Biikebrennen auf Sylt : Sylter Tradition wird Kulturerbe

Die Sylter Rundschau sucht Biike-Geschichten.
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Die Sylter Rundschau sucht Biike-Geschichten.

Das Biikebrennen wird in das national Verzeichnis "Immaterielles Kulturerbe" aufgenommen. In Schleswig-Holstein und vor allem auf Sylt ist die Freude groß.

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13. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Der Sächsische Knabenchor, das Köhlerhandwerk, die deutsche Brotkultur und das Biikebrennen haben seit gestern eine Gemeinsamkeit: Sie stehen im nationalen Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe der Unesco. Die Kultusministerkonferenz hat gestern gemeinsam mit der Bundesbeauftragten für Minderheiten und der Deutschen Unesco-Kommission erstmalig 27 Einträge in das Verzeichnis bekanntgegeben, darunter auch die Falknerei, der rheinische Karneval, die Morsetelegrafie oder die Walz. Das Verzeichnis soll von Jahr zu Jahr wachsen und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen.

Eingereicht wurde der Antrag, das Biikebrennen in die Liste der lebendigen Traditionen aufzunehmen, vom Friesenrat, der als offizielles Gremium gegenüber Kreis, Land, Bund und Europa als Vertreter der friesischen Minderheit auftritt. Seit 2012 läuft der Antrag und das Ergebnis wurde landesweit mit Spannung erwartet. Die Bekanntgabe der Entscheidung sorgte daher für Jubel in Schleswig-Holstein und vor allem auf Sylt, denn dort hat das heutige Biikebrennen seinen Ursprung. Nachdem das heidnische Fest in Vergessenheit geraten war, wurde es durch den Sylter Chronisten C.-P. Hansen wieder eingeführt.

Auf Sylt war man auch nicht ganz unbeteiligt an dem Antrag: „Unser Vorstandsmitglied Maren Jessen ist im Vorstand des Friesenrates“, erklärt Sven Lappoehn, Geschäftsführer des Sylter Vereins Söl’ring Foriining, „wir als Sylter freuen uns daher sehr, dass unser Brauchtum durch die Aufnahme so gestärkt und ausgezeichnet wird.“

Der Historiker Hartmut Schiller, Leiter der Sylter Akademie am Meer und durch ein eingebrachtes Gutachten laut Sven Lappoehn maßgeblich an der Aufnahme in das Verzeichnis beteiligt, zeigt sich glücklich über die Aufnahme, bezeichnet den Schritt jedoch nur als einen „kleinen Erfolg“ für Sylt: „Die Insel verliert immer mehr ihre Identität“, findet er, „sie schafft sich nach und nach ab. Für mich ist es daher sehr wichtig, etwas Echtes auf der Insel zu haben. Und die Biike ist echt. Es ist ein Brauch, der einfach syltspezifisch ist. “

Er erklärt den Stellenwert des Biikebrennens für die Insulaner: „Das Biikefest bedeutet den Menschen von der Insel sehr viel. Den alteingesessenen Insulanern wie den Syltern, die auf dem Festland leben: Vor allem die bekommen jedes Jahr am Biiketag Heimweh und wären gerne mit ihren Familien auf der Insel.“ Das kann auch Sven Lappoehn bestätigen: „Viele Exil-Insulaner kommen eher zum Biikebrennen wieder auf die Insel als zu Weihnachten oder zu Ostern.“

„Natürlich besuchen uns zum Biikebrennen auch jedes Jahr viele Gäste “, ergänzt Schiller, „leider ist es aber für viele Touristen einfach nur ein Event, bei dem man Grünkohl mit Schweinebacke essen kann.“ Er ärgert sich über die Ignoranz mancher Gäste: „Was dabei oft vergessen wird, ist die Tradition, der die Sylter über die letzen Jahrhunderte treu geblieben sind.“

Astrid Damerow, die minderheitenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion und der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland Ingbert Liebing begrüßen die Entscheidung: „Die heutige Aufnahme auf Initiative des Friesenrates ist eine großartige Anerkennung für alle Friesen“, erklären sie gemeinsam und Damerow ergänzt: „Es ist zudem ein schönes Geburtstagsgeschenk zum zehnjährigen Bestehen des Friesisch-Gesetzes am 13. Dezember, das die Rechte der friesischen Minderheit in ihrer kulturellen Entwicklung und dabei vor allem den Gebrauch der friesischen Sprache fördert.“ Auch der Vorsitzende des SSW im Landtag, Lars Harms, äußert sich erfreut: „Mit der Aufnahme des Biikefeuers in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ist es gelungen, dem friesischen Brauchtum einen bundesweiten Schub zu geben.“

Dass Sylt in der offiziellen Bekanntmachung nicht als Herkunft der Biike bezeichnet wird, findet Sven Lappoehn nicht weiter tragisch: „Sylt muss nicht immer im Mittelpunkt stehen“, erklärt er augenzwinkernd, „es ist doch trotzdem so, dass die meisten, die ‚Biike‘ hören, an die Insel denken. Das macht uns froh, stolz und glücklich.“

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