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Zuschüsse, Sponsoring und Querfinanzierungen : Sylter Kultur in der Finanzklemme

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Meerkabarett bittet um weitere öffentliche Mittel zur Defizitabdeckung. Aber wie kommen eigentlich andere Kulturveranstalter auf Sylt klar?

von
erstellt am 20.Jan.2016 | 05:30 Uhr

Für kontroverse Diskussionen in der Politik und in der Kulturszene der Insel sorgt die Ankündigung von Joachim Wussow, auch für die Zukunft öffentliche Mittel zu beantragen, um das jährliche Defizit seines Meerkabaretts auszugleichen. In einem Schreiben hatte Wussow darum gebeten, weiterhin finanzielle Unterstützung aus dem Haushalt der Gemeinde Sylt zu erhalten. Ablehnend dazu äußerte sich bereits Tourismusdirektor Peter Douven, weil das Geld über den ISTS fließt und dessen Bilanz negativ beeinflussen würde (wir berichteten). Morgen abend sollen nun die Gemeindevertreter über den Antrag des Meerkabarett-Chefs beraten und über Pro oder Kontra entscheiden. Doch ganz ohne Zuschüsse, Sponsoring oder Querfinanzierungen kommen die wenigsten Kulturveranstalter auf der Insel über die Runden. Die Sylter Rundschau hat in Kampen, Keitum und Wenningstedt nachgefragt.

„Grundsätzlich gibt es in der Hauptsaison ja fast überall umfassende Angebote, die sich auch tragen“, sagt Kampens Tourismuschefin Birgit Friese. „Aber die Konzepte sollten spezifisch auf den jeweiligen Ort und seine Gäste abgestimmt sein, um sich nicht unnötig Konkurrenz zu machen.“ Finanziell lägen Kampener Veranstaltungen nicht immer im schwarzen Bereich, ergänzt Bürgermeisterin Stefanie Böhm. „Vor allem unser aufwändiges Sommerfest fährt regelmäßig ein Minus ein. Aber das ist eben so – und dann auch so gewollt.“ Anders sähe es beim Literatur- und Musiksommer aus: „Diese Veranstaltungen liefen in den letzten Jahren recht gut“, so die Bürgermeisterin. „In der Regel plus minus Null, manchmal sogar mit leichtem Plus.“ Bei kulturellen und gesellschaftlichen Events gäbe es zwar finanzielle Unterstützung, zum Beispiel von Kampener Unternehmen, „aber ein Sponsoring im klassischen Sinne ist das nicht“, erläutert Stefanie Böhm. „Und wenn doch mal ein Defizit entsteht, wird das mit Gemeindemitteln ausgeglichen.“

Allein mit kulturellen Veranstaltungen könne man kein Geld verdienen, sagt Birgit Damer, die Vorsitzende des Vereins Kulturhaus Sylt, der seit fünf Jahren den Keitumer Friesensaal betreibt. „Aber wir haben ja einen gesellschaftlichen Auftrag, den wir überwiegend im Ehrenamt durchführen.“ Dazu gehören neben Konzerten und Lesungen auch die Durchführung von Sitzungen, Versammlungen von Vereinen oder Seniorenfeiern. Damit der Friesensaal erhalten bleibt und als Veranstaltungsstätte weiter genutzt werden kann, stellt die Gemeinde Sylt dem Verein das Gebäude mietfrei zur Verfügung und trägt die Betriebskosten. „Allerdings wird mit unseren Einnahmen der Saal auch refinanziert“, so Birgit Damer. „Wir investieren das Geld zum Beispiel für Elektro- und Veranstaltungstechnik, Malerarbeiten oder aktuell für erforderliche Umbauten. Auch die Pflege der Außenanlage ist unsere Aufgabe.“ Die zunehmende Konkurrenz auf der Insel sieht die Vereinsvorsitzende kritisch: „Es sollte eine vernünftige Aufteilung und offene Absprachen untereinander geben. Jeder muss seine Nischen suchen und finden. Wenn das nicht gelingt, gehen letztendlich alle baden, zerbricht die kulturelle Vielfalt auf Sylt insgesamt“, befürchtet Birgit Damer.

Mit dem ersten Jahr sehr zufrieden ist Elke Wenning, die Veranstaltungsleiterin des Kursaal³ im neuen Wenningstedter Haus am Kliff. „Wir sind in positiven Zahlen, so weit es die Veranstaltungen betrifft. Bei uns ist ja der Tourismusservice als GmbH der Betreiber, deshalb muss alles wirtschaftlich geführt werden.“ Reine Kulturveranstaltungen für Urlaubsgäste und Insulaner würden über Kongresse, Messen und auch private Feiern querfinanziert, so Elke Wenning. Noch nicht drin seien allerdings die Personalstellen für sie und den Veranstaltungstechniker: „Wir werden bisher aus dem Budget des Tourismusservice bezahlt. Uns wurde allerdings drei Jahre Zeit gegeben, bis alles wirtschaftlich läuft und wir damit unsere Arbeit quasi selbst finanzieren.“

Verständnis für die finanziellen Wünsche von Joachim Wussow äußert Wolfgang Zaeske: „Das Meerkabarett hat gerade in den Monaten Juli und August eine besondere Bedeutung und Berechtigung. In der Zeit sollte es ein leichtes Sommertheater bieten und dabei auch von der Gemeinde unterstützt werden.“ Gemeinsam mit seiner Frau Franziska veranstaltet der Architekt und Musikkenner in seinem Teekontor Keitum seit zehn Jahren exklusive Jazz- und Klassikkonzerte, die sich an ein anspruchsvolles Publikum wenden. Zaeske sieht mit Freude, aber auch mit einer gewissen Skepsis, dass das Kulturangebot auf der Insel im Laufe der vergangenen Jahre stetig gewachsen ist, kritisiert wie andere jedoch, „dass es zu wenig Abstimmung unter den Veranstaltern gibt und deshalb zu viel Ähnliches angeboten wird.“ Mit Blick auf das Meerkabarett erachtet Wolfgang Zaeske eine Verlängerung der Spielzeit in den Herbst hinein jedoch als „unnötig“. Denn so entstünden Angebote, „die letztlich vielleicht anspruchsvoll sind, aber nicht genug Publikum für eine große Halle bringen und so nicht nur dazu beitragen, dass das Defizit wächst, sondern auch die Frustration bei Publikum und Künstler. Denn beide fühlen sich bei eher intimen Konzerten nicht wohl in einer nur spärlich besetzten Halle“.

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