Hebammen auf der Insel : Sylter Notruf für werdende Mütter

Seit der Schließung der Geburtsstation in Westerland müssen werdende Mütter in die Kreißsäle nach Husum oder Flensburg ausweichen.
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Seit der Schließung der Geburtsstation in Westerland müssen werdende Mütter in die Kreißsäle nach Husum oder Flensburg ausweichen.

Hebammen Cornelia Bäcker und Heidrun Hepper wechseln sich ab bei telefonischer Rufbereitschaft rund um die Uhr.

shz.de von
22. März 2017, 04:18 Uhr

Eine Geburt auf Sylt – seit der Schließung der Geburtsstation in der Nordseeklinik am 1. Januar 2014 keine Selbstverständlichkeit mehr. Damit schwangere Frauen sich auf der Insel trotzdem sicher fühlen können, haben zwei Sylter Hebammen nun einen Hebammen-Notruf gegründet: Unter der Handynummer 0151-51717172 wird ihnen rund um die Uhr geholfen. Am 3. April geht’s los.

Ab in die Nordseeklinik, wenn die Wehen kommen – so einfach ist es heute auf Sylt nicht mehr. Genauso wie auf den Nachbarinseln Amrum und Föhr müssen schwangere Frauen sich auf den Weg in die Geburtsstationen nach Husum oder Flensburg machen, wenn es soweit ist. Weil sich aber Geburten nun einmal schlecht planen lassen, werden die Frauen in Boardinghäusern untergebracht, wenn das Baby auf sich warten lässt, oder in eiligen Fällen mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen.

Bisher galt die Devise: Notruf 112 wählen. Doch viele Frauen scheuen den Alarm, wollen nicht mit Blaulicht und Tatütata abgeholt werden. Für diese werdenden Mütter gibt es nun mit dem Hebammen-Notruf eine Alternative. Am anderen Ende meldet sich auf jeden Fall eine erfahrene Hebamme, die der Anruferin zuhört und weiß, welche Entscheidung zu treffen ist.

Zwei Hebammen teilen sich die Rufbereitschaft hinter der Handynummer, Cornelia Bäcker und Heidrun Hepper. Beide übernehmen auch bisher schon wechselweise die Rufbereitschaft der Hebammen für den Sylter Rettungsdienst, werden also hinzugerufen, wenn der DRK-Rettungswagen alarmiert wurde. Ein Projekt, das die Gemeinden der Insel, der Kreis und das Land ins Leben gerufen haben, als der Westerländer Kreißsaal geschlossen wurde. Unterstützt werden sie dabei finanziell von den Krankenversicherungen. Bis Ende 2017 wurde die Rufbereitschaft verlängert, täglich sind dafür 100 Euro eingeplant. Die jährlichen Gesamtkosten betragen 36  500 Euro plus jeweils 7500 Euro für die Haftpflichtversicherungen der beiden Hebammen. Die Kosten für die Geburten werden von den Krankenkassen übernommen. Anke Bertram, dritte Hebamme auf der Insel und gleichzeitig Landesvorsitzende des Hebammenverbandes, beteiligt sich nicht an der Bereitschaft. Sie sieht in der Vereinbarung Ethikgrundsätze ihres Berufsstandes verletzt.

Zur Hebammen-Rufbereitschaft gesellt sich nun ab 3. April der Hebammen-Notruf hinzu. Die Bezahlung der Hebammen ist bereits geregelt, fehlt nur noch das Geld für den Mobilfunkanschluss mit den beiden Handys für Heidrun Hepper und Cornelia Bäcker. Hier springt der Round Table Sylt unterstützend ein – mit dem Erlös aus dem vorweihnachtlichen Losverkauf in der Friedrichstraße.

Mit dem Hebammen-Notruf käme man dem Wunsch schwangerer Frauen nach einem vertrauten Ansprechpartner entgegen, sagt Cornelia Bäcker, die seit 26 Jahren als Hebamme tätig ist und seit 2010 auf Sylt lebt. Ihre Kollegin Heidrun Hepper übt den Beruf schon seit 1982 aus und ist vor 15 Jahren von Berlin auf die Insel gezogen. Viele werdende Mütter, berichtet sie, würden nur ungern für zwei Wochen in der ungewohnten Umgebung des Boardinghouses leben wollen. Das sei nur bei Risikoschwangerschaften unumgänglich. Aber auch den Hubschrauberflug würden die Frauen gern vermeiden, weiß Heidrun Hepper aus Erfahrung. „Der Flug ist auch für die Kinder nicht gut.“ Zudem sei es schon häufiger vorgekommen, dass Mütter ausgeflogen wurden und am nächsten Tag unverrichteter Dinge wieder mit der Bahn nach Hause geschickt wurden. Ein unnötiger Stress für Mütter, ihre Babys und ihre Familien.

Der neue Hebammen-Notruf sei eine Ergänzung zur Rufbereitschaft, klärt Cornelia Bäcker auf. Ob bei einem überraschenden Blasensprung oder wenn die Wehen einsetzen – unter der neuen Handynummer erreichten die werdenden Mütter zu jeder Zeit einen vertrauten und kompetenten Ansprechpartner.

Ideelle Unterstützung erfährt die Initiative der beiden Hebammen auch vom Kreis Nordfriesland. „Ich finde das Angebot ganz wunderbar“, sagt Nina Schmeck, Leiterin des Fachbereiches Gesundheit in der Husumer Kreisverwaltung. Die Zusammenarbeit der Hebammen mit dem Rettungsdienst funktioniere sehr gut, „wir sind sehr zufrieden damit.“ Der neue Hebammen-Notruf sei sowohl für die werdenden Mütter als auch für die Hebammen eine sinnvolle Ergänzung des bisherigen Angebots.

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