zur Navigation springen

Verbindung Flensburg-Sylt : Sylter wollen keinen zweiten Autozug

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Den Vorschlag der Landesregierung, einen weiteren Sylt-Shuttle ab Flensburg einzurichten, bewerten viele Insulaner kritisch. Stattdessen kommt die Forderung nach schnelleren Personenzügen auf.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 05:20 Uhr

Braucht die Insel einen zweiten Autozug? Diese Frage beschäftigt viele Sylter, seit Verkehrsminister Reinhard Meyer am Montag angekündigt hatte, das Land Schleswig-Holstein erwäge, die Autozugverbindung für Mitbewerber der Deutschen Bahn zu öffnen und eine neue Linie auf den derzeit stillgelegten Gleisen zwischen Flensburg und Sylt auszuschreiben. Für Andreas Tietze, den Verkehrsexperten von Bündnis 90/Die Grünen, wäre eine Verladestation zum Beispiel am Autohof Harrislee direkt neben der Autobahn hoch attraktiv. So könnte noch mehr Pkw- und Lkw-Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert und die Nordseeinseln umweltfreundlich angebunden werden. Der Sylter Landtagsabgeordnete kritisiert allerdings, dass der Staatskonzern Deutsche Bahn zwar gerne die hohen Erlöse aus dem Transport von jährlich fast einer Million Autos einstreiche, aber zu wenig in die teils noch eingleisige Strecke nach Sylt investiert.

Der Sylter Tourismusdirektor Peter Douven dagegen kann sich für die Idee eines zweiten Autozuges überhaupt nicht begeistern: „Bei der spontanen Betrachtung habe ich das Gefühl, die Idee würde eher dem Land als der Insel dienen.“ Douven spielt damit darauf an, dass die Strecke gegebenenfalls gemeinsam mit der unrentablen Regionalverkehrsstrecke Hamburg-Westerland ausgeschrieben werden würde. Durch diese Kombination würden für das Land die Chancen steigen, dass es die Strecke Hamburg-Westerland nicht mehr so stark bezuschussen müsste.

Für die Insel selbst sieht der Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) durch einen weiteren Autozug keinen Vorteil. Aufgrund der gesunkenen Aufenthaltsdauer brauche die Insel zwar mehr Gäste – doch die sollten lieber mit dem Personenzug oder Flugzeug kommen, als mit dem Pkw: „Wir können nicht noch mehr Autos auf Sylt gebrauchen. Außerdem unterstelle ich, dass der zweite Autozug keinen Zeitvorteil für Reisende bietet.“ Stattdessen würde Douven es bevorzugen, wenn sich in Sachen schnellerer Erreichbarkeit etwas tut, also unter anderem schnellere Zugverbindungen von Hamburg nach Westerland fahren würden. Und natürlich wünscht sich der Tourismusdirektor, dass die Strecke endlich komplett zweigleisig befahrbar wäre. „Wegen der Eingleisigkeit müssen wir unter anderem die Hoffnung aufgeben, dass wir künftig zusätzliche IC-Verbindungen nach Sylt bekommen könnten. Denn die Kapazitäten auf der Strecke sind schlicht ausgereizt.“

Auch für Peter Schnittgard hat der zweigleisige Streckenausbau absolute Priorität: „Seit Jahren wundern wir uns, dass der Sylt-Shuttle bestimmt, wann wie viele Personenzüge fahren“, klagt der Sylter Bürgervorsteher. „Die ICs der Deutschen Bahn und die NOB hängen doch am Tropf des Autozuges, deshalb auch die vielen ärgerlichen Verspätungen.“ Die Vorschläge des Landes zur Regionalisierung der Bahnstrecke und zur Einrichtung einer zweiten Autozugverbindung seien lediglich Ablenkungsmanöver: „Auf der Strecke Hamburg-Westerland herrschen allerschlechteste Bedingungen für eine der wichtigsten Urlaubsdestinationen in Deutschland. Was wir wirklich brauchen, sind mehr Sprinter auf die Insel und von der Insel – mindestens vier am Tag“, fordert Schnittgard. Das Land und auch der Bund müssten Druck auf die Deutsche Bahn als Netzbetreiber ausüben, um die Anbindungsprobleme grundsätzlich zu lösen. „Zwei Sylt-Shuttle, die quasi nebeneinander fahren, braucht doch kein Mensch. Und die Flensburger werden sich bedanken, wenn sie noch mehr Staus in ihrer Umgebung haben“, so Schnittgard.

Zahlreiche Leser der Sylter Rundschau haben die Pläne des Landes ebenfalls kommentiert. Uwe Blunck zum Beispiel fragt, ob es in Kiel bekannt sei, dass viele Häuser direkt an der Strecke stehen und ob die Bewohner unter dem Bahnlärm leiden sollen wie Menschen am Rhein. Er schlägt vor, die Abfahrt der A7 zur B199 weiter auszubauen, damit der Verkehr schneller nach Niebüll fließt. Auf der Rundschau-Facebookseite sind die Nutzer gespalten: manche fordern eine Straße auf dem Hindenburgdamm, die allerdings mautpflichtigt und auch als Katastrophenweg nutzbar sein soll. Die meisten jedoch fürchten einen Anstieg des Autoverkehrs auf der Insel und plädieren, wie Douven und Schnittgard, für einen zweigleisigen Streckenausbau und schnellere Verbindungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen