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Geburtshilfe : Sylter Kreißsaal: Hebammen steigen aus

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schwangere müssen ab Januar zur Geburt aufs Festland. Die Sylter Hebammen haben dem Gesundheitsministerium gegenüber gestern den Ausstieg aus dem geplanten Modell „Sylter Kreißsaal“ erklärt.

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erstellt am 23.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Ist das das endgültige Aus für die Geburtshilfe auf Sylt? Wie das Gesundheitsministerium am späten Sonntagnachmittag mitteilte, haben gestern alle Sylter Hebammen dem Ministerium gegenüber ihren Ausstieg aus dem in der Entwicklung befindlichen Modells des „Sylter Kreißsaals“ erklärt. Erst am Donnerstag hatten sich – wie berichtet – alle Beteiligten auf Sylt auf die nächsten Schritte bis Ende Januar zur Weiterentwicklung des Modells zur Sicherung der Geburtshilfe auf Sylt verständigt.

Gesundheitsministerin Kristin Alheit betonte dazu: „Die Entscheidung ist eine Enttäuschung für Sylt und für mich. Offenbar haben wir es nicht geschafft, eine akzeptable Perspektive für alle Beteiligten zu eröffnen. Dass eine solche Entscheidung getroffen wird, bevor die verabredeten nächsten Schritte erfolgen konnten, ist überraschend, ich warne jedoch vor vorschnellen Urteilen.“ Das Gesundheitsministerium werde mit den Hebammen über die Gründe sprechen.

Wie geht es jetzt weiter? Das Gesundheitsministerium kündigte an, rechtlich prüfen zu lassen, welche weiteren Möglichkeiten es gegenüber der Asklepios Nordseeklinik hinsichtlich der Versorgung und der Erfüllung des Versorgungsauftrages gibt. Die Klinik hatte mitgeteilt, diesen ab dem 1. Januar 2014 nicht weiter wie bisher aufrechterhalten zu können und dies zuletzt mit qualitativen Anforderungen begründet.

Für alle Schwangeren greift spätestens ab dem 1. Januar das Boarding-Konzept, das das Diakonissenkrankenhaus in Flensburg und Krankenkassen auf Bitten des Gesundheitsministeriums auf den Weg gebracht hatten, um das Konzept „Sylter Kreissaal“ zu flankieren. „Das bedeutet, dass ab 1. Januar nicht nur wie bisher Risikoschwangerschaften, sondern alle Sylterinnen planmäßig auf dem Festland entbunden werden und dazu eine Festlandsklinik deutlich vor dem Geburtstermin aufsuchen“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Schwangere könnten sich ab sofort mit allen Fragen zur Schwangerschaft oder Entbindung sowie für die Anmeldung im Boarding-Haus unter der Telefonnummer 0461 / 812 45 33 oder per E-Mail an kreisssaal@diako.de an die DIAKO in Flensburg wenden. Selbstverständlich könnten Schwangere auch andere Geburtskliniken auf dem Festland aufsuchen. Allerdings sei eine von Krankenkassen getragene Unterbringung vor der Geburt derzeit nur in Flensburg möglich.

In Notfällen entscheide der Rettungsdienst über erforderliche Maßnahmen wie den schnellstmöglichen Transport in ein geeignetes Krankenhaus, gegebenenfalls auch unter Beteiligung der Notfallversorgung der Asklepios-Nordseeklinik, die dafür weiter zur Verfügung stehe.

In seiner Mitteilung verweist das Gesundheitsministerium darauf, dass auch Konzepte geprüft worden seien, bei denen Ärzte aus anderen Kliniken zur Geburtshilfe nach Sylt abgeordnet werden. Dazu sehen sich die angefragten Kliniken auf dem Festland jedoch nicht in der Lage. Die Beteiligten hatten vor diesem Hintergrund das Modell „Sylter Kreißsaal“ entwickelt.

Für dieses Modell warb Bürgermeisterin Petra Reiber noch am Donnerstagabend bei den zum Teil recht skeptischen Politikern der Gemeinde Sylt um Unterstützung. Der plötzliche Ausstieg der Hebammen, noch bevor das Modell überhaupt fertig ausgearbeitet ist und geprüft werden konnte, kam für sie gestern „wie aus heiterem Himmel“. Überrascht zeigte sich Reibers Stellvertreter Carsten Kerkamm vor allem über die „nicht abgestimmte“ Pressemitteilung des Ministeriums, da es heute Nachmittag noch ein von ihm initiiertes Gespräch mit den Hebammen und anderen Beteiligten geben soll.

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