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Geburtshilfe auf Sylt : Sylter Schwangere werden öfter ausgeflogen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Anzahl schwangerer Frauen, die mit mit dem Rettungshubschrauber nach Flensburg ausgeflogen werden mussten, hat sich in 2014 verdoppelt.

Seit elf Monaten ist die Geburtenstation der Asklepios Nordseeklinik auf der Insel geschlossen. In diesen elf Monaten musste bereits doppelt so viele Schwangere mit dem Rettungshubschrauber von der Insel geflogen werden wie im gesamten Jahr 2013.

Von den insgesamt zehn schwangeren Frauen, die in den vergangenen Monaten mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden mussten, hätten fünf auch vor der Schließung der Geburtenstation nicht auf der Insel entbinden können, betont Klinik-Sprecherin Mirjam Kretschmer und fügt hinzu: „Die fünf Frauen die zusätzlich ausgeflogen wurden, waren Frauen, die nach der bestehenden Regel eigentlich gar nicht auf der Insel hätten sein sollen.“ Mit der „bestehenden Regel“ meint Kretschmer die Empfehlung der Ärzte, zehn Tage vor dem Stichtag aufs Festland in eines der Boardinghäuser zu gehen.

Für die Sylter Hebamme Cornelia Bäcker kommt die doppelte Anzahl der Rettungsflüge nicht überraschend: „Das war vorherzusehen“, sagt sie, „eine schwangere Insulanerin, die einen berufstätigen Mann und noch drei Kinder hat, kann es sich oft nicht leisten, zwei Wochen vor dem Geburtstermin von der Insel zu gehen. Da ist es klar, dass der Hubschrauber öfter ausrücken muss.“

Die Sylter Hebamme Anke Bertram warnte bereits im Januar vor negativen Folgen der Rettungsflüge für Schwangere: Der Transport bedeute nicht nur erheblichen Stress für die Mutter, sondern auch für das ungeborene Kind. Die Botenstoffe, die die Kinder über das Blut der Mutter in diesen Stress-Situationen bekämen, könnten „böse Folgen“ haben, erklärte die Hebamme.

Professor Ulf Linstedt ist Chefarzt für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Diakonistenkrankenhaus (Diako) in Flensburg und bereits seit vielen Jahren Notarzt auf Rettungsflügen. Er ist regelmäßig auf der Strecke zwischen Sylt und Flensburg im Einsatz. Die Schließung der Geburtenstation auf Sylt bedaure er, sagt der Mediziner. Er betont aber gleichzeitig, dass die Hubschraubereinsätze bisher gut funktioniert haben: „Was wir natürlich verhindern wollen ist, dass die Kinder auf der Straße zur Welt kommen, das ist zum Glück aber auch noch nie passiert“. Er kann Anke Betrams Bedenken nicht bestätigen: „Ich habe noch nie erlebt, dass der Transport mit dem Hubschrauber für eine Frau einen starken psychischen Stress darstellt. Viele sind aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme froh, dass sie geflogen werden und manche, denen es gesundheitlich nicht ganz schlecht geht, können den Flug sogar richtig genießen“, erzählt er. Er empfiehlt den Frauen dennoch, rechtzeitig vor der Geburt in eine Klinik mit Geburtenstation zu kommen, „dann gäbe es auch nicht so viele Einsätze des Rettungshubschraubers.“

 

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erstellt am 28.Nov.2014 | 05:10 Uhr

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