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Sylter Rundschau

11. Dezember 2017 | 16:24 Uhr

Sylter Strandneurosen

vom

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Ort romantischer Einkehr und überlaufener Höllenpfuhl zugleich. Je nachdem zu welcher Jahreszeit man sich einem Sylter Strand nähert, zeigt er ein anderes Gesicht und beweist: Der Strand ist ein sympathischer Wendehals mit manchmal nur bedingtem Erholungswert. Der Grund hierfür ist simpel: Ob mit Kindern oder allein, ob mit üppiger oder kleiner Reisekasse - der Strand passt in jedes Ferienkonzept. Und gerade weil der Tag am Strand ein Alleskönner ist, ist er nicht selten schwer überlaufen. In solchen Fällen gilt es entweder einen längeren Fußmarsch in schwächer besiedelte Zonen der Küste einzulegen, oder sich eingeölt zwischen die anderen Sardinen zu zwängen. Die letztere Variante nagt erfahrungsgemäß am Erholungswert. Denn wo der Badegast in erster Linie Ruhe sucht, fliegen dann Frisbees, Fußbälle und manchmal auch Lenkdrachen auf gefährlicher Kopfhöhe. Kinder schreien, Kofferradios plärren und Jugendliche trainieren lautstark für die anstehende Bierolympiade.

Am Ende des schweißtreibenden Tages hilft allerdings weder Meckern noch Zetern. Stattdessen sollten wir uns vor Augen halten, dass die Insel von der schlimmsten Sorte deutscher Strandneurotiker in der Regel verschont wird: Die Rede ist von dem Typus "Eroberer". Dieser - in der Regel -männliche Badegast, verwechselt den Strandbesuch mit einer militärischen Operation und nimmt seinen sandigen Liegeplatz blitzartig in Besitz. Danach wird sein erobertes Stück Erholung gut sichtbar mit einer Mauer aus leeren Bierdosen, komplizierten Muschelmosaiken oder auch nur mit Stimmgewalt verteidigt. Glücklicherweise urlaubt diese Gattung lieber auf den Balearen. Und trotzdem wünschen sich viele die Zeiten zurück, als Playboys vom Format eines Gunter Sachs zwischen den Dünen sprichwörtlich und mit Stil die Puppen tanzen ließen. Aber auch die Periode nach der großen Gletscherschmelze vor rund 10 000 Jahren versprüht nach dieser Logik einigen Reiz - zumindest für diejenigen Gäste, die am Strand absolute Einsamkeit suchen.

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