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Katholische Kirche : Sylter Katholiken weiter ohne Priester

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit dem Weggang von Pfarrer Dr. Hoppe ist die Stelle des Priesters auf Sylt vakant. Ob die Stelle neu besetzt wird, ist ungewiss.

„Wir halten uns gerade so über Wasser“, sagt Regina Kirsten, die stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates der katholischen Kirche auf Sylt. Im vergangenen November verließ Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe nach neun Jahren auf eigenen Wunsch die Insel, um Polizeiseelsorger in Sankt Augustin bei Bonn zu werden. Seitdem ist die Priesterstelle vakant, eine Situation, die für die Gemeinde nicht immer einfach ist. „Es gibt leider auch nicht endlos Priester“, sagt Kirsten, „außerdem soll er natürlich auch auf die Insel passen“.

Zuständiger Arbeitgeber ist das Erzbistum in Hamburg. „Eigentlich wurde uns gesagt, ein neuer Priester würde im Sommer kommen“, sagt Kirsten, „aber der Sommer ist lang und bisher haben wir noch nichts gehört“.

In Hamburg kennt man die Personalprobleme auf der Insel. Eine Veränderung, die auch im Interesse der vielen ehrenamtlichen Gemeindehelfer ist, ist aber nicht geplant. „In der nächsten Zeit wird Sylt weiter durch Vertretungen priesterlich betreut“, bestätigt Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg auf Nachfrage der Sylter Rundschau. „Ob und wann Sylt einen eigenen Priester bekommt, lässt sich zur Zeit noch nicht sagen“, so Nielen.

Dieser Satz lässt Regina Kirsten aufhorchen. „Hier ist wohl das kleine Wörtchen ‚ob‘ entscheidend“, sagt sie bestürzt.

Denn dass die Möglichkeit besteht, dass kein Priester nach Sylt kommt, bestätigt auch Gemeindereferent Norbert Wieh. Seit dem 1. Mai ist der 63-Jährige für die Inseln Föhr, Amrum und Sylt für die Seelsorge zuständig. Diese Neuentwicklung hängt auch mit der pastoralen Neustrukturierung Nordfrieslands zusammen. Denn die drei Pfarreien Sylt, Niebüll und Husum sollen schon bald zu einer verschmelzen. Pfarrer Oliver Meik aus Husum wird dann Pfarradministrator für diesen pastoralen Raum. „Dieser Prozess hat bereits angefangen“, sagt Norbert Wieh. Dass Sylt schließlich einen eigenen Pfarrer bekommt, sieht der Gemeindereferent nicht. „Für diesen pastoralen Raum sind insgesamt nur vier Vollzeitstellen vorgesehen“, erklärt er, „das bedeutet, es geht gar nicht, dass überall ein eigener Priester ist.“

Norbert Wieh versucht, die positiven Seiten zu betonen: „Hier ist auch die Chance gegeben, dass man sich nicht nur auf einen Priester konzentriert – im Grunde werden die Gemeinden sogar lebendiger durch den Priester- und Hauptamtlichenmangel.“

Ob die 1800 Gemeindemitglieder das ähnlich sehen, ist anzuzweifeln. Die ehrenamtlichen Gemeindemitglieder verbringen viel Zeit am Telefon, um Gastpriester zu organisieren. Viele verbinden einen Sylt-Urlaub damit, kommen für zwei Wochen, wohnen in der kleinen Gemeindewohnung und halten ehrenamtlich die heilige Messe. „Viele bringen sich dabei auch sehr engagiert in die Gemeinde ein“, sagt Kirsten und erzählt, dass die kommenden Messen alle durch einen Gastpriester abgedeckt sind. Allerdings bedeutet die Organisation der Gastpfarrer für die Massage-Praxis-Inhaberin zusätzlich viel Arbeit. „Meine Praxis, die Familie und dann noch die ehrenamtliche Arbeit für die Kirche – das ist schon eine deutliche Mehrbelastung für mich“, sagt Kirsten.

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erstellt am 04.Jun.2016 | 05:53 Uhr

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