reise an Bord des Model- Schiffes, das gefürchtete Umstyling … Soraya kämpft sich von Runde zu Runde weiter, was mir auch die regelmäßig in der Redaktion eintreffenden Pressemitteilungen von Pro Sieben unter der Überschrift „Soraya aus Sylt“ bestätigen, doch gezeigt wird sie in den TV-Zusammenschnitten so gut wie gar nicht. Warum das so ist, erzählt sie mir bei einem Gespräch am Strand. Voll mit klischeehaften Vorurteilen über ein bildschönes, aber sicher ziemlich dämliches Casting -Mädel bin ich mit ihr verabredet.

Miriam und Carsten Köthe haben für R.SH auf Sylt das Treffen mit Soraya arrangiert.
Miriam und Carsten Köthe haben für R.SH das Treffen mit Soraya organisiert. Foto: Wiebke Stitz

Zweimal hat Soraya den Termin bereits verschoben, angeblich war sie auf Klassenfahrt und dann so krank, dass sie ins Krankenhaus musste. „Aha, das sind die ersten Starallüren!“ bin ich mir sicher. Auch damit liege ich falsch: Soraya und ihre Klassenkameraden haben sich in der Tat auf der Klassenfahrt mit einem Virus infiziert. Erst lag sie in Berlin, dann hier auf Sylt im Krankenhaus. Gleich zu Beginn erzählt Soraya, dass ihr dabei „etwas ziemlich Schräges passiert“ sei: Über Instagram versuchte schon lange ein vermeintlich junges Mädchen sich mit ihr auf Sylt zu verabreden. Jetzt, da sie auf der Insel zurück sei, könnte es ja klappen. Soraya antwortet, sie läge im Krankenhaus. Als dort ein fremder Mann plötzlich in ihrem Zimmer steht, erkennt sie, dass er hinter dem Account des jungen Mädchen steckt und sie verfolgt. Mir stockt der Atem, Soraya aber bleibt gelassen: „Mein Freund hat ihn sehr nachdrücklich aus dem Zimmer katapultiert“ erzählt sie leichtfüßig und damit scheint die Geschichte für sie abgehakt. Ich jedoch frage mich, wozu unberechenbare Fans noch in der Lage sind.

Es fällt leicht, mit Soraya ins Gespräch zu kommen. Bereitwillig antwortet sie auf meine Fragen, lacht, schüttelt die Haare und lässt keine Strategie oder Taktik in ihren Antworten erkennen. Sie präsentiert sich als ein überaus sympathisches und keinesfalls naives junges Mädchen. Sie weiß ganz genau, was sie sich mit der Teilnahme an der Sendung angetan hat und würde es nicht ohne Weiteres noch einmal machen. Vor einem Jahr gehörte sie noch zu den Mädchen, die sich von „Germanys next Topmodel – by Heidi Klum“ mit seinem schicken Modelbusiness, der Glitzerwelt der Promis und dem Vorteil des Berühmtseins faszinieren lassen. Heute kennt sie die andere Seite, ist und war Teil der Modelwelt und hat selbst einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Erkannt wird die Sylterin vor allem, wenn sie in großen Städten unterwegs ist, hier auf Sylt sei das Leben für sie noch am ruhigsten. „Die Fans rufen mir hinterher oder fotografieren mich heimlich beim Essen. Manche fangen sogar an zu weinen“, erzählt Soraya. „Das sollen sie gar nicht, ich bin doch einfach nur Soraya und ganz normal.“

Doch so einfach ist das eben nicht. Die Zahl ihrer Follower in den sozialen Netzwerken steigt zusehends. Eine der wichtigsten Messlatten für ihren aktuellen Marktwert, der gepflegt werden muss, wenn Soraya weiter „im business“ bleiben will. Nichts ist schnelllebiger als das Netz. Also dreht sie kleine Videos über sich und lädt sie hoch. „Das ist gar nicht so leicht, wie ich gedacht habe und kostet wirklich viel Zeit. Ich will meinen Fans ja auch nicht irgendetwas präsentieren“, gibt sie zu.

Gerade war sie beruflich auf dem Roten Teppich zur Premiere eines neuen Kinofilms in Berlin. Das gehört zu ihrem neuen Leben mit einem Management, das sie seit der Fernsehsendung betreut. Dann reist sie erneut in die Bundeshauptstadt, dieses Mal als Schülerin der 10. Klasse auf Abschlussfahrt. Ein großer Spagat, der viel mentale Stärke erfordert. „Meine Schulleiterin Frau Detlefsen hat mich von Anfang an unterstützt. Wenn ich mit GNTM unterwegs war, konnte ich die Klausuren vor- oder nachschreiben“ freut sie sich, dass die Schule ihr diese Fernseh- und Lebenserfahrung ermöglicht hat.

Wie haben ihre Mitschüler reagiert am ersten Schultag, nachdem sie die Sendung verlassen musste? „Der größte Neid“, erzählt sie nachdenklich, „ kommt nicht von meinen Feinden, sondern von meinen Freunden.“ Es ist ihr anzumerken, dass sie diese Erkenntnis trifft. „In der jetzigen Lebenssituation lernst Du wirklich zu erkennen, wer dein Freund ist und wer nicht.“

War das Zusammenleben mit den weiteren GNTM-Kandidatinnen dafür nicht schon ein gutes Training? Mit über 20 ehrgeizigen und zumeist älteren Konkurrentinnen Tag und Nacht zusammen zu sein? Das kann Soraya bestätigen. Sie berichtet, dass es ihr schwer gefallen sei, wochenlang auf Zeit für sich und ihre Privatsphäre zu verzichten. Viele Eindrücke, die man von den charakterlichen Stärken und Schwächen der Kandidatinnen als Zuschauer gewinnt, entsprächen auch ihrer Wahrnehmung. Natürlich gibt es sie, die Mädchen, die sich inszenieren, um Sendezeit zu bekommen. Gefühle werden kameragerecht ausgelebt, Lebensgeschichten mit emotionalisierenden Schwerpunkten versehen.

Mittlerweile hätte sie jedoch erkannt, dass eine Fernsehsendung ihrer eigenen Dramaturgie folgt: Der Fernsehzuschauer fiebert nur mit, wenn er immer neue Protagonistinnen erlebt. Fliegt eine Kandidatin dann mit dem mittlerweile legendären Satz „Heute habe ich kein Foto für Dich“ aus der Sendung, ist bereits für medialen Nachschub gesorgt.

Die Frage nach „Wie ist denn Heidi Klum?“ kann ich mir natürlich nicht verkneifen. Soraya lacht und klärt mich auf, dass das die Frage sei, die ihr am häufigsten gestellt würde. Ihre Antwort ist deshalb auch professionell und sehr erwachsen: „Heidi ist bei uns Mädchen, wenn die Kameras laufen. Ansonsten hat sie als Mutter von vier Kindern und gefragtes Model andere Dinge zu tun. Und das ist okay – Job ist eben Job und Privatleben Privatleben.“

Aha, denke ich – also keine Modelmama Heidi Klum wie gerne von Pro Sieben suggeriert. Die bräuchte ein Mädchen wie Soraya aber auch nicht, sie braucht ihre eigene Mutter und ihre Familie. Das sind die Menschen, die in ihrem Leben wichtig sind. Ihre beiden älteren Brüder leben in Essen. Sie waren es auch, die schon lange auf ihre kleine Schwester eingeredet haben, sich bei GNTM zu bewerben. „Schon als ich ganz klein war, haben sie gesagt, dass ich da mitmachen sollte,“ sagt Soraya erstaunt.

So schön wie sie nach außen wirkt, fand sie sich lange Zeit nämlich gar nicht. „Die Grundschulzeit war grausam, weil ich größer als die anderen Kinder war.“ „Giraffe“ sei noch der freundlichste Spitzname, den sie aus dieser Zeit erinnere. „In der sechsten Klasse war ich mit 1,80 Metern ausgewachsen und so groß wie meine Lehrer. Ich habe mich wirklich täglich gemessen und gehofft, dass ich nicht noch weiter gewachsen bin“, erzählt sie. Allerdings hätte es ohne ihre Länge auch keine Teilnahme bei GNTM gegeben, das Modelbusiness setzt eine Mindestgröße von 1,75 Meter voraus – je größer, um so besser.

Und was kommt jetzt? „Ich gebe mir nach meinem Schulabschluss ein Jahr Zeit, um mich weiter als Model auszuprobieren. Wenn das nicht klappt, mache ich etwas anderes. Früher wollte ich Tierärztin oder Rechtsanwältin werden – mal sehen, was jetzt kommt.“ Mit dieser Einstellung ist Soraya dann wieder ein ganz normales Mädchen, das nach der Schule ihren Weg ins Berufsleben sucht. Nur mit dem Unterschied, einen kleinen Umweg über das Modelbusiness zu machen.

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