Weinbau in Keitum : Sylter Winzer: „Wir bauen den nördlichsten Wein an“

Freuen sich über ihren „Sölviin“ – Olaf Klein, Jonny Kowasch, Alexander Sievers, Dieter Joost und H. Henning Lehmann (v.l.n.r.).
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Freuen sich über ihren „Sölviin“ – Olaf Klein, Jonny Kowasch, Alexander Sievers, Dieter Joost und H. Henning Lehmann (v.l.n.r.).

Von Jahr zu Jahr produzieren Hobbywinzer in Keitum höhere Erträge ihres Weißweins: Der Jahrgang 2014 ist erstmals auch im Handel erhältlich.

shz.de von
11. Juli 2015, 05:30 Uhr

Der Unterschied ist zwar klein, aber fein: Auf genau 54 Grad, 54 Minuten und 3 Sekunden nördlicher Breite liegt das Anbaugebiet der Sylter Weinbau GbR. „Eben diese drei Sekunden sind das Entscheidende. Denn dadurch ist unser Weinberg definitiv der Nördlichste in ganz Deutschland – und nicht der etwas weiter südlich des Mitbewerbers “, sagt Henning Lehmann. Der Sylter Hobbywinzer spielt damit auf die Tatsache an, dass sich links und rechts der Munkmarscher Chausee nahe der Kirche St. Severin zwei Areale befinden, auf denen vor sechs Jahren die ersten Rebstöcke gepflanzt wurden und seit 2012 Trauben zur Herstellung von Weißwein gelesen werden können. „Und auch wichtig: Unser Wein ist ein ehrliches Inselprodukt“, betont sein Kompagnon Olaf Klein, „von Syltern für Sylter.“

Als 2008 in Schleswig-Holstein auf landesweit zehn Hektar der Weinanbau genehmigt wurde, sicherten sich auch Architekt Lehmann und der Unternehmer Klein die Rechte für eine 7  000 Quadratmeter große Fläche in Keitum. Gemeinsam mit der damals im Fährhaus Munkmarsch tätigen Sommelière Birgitta Quendler gründeten sie ihre Sylter Weinbau GbR und begannen mit der ersten Pflanzung von 2  700 Reben schnell reifenden weißen Sorte Solaris: „Alles in Familienarbeit und mit Hilfe von Freunden“, erzählt Henning Lehmann. „Im Vordergrund stand und stehen Freude und Spaß – nicht etwa der Drang, schnell Geld damit zu verdienen.“ Aber die Neu-Weinbauern mussten hohe Investition in die Technik tätigen: In den Anfangsjahren wurde ein extra Bewässerungssystem mit eigenem Brunnen genutzt, gerade erst eine teure Netzanlage zum Schutz gegen Wildverbiss durch Kaninchen und Rehe, aber auch Rebhühner und Fasane aufgebaut. „Doch all die Mühe hat sich letztendlich gelohnt. Man muss nur, wie immer im Leben, etwas Geduld haben“, sagt Olaf Klein, dem das Grundstück gehört und der früher dort Galloway-Rinder gezüchtet hat.

Die Jahre 2011 und 2012 seien zwar noch „Lehrjahre“ gewesen mit bescheidenen Ausbeuten von zehn beziehungsweise knapp 70 Flaschen. „Das reichte mal gerade so für uns privat. Aber ein Jahr später waren wir bereits bei 120 Flaschen und die Weinlese des Jahrgangs 2014 hatte immerhin 480 als Ergebnis“, berichtet Klein. Davon gehe jetzt erstmalig auch ein Teil in den Vertrieb: 59,50 Euro je Flasche kostet der „Sölviin“ genannte Weißwein beim Kooperationspartner Wein-Heiliger. Für die Zukunft rechnen die Keitumer Weinbauern mit stabilen Erträgen von 2  000 bis 2  500 Flaschen je Jahr.

Wichtig ist den Winzern auch der konsequent ökologisch-nachhaltige Anbau ihres Sölviin: „In unseren Weinberg kommt gar kein Dünger, da wird nichts gespritzt“, betont Olaf Klein. Bereits bei der önologischer Begutachtung des für den Weinanbau vorgesehenen Areals habe man sich deshalb von Experten der renommierten Hochschule Geisenheim beraten lassen.

Damit der Wein aus Keitum die Bezeichnung „Schleswig-Holsteinischer Landwein“ tragen darf, muss zumindest ein Teil der Produktion auf der Insel erfolgen. „So sind nun mal die Spielregeln und die gesetzlichen Vorschriften“, erläutert Henning Lehmann. Deshalb wird die aus den Solaris-Trauben gewonnene Maische auf dem Ökobauernhof von Olaf Klein zirka sechs Wochen lang gekeltert und vergoren. Dann erst lassen die Winzer den wertvollen Traubensaft in das Weingut Jakobshof im rheinhessischen Hillesheim transportieren, wo der weitere Ausbau sowie die Abfüllung stattfinden.

Von der Qualität ihres Weins waren alle Mitstreiter des Projekts im nördlichsten Weinberg doch überrascht. „Dank 1  700 Sonnenstunden auf Sylt pro Jahr haben wir einen spritzigen Weißwein mit leichter Fruchtsüße, süffig und unkompliziert zu trinken“, freut sich Sommelière Birgitta Quendler. Der Sölviin habe eine zart duftige, blumige und leicht würzige Nase mit Aromen von grünem Apfel, Stachelbeere, gelber Pflaume, Kiwi und Limette. Er erinnere sie aber auch an typisch Sylter Düfte wie von saftig-grünem Gras und den Blüten von Pfingstrosen.




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