Umweltschutz : Sylter Schüler kämpfen gegen Plastikmüll

Die Plastik Crew mit den Lehrern Angela Denker (l.) und André Querbach (r.) bei ihrem Ausflug nach Helgoland.
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Die Plastik Crew mit den Lehrern Angela Denker (l.) und André Querbach (r.) bei ihrem Ausflug nach Helgoland.

Die Plastik Crew des Westerländer Schulzentrums setzt sich mit verschiedenen Aktionen gegen den Zivilisationsmüll und für die Weltmeere ein

shz.de von
21. Juli 2018, 05:06 Uhr

Etwa 70 Prozent unserer gesamten Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Doch der schreckliche Fakt ist, dass wir alle unsere Gewässer verschmutzen – vor allem durch Plastikmüll. Viele Menschen fragen sich, wie sie die Konsequenzen wieder in Ordnung bringen können. Wir von der Plastik Crew auf Sylt sind zehn bis zwölf Klassen verschiedener Altersgruppen, die dem Müll den Kampf angesagt haben.

Die Plastik Crew existiert seit knapp zwei Jahren und wird von meinem Biolehrer Herrn André Querbach geleitet. Ursprünglich kommt er aus dem Naturschutz. Nun als Lehrer widmet er sich ebenfalls sehr ehrgeizig unserer Nationalpark-Schule und der Plastik Crew.

Ursprünglich war die Plastik Crew ein Klassenprojekt der damaligen 9f des Gymnasiums Sylt. Die Schüler wollten sich bei einem Projekt anmelden, welches die Kieler Forschungswerkstatt 2015 veranstaltet hatte. Dabei ging es darum zu schauen, wo an deutschen und chilenischen Küsten das meiste Vorkommen von Plastikmüll herrscht und eben dieses genauer zu erforschen. Nachdem dies leider gescheitert war, beschlossen sie den Plan und Aufbau einer eigenständigen Gruppe zu verfolgen. „Wir haben die Chance gesehen, unser Verhalten gegenüber der Umwelt zu ändern und vor allem zu bessern. Mit der Plastik Crew möchten wir nicht nur die Meere und das Land von der stetigen Belastung durch Chemikalien oder Müll bewahren, sondern auch vor allem andere Menschen auf die Probleme aufmerksam machen und versuchen, unser aller Bewusstsein, der Umwelt betreffend, zu erweitern.“ Das sagten Paul Struwe und Paula Horn, als ich sie fragte, weshalb sie Mitglieder der Plastik Crew sind und sie so unterstützen.

Heute treffen wir uns alle jeden Freitag in der 8. Schulstunde, um die nächsten Sammelaktionen zu planen, über bevorstehende Wettbewerbe zu reden, bei denen wir als Gruppe Beiträge zum Thema „Die Verschmutzung der Meere durch Plastik“ einreichen. Die Sammelaktionen finden meistens an den Stränden der Insel statt, beispielsweise am Strandabschnitt der Tetrapoden in Westerland an der Promenade. Eine weitere wichtige Sammelaktion ist der „International Coastal Cleanup Day“, der jedes Jahr am dritten September-Wochenende stattfindet und bei dem sich Tausende von Menschen auf jedem Kontinent zusammenfinden und ihre Strände vom Abfall befreien. Dieses Jahr ist dieser Tag am 15. September 2018 und wir werden wieder dabei sein.

Die Trashbusters sind ein Wettbewerb der NAJU, bei dem sich mehrere Kinder und Jugendliche zusammentun, um Land und Meer, von primär Plastikmüll, zu säubern. Die NAJU ist die Jugendabteilung des NABU, dem Naturschutzbund Deutschland. Bei diesem Wettbewerb, der jedes Jahr rund um den International Coastal Cleanup Day stattfindet, haben wir 2016 den ersten Platz belegt und T-Shirts mit dem Aufdruck „Gewässerretter“ und „Trashbusters“ gewonnen.

Jeder in der Plastik Crew hat das Ziel vor Augen, nicht nur ganz stumpf den Müll anderer Leute wezuräumen, sondern an den Kern der Verschmutzung heranzugehen und sich zu fragen: Wie kann solch eine enorme Menge an Plastikmüll überhaupt erst in die Meere gelangen? Eben dies ist ebenfalls ein Grund für Berit von Reusner, sich für und mit den anderen zu engagieren: „Ich finde es wichtig, dass gerade wir jungen Leute uns des Ausmaßes der Verschmutzung bewusst sind. Wir Schüler haben einen größeren Einfluss auf das, was die Zukunft noch mit sich bringt.“ Ein weiteres Mitglied der Gruppe ist Laurin Ressel, der mit zu den Gründern der Plastik Crew zählt: „Ich surfe schon seitdem ich sieben Jahre alt bin. Somit hat das Meer eine andere Bedeutung für mich als vielleicht für andere. Es ist wie mein zweites Zuhause und deshalb finde ich es schlimm, mitanzusehen, wie eben dieses immer mehr durch uns verdreckt wird.“

Ich selbst habe mich ebenfalls aus dem Grund der Nachhaltigkeit dazu entschlossen, der Plastik Crew beizutreten. Meiner Meinung nach gehen wir alle sehr schlecht mit der Umwelt um und sind auch oft der Meinung, dass ein einzelner doch nichts an unserer jetzigen Lage ändern kann. Es ist schade mitansehen zu müssen, wie einige Menschen ihren Müll am Strand liegen lassen oder zu sehen, was aus den Meeren angespült wird. Die Müllteppiche in den Ozeanen wachsen stetig an, da sich der Müll, den wir in die Meere kippen, nur sehr langsam abbaut. An diesem Müll, der aus Dingen wie Plastikflaschen, unzähligen Tüten oder Fischernetzen besteht, verenden enorme Mengen an Tieren, indem sie sich in eben diesen Teilen verfangen und ersticken oder sie halten die Plastikteile für Nahrung und verschlucken sie. Im Endeffekt sterben und verhungern die Tiere mit vollem Magen.

Um uns darüber bewusst zu werden, wie belastet unsere Umwelt eigentlich ist, sind wir vom 2. bis zum 4. Mai alle zusammen auf die Hochseeinsel Helgoland gefahren, um dort im Schülerlabor des Alfred-Wegener-Institutes die Strände nach Mikroplastik zu untersuchen. Wir verteilten uns auf die verschiedenen Strände der Insel und suchten, nach dem Prinzip OSPAR, nach Plastik im Sand. OSPAR steht für Oslo- und Paris-Konvention, welches eine Methode zur Reinigung der Strände ist. Die Ergebnisse unserer Proben waren einige Einzelteile von Styropor und Plastik, aber auch Makroplastik, wie Fischereinetze und Teile von Angelschnüren und unter anderem auch ein paar Deckel und Verschlüsse. Alles in allem sind die Strände auf Helgoland jedoch um einiges sauberer als auf Sylt, was uns allen zu denken gegeben hat.

Jedoch sollte man auch beachten, dass auf Helgoland nur sehr wenige Autos fahren und die Insel früher im zweiten Weltkrieg zur Sprengung von Bunkern diente, weshalb wir dort auch relativ viel Bauschutt gefunden haben, von dem uns aber gesagt wurde, dass wir ihn nicht mit in unsere Analyse zählen sollten. Desweiteren haben wir auf Helgoland eine Vogelwarte besucht, welche die unterschiedlichsten Vögel pflegt und mit Vogelbändern beringt, sodass die Flugrouten der Tiere beobachtet, dokumentiert und wie in unserem Fall, interessierten Schülern auch gezeigt werden können. Nachdem wir eine Führung durch das Institut bekommen haben, wurde uns die „Lange Anna“ gezeigt, auf der wir die Chance hatten, unzählige Vögel, wie Basstölpel, Trottellummen und Eissturmvögel aus nächster Nähe, zu betrachten. Ein weiteres Highlight unseres kurzen Ausflugs war die Fahrt zur naheliegenden Düne, auf der wir uns Kegelrobben angeschaut und unseren letzten Abend alle zusammen verbracht haben. Und obwohl wir jeden Tag mit etwas neuem beschäftigt waren, haben wir unsere Tage mit einer Runde Activity, einem schönen Spaziergang am Strand oder im Ort, ausklingen lassen.

Da es uns allen so gut auf Helgoland, mitsamt den wichtigen und interessanten Themen, gefallen hat, werden wir nächstes Jahr der Hochseeinsel wieder einen Besuch abstatten.

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