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Nördlichster Weinberg Deutschlands : Sylter Weinlese im goldenen Oktober

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit vielen Helfern ernteten Hobbywinzer den Jahrgang 2015 des „Sölviin“ auf dem nördlichsten Weinberg Deutschlands.

Bei wahrhaft goldenem Oktoberwetter fand am vergangenen Sonnabend die Lese der Trauben in Deutschlands nördlichstem Weinberg statt. Zahlreiche Erntehelfer waren nach Keitum gekommen, um die beiden Sylter Hobbywinzer Henning Lehmann und Olaf Klein tatkräftig bei ihrer mittlerweile fünften Weinlese zu unterstützen – darunter Verwandte, Freunde und sogar auch einige Urlaubsgäste, die über Facebook von dem für Norddeutschland noch immer außergewöhnlichen Event erfahren hatten.

2008 haben Architekt Lehmann und Unternehmer Klein gemeinsam mit der Sommelière Birgitta Quendler ihre Sylter Weinbau GbR gegründet und knapp 3  000 Rebstöcke der Weißwein-Sorte Solaris auf einer ehemaligen Ackerfläche gegenüber der Kirche St. Severin angepflanzt. Die ersten Erträge waren allerdings noch sehr bescheiden: „Das reichte mal gerade für den Hausgebrauch“, berichtet Henning Lehmann. „Aber wir haben es ja vor allem aus Spaß an der Sache gemacht.“

Im Lauf ihrer „Lehrjahre“ hat die Hobbywinzer jedoch der Ehrgeiz gepackt. Mit Stolz verweisen sie auf die zwar langsam, aber stetig steigende Ausbeute. „Ich ahne schon, dieses Jahr wird es viel besser“, sagte Olaf Klein zu Beginn der diesjährigen Weinlese. „Schätze, wir werden zirka ein Drittel mehr ernten als 2014.“ Der Hauptgrund dafür sei die Installation einer aufwändigen Netzanlage, durch die die Rebstöcke vor allem gegen den Westwind, aber auch gegen den Wildverbiss zum Beispiel von Kaninchen oder Fasanen geschützt sind.

Seit neun Uhr früh kämpften sich zirka 20 freiwillige Erntehelfer Reihe für Reihe durch die Rebstöcke auf der 7  000 Quadratmeter großen Fläche. „Das ist mal eine schöne Abwechslung zum Alltag der Büroarbeit“, berichtet Insulanerin Stefanie Schultz. „Aber man muss die grünen Beeren schon regelrecht suchen zwischen den grünen Blättern. Die hätten hier vielleicht lieber ’ne Rotweinsorte anpflanzen sollen. Dann wären die Trauben besser zu sehen.“

Während im Weinberg noch fleißig gelesen wird, hat Henning Lehmann in Westerland bereits seine Maschinen angeworfen: Die Trauben aus Keitum wandern zunächst in eine Abbeermaschine: Dort werden die Beeren von den Stielen getrennt. Anschließend wird die so genannte Maische mit einer Hydropresse entsaftet, der Most fließt in große Gärtanks und bleibt noch zirka sechs Wochen auf der Insel. „Das ist vorgeschrieben: Nur dann darf unser Sölviin die Bezeichnung Schleswig-Holsteinischer Landwein tragen“, erläutert Lehmann. Und der Wein darf einen Alkoholgehalt von 11,5 Volumen-Prozent nicht übersteigen. Dazu passen die gemessenen 76 Grad Oechsle der Lese 2015 perfekt: macht genau zehn Prozent Alkohol.

Bis in den späten Nachmittag läuft die Weinlese, erst nach 19 Uhr ist auch der letzte Tropfen aus den Trauben gepresst. Zeit für ein Fazit: „Unsere beiden Tanks sind voll. Es sind rund 850 Liter geworden“, freut sich Hobbywinzer Lehmann. „Zwar wird es noch Verluste durch die Filtration geben, aber ich rechne am Ende mit zirka 1  000 Flaschen Sölviin – mehr als doppelt so viel wie 2014.“

Kommenden Sonntag folgt Weinlese Nummer Zwei auf Sylt: Dann sind etwas weiter südlich in Keitum die Rebstockpächter des Weinguts Balthasar Ress unterwegs, um die Taruben für den dritten Jahrgang ihres Söl’ring zu ernten.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 05:40 Uhr

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