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Sylter Klinik fehlen die Hebammen – Hilferuf nach Kiel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 01.Okt.2013 | 00:33 Uhr

„Sylt ohne Sylter“ – dieser bislang für den Fortzug vieler Insulaner aufs nahe Festland stehende Slogan bekommt demnächst vielleicht noch eine weitere Bedeutung. Denn sobald – wie erst kürzlich geschehen – die einzige Krankenhaus-Hebamme krankheits- oder urlaubsbedingt ausfällt, müssen werdende Mütter die Insel verlassen und ihre Kinder auf dem Festland zur Welt bringen. Seit einem Jahr sucht die Asklepios Nordseeklinik vergeblich nach einer zweiten Hebamme, und ab kommendem Jahr fehlt auch noch ein zweiter Gynäkologe. Vor allem die geringe Zahl von 80 bis 90 Geburten pro Jahr sowie die hohen Versicherungskosten für Hebammen und Ärzte lassen potenzielle Bewerber davor zurückschrecken, auf die Insel mit ihren sehr hohen Mieten und Lebenshaltungskosten zu ziehen.

Nun wandte sich die Klinik, die ihre Geburtsstation mit Belegärzten und Beleg-Hebammen betreibt, an das Kieler Sozialministerium: „Asklepios hat dem Ministerium mitgeteilt, dass nach Auffassung der Klinik die Geburtshilfe zukünftig nicht dauerhaft durch die Klinik aufrecht erhalten werden könne. Das Ministerium wird vor diesem Hintergrund mit der Klinik Gespräche über die Situation und die Möglichkeiten der zukünftigen Gestaltung der Geburtshilfe führen“, bestätigte Ministeriumssprecher Christian Kohl.

Die Vorstellung, dass es in Zukunft womöglich keine gebürtigen Sylter mehr geben wird, ist für viele Insulaner ein Schreckensszenario. Oder „ein echtes Armutszeugnis“, wie es der Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Gemeinde Sylt, Eberhard Eberle (SPD), nennt. Er hat für morgen eine Sondersitzung einberufen, um mit den Beteiligten über die Situation und mögliche Konsequenzen zu diskutieren.

Als eine mögliche Konsequenz führt Nordseeklinik-Geschäftsführer Norbert Nachtwey die Umwandlung der Geburtsstation in eine Art Geburtshaus an, bei dem die Klinik lediglich den Kreißsaal zur Verfügung stellt. „Unser Ziel ist es, weiterhin Geburten auf der Insel zu ermöglichen“, beteuert Nachtwey, der morgen nicht an der öffentlichen Sitzung teilnehmen wird. Statt einer sachlichen Diskussion befürchtet man bei Asklepios nach den Erfahrungen des Streiks im vergangenen Sommer offenbar eine erneute Negativ-Stimmung gegenüber der Klinik.

Massive Kritik gibt es bereits von der SPD-Landtagsabgeordneten und ehemaligen Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht, die den möglichen Rückzug der Asklepios-Klinik aus der Geburtshilfe für „völlig inakzeptabel“ hält: „Die Landesregierung hat den Konzern Asklepios mit finanziellen Mitteln für Investitionen großzügig unterstützt und politisch den Sicherstellungszuschlag für die Inseln durchgesetzt. Die finanzielle Situation des Konzerns und Renditeerwartungen auf dem Rücken der Schwangeren und ihrer Familien auszutragen, ist schlicht unredlich und für ein so bedeutendes Unternehmen der Krankenhausbranche nicht akzeptabel.“ Eine Lösung müsse nun im Gespräch mit Land, Hebammen und Krankenkassen gefunden werden, fordert die Sozialdemokratin.

Das sieht auch Nachtwey so, hält Trauernicht jedoch entgegen, dass es nicht nur ums Geld gehe, sondern vorrangig um die Qualität der Geburtshilfe. So sei die Klinik bereit, die Versicherungsbeiträge der Hebammen zu übernehmen und eine Unterkunft zu stellen. Das Hauptproblem sei jedoch die Insellage. „Von den sechs Hebammen, mit denen ich allein in diesem Jahr gesprochen habe, haben fünf abgesagt, bevor es überhaupt ums Geld ging.“

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