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Kranke Seehunde : Sylter Seehundjäger unter Beschuss

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Föhrer Tierärztin kritisiert die Sylter Seehundjäger dafür, kranke Tiere am Strand zu erschießen.

von
erstellt am 05.02.2014 | 07:00 Uhr

Sylt/Föhr | Das Foto einer blutigen Spur im Sand und ein emotionaler Text sorgen momentan im Internet für Aufregung: Auf ihrer Facebookseite spricht die Robbenstation Föhr von „unhaltbaren Zuständen“ an den Sylter Stränden: „Dort werden junge Robben, scheinbar egal wie krank, in großer Zahl direkt vor Ort am Strand erschossen.“ Empörte Sylt-Urlauber hatten sich deswegen an die Robbenstation der Nachbarinsel gewandt. Die wird von der Föhrer Tierärztin Janine Bahr und ihrem Lebensgefährten betrieben. In einer Pressemitteilung kritisiert sie die in Schleswig-Holstein gängige Praxis, das vom Land beauftragte Seehundjäger über Leben oder Tod am Strand aufgefundener Seehunde entscheiden.

Gerade in den vergangenen Monaten wurden am Sylter Strand fast täglich lungenkranke Seehunde gefunden. Grund dafür ist laut Experten unter anderem, dass die Zahl der Seehunde in der Nordsee momentan auf einem Rekordhoch ist. Aufgefundene Tiere, die eine gute Überlebenschance haben, werden von den Seehundjägern in die Seehundstation nach Friedrichskoog gebracht, die anderen geschossen. Das findet Bahr von der Föhrer Robbenstation falsch: Viele der Tiere könnten ihrer Meinung nach wieder gesund gepflegt werden – „selbst Tiere, die zunächst einen schlechten gesundheitlichen Eindruck machen, erholen sich nach Erstversorgung und Behandlung sehr schnell. Eine Kurzbewertung am Strand durch einen Jäger ist da absolut unzureichend.“ Thomas Diedrichsen, einer der drei Sylter Seehundjäger, würde das gar nicht bestreiten: „Einige der Tiere könnte man sicher unter hohem Medikamenteneinsatz wieder fit kriegen. Aber das ist nicht Sinn der Sache: Das sind Wildtiere, deren Population nicht künstlich hochgehalten werden soll.“ Auch Ole Sieck, der auf Föhr als Seehundjäger arbeitet, sagt: „Wenn die Tiere nicht widerstandsfähig sind, schießen wir sie auf Föhr auch.“

Rückendeckung erhalten die Seehundjäger von der Nationalparkverwaltung im Landesbetrieb für Küstenschutz. Die geschossenen Tiere würden regelmäßig untersucht: „Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen treffen die Sylter Seehundjäger die richtigen Entscheidungen. Sie sind speziell von Tierärzten und Wissenschaftlern ausgebildet und bringen Naturschutzziele im Nationalpark mit dem Schutz des Individuums vor unnötigem Leiden in Einklang.“

In der aufgeheizten Netzdiskussion über die Sylter Seehunde kochen die Emotionen hoch: Während die eine Seite sich über die geschossenen Tiere empört und eine mediale Verschwörung wittert, die das Robben-Töten verschleiern will, sieht die Gegenseite in der Empörung von Janine Bahr und ihren Unterstützern einen perfiden Weg, Spendengelder für das Robbenzentrum zu erhalten.

Seehunde unterliegen in Schleswig-Holstein dem Landesjagdgesetz, sie dürfen nur von den rund 40 Seehundjägern aufgelesen oder geschossen werden, die einzig erlaubte Auffangstation ist die in Friedrichskoog. Offiziell darf Bahr als Tierärztin im Robbenzentrum Föhr lediglich die Erstversorgung der Tiere übernehmen, bevor sie nach Friedrichskoog gebracht werden. Rund sieben Tiere, sagt ihr Lebensgefährte, der sie in ihrer Arbeit unterstützt, habe man in diesem Jahr dorthin gebracht. Gelegentlich, sagt Seehundjäger Sieck, überleben die von Bahr „aufgepäppelten“ Tiere noch nicht einmal den Transport.

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