Von Sylt ins All : Sylter Muschelzellen fliegen ins Weltall

Mitarbeiter des Projekts sammelten im September vergangenen Jahres die Muscheln am Lister Ellenbogen ein.
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Mitarbeiter des Projekts sammelten im September vergangenen Jahres die Muscheln am Lister Ellenbogen ein.

Von Sylt hinaus ins Weltall: Einige Lister Muscheln kehren der Erde den Rücken, genauer gesagt: Zellen von Miesmuscheln aus dem Wattenmeer.

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09. Januar 2015, 05:50 Uhr

Von Sylt hinaus ins Weltall: Einige Lister Muscheln kehren der Erde den Rücken, genauer gesagt: Zellen von Miesmuscheln aus dem Wattenmeer. Wenn alles klappt, werden sie bereits diesen Sonnabend an Bord einer Space-Rakete von Cape Canaveral in Florida aus in den Weltraum starten. Es handelt sich um Fresszellen (Hämozyten) des Immunsystems der Muscheln. Die Besatzung der ISS wird an ihnen Versuche durchführen.

Die Hämozyten sind die Hauptakteure in einem Experiment, an dem Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen bereits seit Jahren arbeitet. Der mittlerweile emeritierte Forscher der TU Berlin war in den 1980er Jahren für das Alfred-Wegener-Institut in List auf Sylt tätig. Schon zu seiner Inselzeit begann die Idee für das Projekt zu reifen. 1994 arbeitete er gemeinsam mit einem Kollegen auf einem Bierdeckel, wie er selbst sagt, das Forschungsvorhaben aus. Noch im selben Jahr reichten sie ihr Projekt bei der NASA ein – mit Erfolg.

Der Name des Experiments ist TripleLux-B – es soll Aufschlüsse darüber liefern, wie sich ein Aufenthalt im Weltraum auf das Immunsystem der Astronauten auswirkt. „Astronauten haben mit drei Problemen zu kämpfen, wenn sie aus dem Weltraum zurückkehren: Knochenerweichung, Muskelschwund und das Immunsystem verändert sich unter der Schwerelosigkeit“, erklärt Prof. Hansen. Anders als beim Menschen passt sich das Immunsystem von wirbellosen Tieren wie Muscheln bei Veränderungen nicht an. Die Erkenntnisse, die durch die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Immunsystem von Muscheln gewonnen werden, könnten dabei helfen, Astronauten medikamentös besser für ihre Missionen im All einzustellen. Im Anschluss an das TripleLux-B-Experiment werden Mäusezellen im Rahmen des TripleLux-A-Experiments ins Weltall geschickt, um Vergleichswerte zu gewinnen.

Dass ausgerechnet Sylter Miesmuscheln für das Experiment genommen wurden, liegt an der Verbindung von Hansen zur Insel. „Außerdem haben wir immer sehr geschätzt, dass das Alfred-Wegener-Institut so nah ist“, erklärt der Professor. Bereits im September wurden die Miesmuscheln von Mitarbeitern des Projekts am Lister Ellenbogen gesammelt. Den Muscheln wurde dann Blut abgezogen und gereinigt. Die Blutkörperchen wurden angereichert, einer Qualitätskontrolle durch Airbus Space und Defence unterzogen und dann kyrokonserviert für den Weltraumflug.

Die Astronauten an Bord der ISS erwecken dann innerhalb von 48 Stunden die Blutkörperchen wieder zum Leben und führen unter Schwerelosigkeit das Experiment zur Immuntoxikologie durch. Gleichzeitig wird eine Referenzmessung auf der Erde durchgeführt.

Der Start für die „Muschel-Mission“ wurde bereits mehrfach verschoben. Sollte wieder etwas dazwischen kommen, dann müssen wohl im Februar neue Muscheln in List gesammelt werden – für den nächsten Versuch.


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