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Goldene Service-Oase : Sylter Sansibar ist ausgezeichnet

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das bundesweit bekannte Kult-Restaurant Sansibar wurde mit dem Titel „Service-Oase in Gold“ ausgezeichnet. Der Weg dahin war nicht leicht.

Manche Phänomene lassen sich nicht erklären. Macht nix. Hauptsache sie sind eine zuverlässige Erscheinung. So ist es mit Deutschlands berühmtester Holzhütte in den Sylter Dünen, mit dem Restaurant Sansibar. Bis auf Heiligabend ist das 120-Plätze-Haus (draußen nicht gerechnet) täglich geöffnet - und immer(!) gut besucht, ja, meistens so voll, dass man ohne Reservierung keinen Platz bekommt.

Warum das so ist, gehört zu den unerklärlichen Phänomenen – und doch wiederum nicht. Denn das Sylter Kult-Restaurant ist nicht vom Himmel gefallen und kein Naturphänomen. Es wurde von einem Mann erschaffen, der sich nicht vorstellen konnte, einmal als Gastronom einen solchen Erfolg und Bekanntheitsgrad zu haben, wie er ihn heute besitzt. Herbert Seckler ist das Phänomen. Er kommt zwar aus Schwaben, aber irgendwie scheint ihn der Himmel geschickt zu haben, um Sylt mit einem Menschen zu beglücken, der der Insel und ihren Gästen etwas Guten auf die Tische bringen wollte, um ihre Herzen zu erwärmen, ihre Stimmung aufzuhellen.

Das hat gedauert, bis alle das gemerkt haben. Dem gelernten Koch und seiner Frau Helga, die zuvor als Schauspielerin gearbeitet hatte, schickte das Schicksal einige Herausforderungen (blöde Gäste, harte Arbeit, Brände, die mühsam Aufgebautes vernichteten, finanzielle Sorgen). Aber wen den Götter lieben, dem geben sie immer wieder eine Chance. Herbert und Helga ergriffen sie stets auf Neue, bis die Menschen kamen, die überzeugt waren, in Mitten der Rantumer Dünen, in einer kleinen Bretterbude etwas Phänomenales zu genießen, was sie sehr zu schätzen wussten: Gastfreundschaft und gutes Essen in einer Atmosphäre natürlicher Entspanntheit. So hatten sie sich das unkomplizierte Leben am Strand vorgestellt. Und so einfach kann es sein, Menschen glücklich zu machen. Das Phänomen ist, dass es viele wollen, aber nur wenige schaffen. Also muss es doch ein Konzept geben, mit dem Herbert Seckler seinen Erfolg begründet hat.

„Ganz ehrlich, ich hab' kein Konzept und ich hatte auch nie eines, aber einen Menschen, der immer an mich und unser Restaurant geglaubt hat: meine Frau Helga“, erzählt Herbert Seckler. Wir sitzen an der Ecke einer der Holztische der Sansibar, die lediglich mit frischen weißen, einfach zusammengelegten Stoffservietten und einem poliertem Weinglas pro Platz eingedeckt sind. Das Restaurant ist bis auf den letzten Stuhl oder Bankplatz - innen wie außen - mit Menschen besetzt, die sich trotz der Fülle hier pudelwohl zu fühlen scheinen. Mittendrin bannen sich vorwiegend sehr junge, lässig, gepflegt und sympathisch erscheinende Menschen mit Schüsseln, Tellern oder riesigen Tabletts, mit Weinflaschen oder Biergläsern, mit Champagner-Kübeln oder Sushi-Arrangements ihren Weg zu den Gästen.

So wie sie sich souverän bewegen, wie leichtfüßig, gut gelaunt und cool gekleidet sie als fast unauffälliger Service an den Tischen agieren, wie kompetent sie über das Getränke- und Speiseangebot der Sansibar Auskunft geben können, die oft sehr komplexen Bestellungen registrieren, lässt manchen Beobachter der Szene zumindest staunen, vor allem aber erfreut es, macht einen Teil der Atmosphäre aus, für die die Sansibar berühmt ist, ja sich zum Synonym für den Sylter Way of Life entwickelt hat.

Der Kreditkartenanbieter American Express lässt seit 2005 bundesweit die Restaurantgäste darüber abstimmen, welches Haus „nachhaltig in Erinnerung geblieben ist“, weil dort „neben der Qualität der Speisen die Aufmerksamkeit, Beratung und Freundlichkeit der Servicekräfte einen kulinarischen Ausflug zu einem echten Highlight gemacht haben“. Mit der Sansibar wird erstmals ein gastronomischer Betrieb nördlich von Hamburg mit der Ehrung „Service-Oase in Gold“ ausgezeichnet. Nach Angaben von American Express haben sich deutschlandweit „tausende Restaurantgäste“ per Online-Voting an der Abstimmung um die bereits zum sechsten Mal vergebene Auszeichnung beteiligt, die als „fest etablierter Publikumspreis in der Gastronomiebranche“ gilt.

Die Branche leidet allerdings seit Jahren unter einem gravierenden Personalmangel gerade im Servicebereich. Das Problem hat Herbert Seckler nicht. Seines ist eher, „ob die jungen Menschen, die sich bei uns bewerben, zu uns passen, ob sie sehr belastbar und freundlich sind“. Um das erkennen zu können, arbeiten die Bewerber erstmal ein paar Tage zur Probe - unter den wachsamen Augen des Chefs, der schnell „an der Art wie sich jemand bewegt, wie er schaut und auf die Gäste zugeht“, erkennt, „ob sie oder er ins Team passt“.

Da ist zum Beispiel Anna. Die 20-Jährige ist seit dem 1. Mai im Service der Sansibar. Typus schlanke Blondine mit gewinnender Ausstrahlung. Seckler bittet die junge Frau kurz an unseren Tisch, damit sie von ihrem Start in der Sansibar erzählt. „Herbert hat mich am zweiten Tag zum Gespräch gerufen und mir gesagt, dass ich immer so traurig gucke und wollte wissen, was los ist“, erzählt Anna mit so viel überzeugend guter Laune, dass man gar nicht glauben mag, dass sie „durch den Laden gelaufen ist, als hätte man ihr das Brot geklaut“, wie Herbert Seckler es beschreibt. „Ich war so konzentriert, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie ich schaue“, erklärt die gelernte Restaurantfachfrau, die bisher in Sankt Moritz im legendären Dracula-Club gearbeitet hat, „und jetzt mal sehen will, wie es in der Sansibar läuft. Ich glaub aber, dass ich bleib, mir gefällt es sehr gut“.

Viele der Sansibar-Service-Mitarbeiter sind schon viele Jahre in dem Restaurant, „weil es hier trotz Stress und harter Arbeit immer noch Spaß macht“, begründet zum Beispiel Maik, der seit über 14 Jahren zur Sansibar-Stammbesetzung zählt, seinen „Stolz, hier dazu zugehören“. Neben der „echt guten Bezahlung“, findet Maik (51) „auch viele Gäste nett und interessant“ und hält „Herbert einfach für einen feinen Kerl“.

Mit mindestens 35 Frauen und Männern, viele Fachkräfte, aber auch Quereinsteiger, agiert der Service der Sansibar, um die Qualität bieten zu können, für die „Hütte“ nicht erst durch die aktuelle Auszeichnung bekannt ist. „Wir haben immer ein paar Leute mehr, um klar zu kommen. Schau dich um, wenn du hier nicht genügend gute Servicekräfte hast, gehst du unter.“ So selbstverständlich und locker sich das anhört, so erbarmungslos kann das Geschäft sein. „Ja“, bestätigt Herbert Seckler, „es ist brutal“. Vielleicht ist das das Phänomen, dass man das niemandem in der Sansibar anmerkt...

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erstellt am 02.Jun.2016 | 06:10 Uhr

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