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Wasser aus der Inseltiefe : Sylter Trinkwasserversorger untersuchen die Süßwasserlinse

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für eine sichere, nachhaltige Versorgung der Insel Sylt mit Trinkwasser haben EVS und VEN ein gemeinsames Projekt gestartet

Wasser kommt aus dem Wasserhahn – diese einfache alltägliche Regel ist richtig, aber nur oberflächlich. Was eigentlich alles dahinter steckt, bis Trinkwasser aus den Hähnen kommt, das wissen die Fachleute der Energieversorgung Sylt (EVS) und der Ver- und Entsorgung Norddörfer GmbH (VEN).

Gemeinsam haben die beiden Unternehmen ein Projekt „Inselkern Sylt“ begonnen, das ein noch nachhaltigeres Grundwassermanagement ermöglichen soll. „Wir haben eine große Süßwasserlinse im Geestkern in der Inselmitte, aus der wir Grundwasser fördern“, erklärt Marek Zelezny, Geschäftsführer der EVS. Das Salzwasser, das die Insel Sylt umgibt, stehe in einer Art Gleichgewicht mit dem Süßwasser unter der Inselmitte. Nur wie stabil ist dieses für Sylt lebenswichtige Gleichgewicht? „Für die langfristige Versorgung sehen wir es gemeinsam mit der VEN als sehr wichtig an, den Verlauf der Salz- und Süßwasser-Grenze zu kennen und in den verschiedenen Bodentiefen zu beobachten“, so Marek Zelezny. Die Süßwasserlinse schwimmt aufgrund physikalischer Gegebenheiten auf dem Salzwasser. Jede Wasserförderung hat Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht unter der Insel. „Unser Ziel ist es, per Simulation zu ermitteln, was passiert, wenn beispielsweise noch ein zusätzlicher zu unseren 22 aktiven Brunnen in Betrieb genommen werden soll“, erläutert der EVS-Geschäftsführer. Klar zu sehen auf ersten Berechnungsschemata ist ein Anstieg des Salzwassers im Bereich der EVS- und VEN-Brunnen. „Wir wollen herausfinden, wieviel Wasser wir aus welchen Brunnen fördern können, ohne dass wir unser eigenes Grundwasser in Gefahr bringen“, ergänzt Björn Hansen , Geschäftsführer der VEN. Darüber hinaus sollen weitere potenzielle Gefahren erkannt und analysiert werden, um möglichen Problemen vorzubeugen. Der Grundwasservorrat sei ein Gut für ganz Sylt, das es sorgsam und nachhaltig zu bewirtschaften gelte.

„Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Unser Sylter Grundwasser ist nicht in Gefahr. Aber wir wollen es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass es möglicherweise einmal gefährdet sein könnte. Deshalb unser Engagement zum jetzigen Zeitpunkt, um Vorsorge treffen zu können, sollte es nötig sein“, so Marek Zelezny.

Warum die Süßwasserlinse so essenziell für Sylt ist, erklärt Karl Dettmar, Bereichsleiter Wasser bei der EVS: Die Insel hat keine Alternative was die Grundwasserversorgung angeht. Es gebe keinerlei Infrastruktur, um Wasser vom Festland nach Sylt zu transportieren. Selbst wenn es diese gebe, würde es vor allem in den Wintermonaten zu Problemen kommen. Dann wird deutlich weniger Wasser auf der Insel verbraucht als im Sommer, was dazu führen würde, dass das dann vom Festland aus kommende Wasser alt würde in den Leitungen. Die Möglichkeit eines Einbaus einer Meerwasserentsalzungsanlage ist für die EVS keine Lösung, denn: „Diese Anlagen sind unglaublich teuer und wahnsinnige Energiefresser“, so Karl Dettmar. Zudem gibt es Probleme bei der Entsorgung mit den dann entstehenden hochkonzentrierten Reststoffen.

22 Förderbrunnen werden von der EVS und der VEN im Modellgebiet genutzt. 16 davon fallen auf die EVS, 6 auf die VEN. Etwa 3 Millionen Kubikmeter Wasser werden jährlich gefördert: bis zu 600 000 Kubikmeter Wasser von der VEN, zirka 2,3 Millionen Kubikmeter von der EVS. Die Grundwasserentnahmen und die Neubildung wurden für das gesamte Modellgebiet – auch für die inselnahen Teile des Wattenmeers und des strandnahen Nordseebereichs berechnet. Zirka 12,7 Millionen Kubikmeter Wasser bilden sich rechnerisch im Modellgebiet pro Jahr durch Niederschlag neu, macht also ungefähr 9 Millionen Kubikmeter Wasser, die ungenutzt ins Meer fließen. Drei Millionen Kubikmeter Wasser die gebraucht werden, versus 12,7 Millionen Kubikmeter, die sich im Jahr neu bilden: Die Rechnung kann auch langfristig aufgehen, es ist nur eine Frage der Bewirtschaftung, so Karl Dettmar.

„Wir hoffen mit unserem Projekt Aufmerksamkeit auf das Allgemeingut Wasser zu lenken und ein Bewusstsein dafür schaffen“, betont Marek Zelezny. Die Insel sollte bei diesem Thema an einem Strang ziehen und an einem gemeinsamen Grundwassermanagement mitarbeiten.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 06:26 Uhr

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