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Gebühren für Stellplätze? : Sylter Straßenhändler: Kunst oder Kommerz?

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Was ist Kunst? Damit muss sich das Sylter Ordnungsamt auseinander setzen: Weil sich Geschäftsleute über fliegende Händler beschweren, soll es neue Regeln geben.

Sylt | Ist das Kunst oder kostet das eine Sondernutzungsgebühr? Diese eher absurd anmutende Frage könnte für die Händler, die in der Westerländer Fußgängerzone (mehr oder weniger) selbst gestaltetes Kunsthandwerk verkaufen, im kommenden Jahr zum ernsten Thema werden.
Hintergrund: Beim Ordnungsamt der Gemeinde Sylt sind seit dem vergangenen Jahr vermehrt Beschwerden von Geschäftsleuten über die steigende Anzahl von Straßenhändlern eingegangen. Darauf wird im Amt reagiert: "Wir wollen die Situation in den Fußgängerzonen in diesem Jahr beobachten und dann entscheiden, ob wir neue Richtlinien für die Straßenhändler einführen", sagt Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt. Bisher wurden Künstler und Straßenhändler in der Fußgängerzone geduldet, "sie beleben das Straßenbild ja auch und sind eine gewisse touristische Attraktion." Deshalb habe die Gemeinde bisher auch kein Geld für das Aufstellen von Ständen und Ähnlichem verlangt, eine sogenannte Sondernutzungsgebühr.

Straßenmusik darf nicht verboten werden

Ob sich das nun zum kommenden Jahr ändert, sei noch nicht klar, so Gotthard. Zunächst wolle man sich genauer mit dem Thema Straßenkünstler und -händler auseinander setzen.
Bei den Überlegungen im Ordnungsamt spielt auch die Frage nach dem künstlerischen Wert der Waren eine Rolle: Straßenmusikern darf beispielsweise ein Konzert in der Fußgängerzone nicht verboten werden - das schreibt das Grundrecht der Kunstfreiheitsgarantie im Grundgesetz vor. In Westerland müssen sich Musiker lediglich an bestimmte Regeln halten, beispielsweise jede halbe Stunde ihren Standort wechseln. Übermäßig viele Beschwerden, so Gotthard, gebe es wegen der Musiker nicht.

Aquarellmaler - oder Händler?

Bei den Händlern, die selbst hergestellten Schmuck, Dekoartikel oder Gemälde verkaufen, werde die Definition schon schwieriger, findet Stephanie Schulz aus der Verkehrsabteilung der Verwaltung. Denn mit dieser Art von Kunst sei definitiv ein finanzielles Interesse verknüpft: "Das ist dann Ermessensfrage, für was wir eine Sondernutzungsgebühr erheben würden."
Dass sich ihre Situation in der Fußgängerzone künftig schwieriger gestalten könnte, hat sich auch bei den Händlern herum gesprochen: "Ich fände es schade, wenn wir Geld dafür zahlen müssten, dass wir hier stehen", sagt Ludwig Teuber, der seit 30 Jahren Aquarelle, Karikaturen und Porträts in der Fußgängerzone malt und verkauft. Wenn er als Künstler "wie ein Händler" behandelt würde, fände er das "nicht so gut". Er sei doch stadtbekannt, gehöre gewissermaßen zum Straßenbild, meint der 65-Jährige.
Jan Robin (43), der neben Teuber seit 20 Jahren selbst gemachte Deko aus Metall vertreibt, sieht das ähnlich: Zum einen sei es nicht klar, ob sich "Kunst" in der Friedrichstraße noch rentiere, wenn die "Künstler" eine Gebühr bezahlen müssten. Zum anderen "ist es völlig unnötig, wegen der maximal sechs Künstler in der Friedrichstraße etwas zu unternehmen. Im Vergleich zu südeuropäischen Ländern sind das hier doch wirklich wenige."

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erstellt am 15.Aug.2013 | 07:44 Uhr

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