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Söl'ring Foriining : Sylter Trachten: Das vergessene Alleinstellungsmerkmal

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Trachtengruppe der Söl`ring Foriining feierte gestern in Morsum ihr 40-jähriges Jubiläum mit 120 Trachtenträgern anderer Vereine

Jedem Marketingprofi würden sich die Haare sträuben, wenn er sähe, wie auf Sylt mit einem echten insularen Alleinstellungsmerkmal umgegangen wird: Aufwendige, farbenfrohe Kleidung mit dem ein oder anderen Aha-Effekt, schmissige Musik und viel Sylter Tradition vereinigen sich in der Trachtengruppe der Söl`ring Foriining zu einem echten Sylter Original. Dennoch werden Brauchtum und Tradition auf der Insel meist belächelt, und in die eher verstaubte Ecke eingeordnet. Dabei erzählen Sylter Trachten und Tänze viel über die Geschichte der Menschen, die hier leben und lebten, und geben einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Bevölkerung. Ob eine Sylterin noch zu haben war und ob sich das Freien auch finanziell lohnte, konnte an ihrer Tracht sofort abgelesen werden. Spezielle Tänze wurden nur von Frauen getanzt, weil schon in grauer Vorzeit Männer auf der Insel Mangelware waren, wenn die Seefahrt rief.

Das sind Alleinstellungsmerkmale, die auch nach Ansicht von Bürgervorsteher Peter Schnittgard auf der Insel stärker betont werden sollten und damit bei der touristischen Vermarktung hilfreich sein könnten. Auch Jürgen Ingwersen, 1. Vorsitzender der Söl`ring Foriining, bescheinigte der Trachtengruppe auf der Insel eher ein Exotendasein und warnte davor, immer mehr in einer Einheitskultur unterzugehen.

Dem ungebrochenen Engagement einiger weniger Sylter ist es zu verdanken, dass Sylt überhaupt noch eine lebendige Trachtenkultur hat, die international als Inselbotschafter unterwegs ist. Reisen bis nach Jordanien sorgen dafür, Sylter Traditionen weltweit bekannter zu machen und für die Nordseeinsel zu werben.

Manfred und Heidemarie Holst sind seit 1975 die unbestrittenen Motoren dieser Initiative und werben unablässig für die friesische Kultur. Auf ihre Einladung hin kamen gestern in Morsum rund 120 Vertreter von Trachtengruppen aus verschiedenen Orten auf dem Festland, Pellworm und Hallig Hooge zusammen. In zumeist handgefertigten und aufwendig verzierten Festagstrachten erläuterten sie, welche Bedeutung die einzelnen Elemente ihrer Kleidung haben und zeigten dann die für ihre Region typischen Tänze.

Die Sylter waren dabei gleich mit zwei Trachten vertreten: die Rote aus dem 18. Jahrhundert und die blaue Tracht, die um 1930 auf Sylt entworfen wurde, sich aber nicht durchsetzen konnte. Nachdem in Morsum auf einem Dachboden eine rote Originaltracht gefunden wurde, war es möglich, diese nachzuarbeiten und die Trachtengruppe damit auszustatten. „Als wir damals begonnen haben, waren wir nur acht Leute“, berichtet Manfred Holst, „das lag vor allem daran, dass wir uns gar nicht mehr Trachten leisten konnten.“ Die Zahl der Mitglieder stieg in den darauf folgenden Jahren zwar an, sank dann aber auch wieder, weil die notwendige Werbung und Anerkennung in der Öffentlichkeit fehlten. Das kann auch Marie (13 Jahre) aus der Kindertrachtengruppe bestätigen. Sie tanzt seit neun Jahren und wird von ihren Klassenkameraden häufig belächelt: „So richtig cool finden sie das nicht was ich hier mache, aber sie wissen auch wenig über das Tanzen in der Trachtengruppe. Mir gefallen nicht nur die Kleidung, sondern auch die vielen Reisen und Ausflüge die wir gemeinsam machen.“ Ute Gölz leitet die Kindergruppe und freut sich über Zuwachs. „Wir proben zweimal im Monat. Sollten Kinder sich dazu entschließen bei uns mitzumachen, stellen wir ihnen die Tracht und übernehmen einen Großteil der Kosten, die ansonsten entstehen.“

Diese Nachwuchssorgen scheint es nicht bei allen Trachtengruppen zu geben. Eine erstaunlich große Zahl an Kindern und Jugendlichen zeigten in Morsum, wie viel Spaß sie an den traditionellen Tänzen haben.

 

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erstellt am 28.Sep.2015 | 04:30 Uhr

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