Silberschatz : Sylter Prunkstück bleibt auf der Insel

Präsentierten den Sylter Silberschatz in Schleswig: Claus von Carnap-Bornheim, der Leiter des Archäologischen Landesamtes, und Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien
Präsentierten den Sylter Silberschatz in Schleswig: Claus von Carnap-Bornheim, der Leiter des Archäologischen Landesamtes, und Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien

Eine Ringfibel ist der wertvollste Fund des Silberschatzes aus der Wikingerzeit / Der Gewandschmuck soll künftig im Heimatmuseum ausgestellt werden

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27. September 2017, 04:37 Uhr

„Sensationsfund auf Sylt“, „Silberschatz aus Wikingerzeit entdeckt“, „Eine Sternstunde der Archäologie“ – deutschlandweit berichteten Medien am Montag über die Präsentation von 180 Schmuckstücken, Münzen und Barren aus Silber, die größtenteils im Sommer dieses Jahres in Morsum aus dem Boden geholt wurden. „Das ist einer der größten Silberschatzfunde aus Schleswig-Holstein überhaupt“, sagte der Leiter des Archäologischen Landesamtes, Claus von Carnap-Bornheim. Auffälligstes Fundstück ist eine kunstvoll gearbeitete „Ringfibel“. Der am Gewand getragene Schmuck verfügt über drei goldene Kugeln, die mythologische Verzierungen in Form von Drachen tragen. Allerdings hatte ein Landwirt dieses wertvolle Stück bereits Anfang der 60er Jahre in seinem Acker auf Nösse entdeckt. Bekannt wurde der Fund aber erst 2015, nachdem die Familie den Schmuck ihrem Hausarzt für dessen langjährige Dienste vermacht hatte.

Die über 1000 Jahre alten Fundstücke sollen künftig in einer neuen Dauerausstellung auf Schloss Gottorf zu sehen sein. Der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, sagte der Leiter des Archäologischen Landesamtes. Das würde sicher noch einige Jahre dauern, weil zunächst ein „Masterplan“ für eine permanente Präsentation aufgestellt werden müsse. Deshalb würde der Sylter Silberschatz bis dahin im Fundus aufbewahrt und wissenschaftlich bearbeitet. Dies gelte jedoch nicht für die Ringfibel, betonte Carnap-Bornheim auf Anfrage der Sylter Rundschau. Denn der Arzt als rechtmäßiger Besitzer habe zwar einen notariell beglaubigten Schenkungsvertrag mit der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen abgeschlossen, darin sei aber ausdrücklich vereinbart, dass dieses historische Prunkstück auf der Insel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. „Man muss die Funde also getrennt betrachten“, so der Leiter des Archäologischen Landesamtes. „Bei der Ringfibel sind wir außen vor, alles andere ist Eigentum des Landes Schleswig-Holstein.“

Damit kann die Ringfibel wie ursprünglich geplant im Keitumer Heimatmuseum ausgestellt werden. Und unter Umständen sogar noch mehr: Claus von Carnap-Bornheim erachtet es „durchaus als möglich“, auch weitere Fundstücke wie die dazugehörige Verschlussnadel sowie Ringe und Münzen aus der Wikingerzeit zumindest zeitweilig für eine Ausstellung auf der Insel zur Verfügung zu stellen – allerdings nur unter zwei wesentlichen Voraussetzungen. „Es muss natürlich die Sicherheit dieser wertvollen Exponate gewährleistet sein und es muss gewährleistet sein, dass die klimatischen Voraussetzungen gegeben sind. Dafür gibt es bestimmte Standards des Landes“, so Carnap-Bornheim. Würden diese eingehalten, stehe einer Präsentation des Silberschatzes auf Sylt nichts entgegen: „Das kann, das muss aber nicht zwangsläufig im Heimatmuseum sein, sondern an jeder geeigneten Stelle auf der Insel.“ Gespräche darüber gäbe es bisher allerdings nicht: „Die Initiative dazu muss von Sylt ausgehen“, sagte der Gottorfer Museumschef.

Alexander Römer setzt jetzt auf die Spendenbereitschaft der Sylter. „Dass die Fibel auf Sylt dauerhaft ausgestellt werden darf, ist für die Insel eine einmalige Gelegenheit und behandelt ein bisher noch nicht aufgearbeitetes Thema Inselgeschichte“, sagt der Leiter der Sölring Museen. „Ein Schmuckstück mit solch einem spannenden Hintergrund muss unbedingt auf Sylt bleiben.“ Seit die Fibel wieder in der Öffentlichkeit auftauchte, sei bei den Syltern das Interesse an der Gewandschließe beachtlich. Bereits im Dezember gab es im Heimatmuseum einen sehr gut besuchten Vortrag, der die Ringfibel vorstellte und Hintergründe erläuterte. „Diesen Zeitabschnitt aus der Wikingerzeit zukünftig in Keitum mit der Fibel zu ergänzen, ist für uns von großer Relevanz. Ich werde alles daran setzen, die hohen Anforderungen zu erfüllen, dass diese Fibel so schnell wie möglich der Öffentlichkeit präsentiert werden und diese grandiose Handwerksleistung bestaunt werden kann“, so Römer. „Leider verlassen immer wieder wichtige historische Dokumente und Objekte die Insel. Damit gehen auch Geschichten verloren. Das Klagen darüber ist groß. Mit der Fibel haben wir nun die einmalige Chance, zu beweisen, dass wir auch bewahren und dass wir auf der Insel für solch wichtige Projekte zusammenhalten können.“ Die Planungen für die Neugestaltung seien im Werden und ein Gesprächstermin mit Schleswig bereits vereinbart.

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