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Jodo auf Sylt : Sylter Judoka auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Christopher Scharf wurde Mitte Juni deutscher Judo-Vizemeister. Jetzt trainiert der Westerländer Rechtsanwalt in der National-Mannschaft.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2017 | 05:19 Uhr

Der gebürtige Sylter Christopher Scharf (40) ist im „normalen Leben” Rechtsanwalt und Strafverteidiger, doch nach Feierabend ist er Mitglied der Judo-Nationalmannschaft und wurde am 18. Juni Vizemeister bei den Deutschen Meisterschaften in Hoppegarten bei Berlin.

Bereits seit über 35 Jahren ist Scharf fasziniert von der japanischen Kampfsportart, die schon seinen Vater und großen Bruder gefesselt hat. „Ich bin neben den Judo-Matten groß geworden und bin früh in den Sport eingestiegen“, erinnert er sich. Erste Turniere absolvierte er mit zehn Jahren, als Elfjähriger stand er in der Landesauswahl und kämpfte sich systematisch nach oben. Bereits mit 16 Jahren hatte er seinen Trainerschein in der Tasche und unterrichtete Andere in der Kunst des Judo. Während seines Jura-Studiums in Hamburg jobbte er als Trainer an der Uni und verdiente sich mit seinem Hobby etwas dazu, denn „so ganz billig ist das nicht“. Man braucht für diesen Sport zwar nur einen weißen Anzug, doch der hat es in sich. „Ich haben einen original japanischen Anzug aus fester Baumwolle, der rund 300 Euro kostet. Aber einer genügt nicht, denn für die verschiedenen internationalen und deutschlandweiten Wettkämpfe braucht man auch verschiedene Anzüge.“

Strenge Sitten herrschen bei den Japanern nicht nur bei der Bekleidung, auch die Regeln und Rituale für diese altehrwürdige Sportart sind penibel festgelegt. Schließlich reichen die Wurzeln des Judo bis ins Jahr 700 zurück und begründen eine Philosophie, die auch der Persönlichkeitsentwicklung dient. „Die Werte des Judo sind Respekt, Höflichkeit, Mut und Disziplin“, erklärt der Vizemeister, „Werte, die man am besten schon den Kindern vermitteln sollte, denn sie prägen einen fürs Leben. Ich bin sicher, dass diese asiatische Gelassenheit aus dem Sport sich auch auf mein Leben übertragen hat. Öfter mal Nicken und Lächeln macht vieles leichter.“

Wer die meiste Zeit seines Lebens auf Judo-Matten verbringt, der findet hier auch seine große Liebe. „Meine Frau kommt auch aus dem Judo-Leistungssport und selbst unser zweijähriger Sohn trägt schon seinen Judo-Anzug, in dem er im Moment aber lieber Fußball spielt“, erzählt er lachend. Viel Zeit bleibt dem jungen Vater für seine Familie nicht, denn seit Januar ist der deutsche Vizemeister auch Mitglied der deutschen Nationalmannschaft und bereitet sich jetzt auf eine mögliche Teilnahme an den Weltmeisterschaften vor. „Dass ich bei den deutschen Meisterschaften Zweiter geworden bin heißt nicht automatisch, dass ich für die Weltmeisterschaft im Oktober nominiert werde“, so Scharf. „Der Bundestrainer wählt denjenigen aus, der auf internationaler Ebene die besten Chancen hat und niemand weiß, wen er dafür geeignet hält.“ Und so trainiert Scharf fleißig weiter – drei Tage die Woche alleine auf Sylt, so oft es geht mit der Nationalmannschaft an wechselnden Orten und zwei Mal pro Woche mit seiner Trainingspartnerin Sandra Büchler aus Flensburg. Warum der feste Partner für all seine Wettkämpfe eine Frau ist, kann Scharf schnell erklären: „Es ist auf diesem Niveau unheimlich schwer jemanden zu finden, der von der Technik, vom Können und vom Gewicht her als Partner in Frage kommt und Sandra ist die einzige in ganz Schleswig-Holstein, mit der ich noch trainieren kann.“ Denn die beiden praktizieren eine spezielle Variante des Judo, die sich „Katame no Kata“ nennt. „Das ist eine Art Show-Kampf, bei dem die verschiedenen Techniken, wie Halte- und Würgetechnik, demonstriert werden. Sie müssen in absoluter Perfektion und Synchronität gezeigt werden und verlangen sehr viel Disziplin. Dafür hat man hier aber weniger Verletzungsrisiko, was für mich als selbstständiger Anwalt auch sehr wichtig ist.“

Bis die Entscheidung fällt, ob er zur Weltmeisterschaft fährt oder nicht, übt sich Scharf weiter in asiatischer Gelassenheit und lädt alle Interessierten ein, beim Training vorbei zu schauen. „Judo ist eine Sparte des TSV Westerland und für Kinder ebenso geeignet wie für Erwachsenen. Man braucht keinerlei Vorkenntnisse, macht einfach unverbindlich eine Stunde mit und kann schon nach kurzer Zeit am Training teilnehmen und seinen Gegner erfolgreich auf die Matte werfen. Übrigens: In dieser Woche ist ein siebenfacher Judo-Weltmeister bei uns zu Gast. Besuchen Sie uns doch mal vorbei!


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