Sylter Zeitreise durch alle Monate

Die vollbesetzte Promenade mit der alten Musikmuschel (links) im Jahr 1934.
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Die vollbesetzte Promenade mit der alten Musikmuschel (links) im Jahr 1934.

In Zusammenarbeit mit Dirk Jacobsen entstand der Kalender „Historisches Sylt“

Julia Lund von
22. November 2018, 11:40 Uhr

Betrachtet man die Facebookseite von Dirk Jacobsen ist es, als reise man in die Sylter Vergangenheit: Tanzlokale, Menschen, die lachend vor der alten Musikmuschel sitzen, ein nahezu unbebautes Sylt. Lange ist es her. Doch in 15 Bildern gelingt es dem Kalender „Historisches Sylt“, das Lebensgefühl vergangener Zeiten einzufangen.

Angefangen habe alles mit Bildern seiner Urgroßmutter sagt Jacobsen. „Ich habe die Bilder gesehen und konnte mich plötzlich wieder erinnern. Ja, stimmt, so sah es damals aus dachte ich.“ Daraufhin beschloss er auch andere Menschen an den alten Fotografien teilhaben zu lassen. „Ich wollte auch anderen die Möglichkeit geben sich zu erinnern. Erzählungen reichen oftmals nicht, man muss es vor sich sehen. “ Auch für die Nachwelt möchte er die Geschichte Sylts erhalten. „Ich wollte, dass meine Kinder wissen, wie es hier früher einmal ausgesehen hat.“

Mittlerweile ist Dirk Jacobsen im Besitz von etwa 150 000 Bildern. Leute, die seine Seite kennen, kommen auf ihn zu, bringen alte Familienalben und Fotografien vorbei. Viele seiner Bilder erwirbt er auch über Seiten wie Ebay, wo er ganze Alben und Dias ersteigert.


Keine Meer- oder Leuchtturmbilder

Claudia Telle wurde im Rahmen ihrer Arbeit für die Kalender Manufaktur in Verden auf Dirk Jacobsens Seite aufmerksam. Sie sei auf der Suche nach Bildern deutscher Inseln für einen historischen Kalender gewesen und die Facebookseite habe sie sofort begeistert. „Intuitiv habe ich mir die 15 spannendsten Motive ausgesucht und bei Herrn Jacobsen angefragt“, so Telle.

Der Kalender zeigt Alltagssituationen. Er zeigt die Menschen, das Leben auf der Insel. „Historisches Sylt“ öffnet und schließt mit alten Sylter Bauwerken und zeigt das Innere des Altfriesischen Hauses in Keitum und die Halle des legendären Tanzlokals „Trocadero“ mitsamt Einrichtung und Musikinstrumenten. Das Klappholttal ist mehrfach vertreten, unter anderem mit einer Fotografie der Inselbahnhaltestelle und den Menschen, die fröhlich ein- und aussteigen aus dem Jahr 1926. Ein beliebtes Motiv der 20er Jahre auf Sylt ist die Westerländer Strandstraße. Eine Fotografie zeigt die Straße belebt und beinahe überfüllt beim Festumzug zur Einweihung des Hindenburgdamms 1927. Des Weiteren ist das Friseurgeschäft Emil Gesing in der Strandstraße 4 zu sehen, vor dem zwei junge Männer stehe, die Arme hinter den Rücken verschränkt, in Anzug und weißen Kitteln. Ein weiteres Mal ist die Strandstraße im historischen Kalender vertreten, diesmal jedoch 20 Jahre früher. Die einzige bunte Aufnahme im Kalender, die um 1906 entstanden ist, zeigt einige spazierende Fußgänger.

Der Kalender macht seinem Namen zudem alle Ehre und zeigt historische Ereignisse wie den Bau des Hindenburgdamms und schließlich die erste Zugfahrt am 1. Juni 1927.

Der September zeigt eine weitere geschichtliche Besonderheit: Ein Foto des am 19. Oktober 1935 gestrandeten französischen Frachters „Adrar“, welcher weitere zehn Monate am Wennigstedter Strand lag , da er nicht freizubekommen war. Eine weitere Fotografie für den Monat Juni zeigt

Es ist ein etwas anderer Syltkalender – keine Sonnenuntergänge, Meer- oder Leuchtturmbilder. Eindrucksvoll und authentisch sind die Fotografien, die einen Einblick in die Vergangenen 100 Jahre der Geschichte Sylts gewähren, jedoch allemal.

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