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Weinlese in Keitum : Sylter Wein wird jetzt vor Ort gekeltert

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Sonne verwöhnte diesen Sommer auch die Trauben vom Keitumer „Weinberg“ / Am Wochenende kommen die Rebstockpächter zur Lese

Der Sylter Ausnahmesommer 2014 hat nicht nur Urlauber und Einheimische glücklich gemacht, er hat mit sehr viel Sonne auch die Rebstöcke auf Deutschlands nördlichstem „Weinberg“ verwöhnt. Exakt 874 Sonnenstunden zählte der Infodienst WetterKontor von Anfang Juni bis gestern Nachmittag. Aber nur noch wenige Tage können die Trauben in der Inselwärme weiter wachsen, denn am 27. September findet bereits die Weinlese statt. Also zwei Wochen früher als im Vorjahr – Grund auch dafür: der Super-Sommer an der Küste macht es möglich. Viele der Rebstöckpächter sowie Freunde aus Sylt und dem restlichen Deutschland werden am Sonnabend nach Keitum kommen, um den zweiten Jahrgang des „Söl’ring“ zu ernten – so heißt der neue Sylter Wein des Hattenheimer Weinguts Balthasar Ress. „Das steht nicht nur für die traditionelle Sylter Sprache, sondern auch für die langjährige Verbundenheit unserer Rheingauer Winzerfamile mit der Insel“, sagt Christian Ress, der den Betrieb in der fünften Generation leitet.

Gemeinsam mit seinem Team pflanzte Ress 2009 am Breitengrad 55° im Ortsteil Keitum der frisch fusionierten Gemeinde Sylt eine 3 000 Quadratmeter große Rebfläche mit Solaris-Reben, die mittlerweile an Interessenten in ganz Deutschland verpachtet sind. Die Rebsorte, die speziell für kühlere Regionen geeignet ist, scheint sich auf dem Sylter Boden extrem wohl zu fühlen und entwickelt sich bei dem Inselklima hervorragend, erklärt Winzer Ress. „Bei unserer ersten Rebstockpächterlese in 2013 haben wir 800 Kilogramm reife gesunde Trauben ernten können. Das Mostgewicht lag über 80° Oechsle, wofür es im Rheingau die Bezeichnung Kabinett gegeben hätte.“ Weil die Sylter Trauben aber nicht in einem gesetzlich definierten Anbaugebiet gewachsen sind, konnte dies nicht auf dem Etikett deklariert werden. Außerdem durften die abgefüllten Flaschen sich lediglich Deutscher Wein nennen, da das Traubengut nach der Ernte in Keitum in das Stammhaus nach Hattenheim gebracht und dort gepresst, vinifiziert sowie abgefüllt wurde. Aber das soll dieses Jahr anders werden. Christian Ress hat auf dem Gänsehof der Familie Petersen in der Keitumer Koogstraße eine Kelterstation eingerichtet, die es erlaubt, das diesjährige Keitumer Lesegut auf der Insel zu keltern und auszubauen. „Dann haben wir auch das Recht, aufs Etikett Schleswig-Holsteinischer Landwein zu schreiben“, verkündet Winzer Ress.

Wie nach der ersten Lese erhalten die 555 Rebstöckpächter je eine Flasche des „Söl’ring“. Die restlichen Flaschen des frischen, fruchtigen Weißwein, der mit seinen grünen Aromen stark an einen Sauvignon Blanc erinnert, gehen an Käufer, die vorbestellt haben, an ausgewählte Restaurants in Norddeutschland sowie exklusiv in den Weinhandel des Keitumer Edeka-Marktes, der sich nur wenige hundert Meter entfernt vom Anbaugebiet befindet. Nur 709 Flaschen konnten 2013 abgefüllt werden – für den neuen Jahrgang rechnet Christian Ress jedoch mit mehr, auch wegen des Sylter Ausnahmesommers.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 06:00 Uhr

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